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Neu: Lockdown-Angebot bei Alkohol adé

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Lockdown. Das bedeutet für viele soziale Isolation, wirtschaftliche Sorgen und Stress. Der Griff zum Glas ist da schon verführerisch. Wenn auch Sie sich über Ihren Alkoholkonsum in Coronazeiten Gedanken machen, stehen wir Ihnen zur Seite. Kostenlos und anonym.

Dabei geht es überhaupt nicht um das Thema „Alkoholiker.“ Genau im Gegenteil. Sie sorgen sich um Ihren Konsum, wollen vorbeugen und das ist gut so. Holen Sie sich also von uns Tipps, wie Sie das am besten umsetzen können.

Wir haben auf vielfachen Wunsch ein spezielles Angebot zum Thema Alkohol und Corona-Lockdown eingerichtet. Hier gibt es Tipps und Tricks, wie man die Zeit auch ohne (oder mit weniger) Alkohol übersteht. Und vor allem: Hier finden Sie auch andere, denen es genau so geht.

24 Stunden lang steht dafür ein spezielles Forum bereit, aber auch Gespräche sind möglich. Ohne Bild, nur auf der Tonspur. Alles, was Sie tun müssen: Registrieren Sie sich, es herrscht strikte Anonymität. Steigen Sie ins Forum ein, holen Sie sich Rat, diskutieren Sie mit anderen. Dort geben wir auch die Termine für mögliche Live-Gespräche bekannt, die zu unterschiedlichen Tageszeiten angeboten werden.

Hier geht es zur Gruppe (kostenlose Registrierung erforderlich)


Aus unserem Blog: Corona und Alkohol – ein teuflisches Paar

Seitdem Corona durch die Welt geistert, ist der Alkoholkonsum nach oben geschnellt. Bis zu einem Drittel mehr haben beispielsweise die Amerikaner während des Lockdowns getrunken, in Europa sieht es nicht viel anders aus. In den letzten Tagen geht dafür eine ebenso leichte wie ahnungslose Begründung durch die Medien: Aus Langeweile hätten die Leute getrunken, weiß zum Beispiel der Norddeutsche Rundfunk.

Stimmt, Kollegen. Ein bisschen jedenfalls. Mich ärgert diese Simplifizierung trotzdem. Eine so einfache Erklärung („Langeweile“) provoziert geradezu den ebenso schlichten (wie nutzlosen) Ratschlag: „Ja, dann müssen die sich halt mit was beschäftigen.“

Ist klar. Scrabble gegen den Alkohol. Führt dann auch gleich wieder zum Kurzschluss: „Wer aus Langeweile trinkt, der will das ja am Ende und ist nur zu willensschwach, zu undiszipliniert, die Zeit mit was anderem zu füllen.“ 

Falsch, Leute. Ihr macht die Rechnung ohne den Wirt. Alias Suchtgedächtnis.

Wer diesen Teufel nicht im Hirn sitzen hat, kann wirklich nur ansatzweise mitreden. Richtig ist: Das wochenlange Anstarren der eigenen vier Wände ist tendenziell langweilig. Die Frage stellt sich auch rasch: „Warum eigentlich den Schlafanzug überhaupt ausziehen – sieht ja eh keiner.“ Die Tagesstruktur droht, sich aufzulösen. Biochemisch gesprochen: Das Dopaminsystem wird faul.

Dopamin ist ein Nervenbotenstoff, der für Antrieb, Belohnung und daraus stammende Glücksgefühle verantwortlich ist. Nicht-Trinker können sich (und damit ihrem Dopaminsystem) gut selber in den Allerwertesten treten. Sie fangen an zu basteln, zu backen, zu puzzeln oder was auch immer. Wenn der Kuchen duftet oder das Puzzle fertig ist, ist das Dopaminsystem zufrieden. 

Wer allerdings auch vor Coronazeiten schon zu viel und zu oft Alkohol getrunken hat, dessen Gehirn kennt eine Abkürzung. Alkohol verpasst dem Dopaminsystem einen Kickstart. Leere, Langeweile und Antriebslosigkeit verschwinden – ein, zwei Gläser reichen und die kleine Wohnungswelt ist wieder bunt. 
Langeweile, Leere und fehlende Tagesstruktur sind aber nur eine Seite der Medaille.

Es kommen bei sehr vielen auch noch Ängste dazu. Zukunftsängste. Corona hat viele Menschen dicke wirtschaftliche Probleme beschert. Und wieder: Die Frage „Wie soll das alles nur weitergehen“ erstickt Alkohol im Keim. Wer auch schon vor dem Lockdown zu viel trank, der hat auch mit dem Runterspülen von Sorgen Erfahrungen.

Auch das weiß deren Suchtgedächtnis genau: Ein paar Schluck und die Welt ist wenigstens für ein paar Stunden nicht mehr so grau. Auch hierfür gibt es biochemisch eine Erklärung: Alkohol kurbelt das Serotoninsystem an, so lange er wirkt. Serotonin ist ein Nervenbotenstoff, der für Glück und Zufriedenheit zuständig ist. Das Antidepressivum aus der Flasche sozusagen.

Bitter, aber es ist so. 

Als wäre das alles nicht genug, kommt noch ein dritter Faktor dazu: Stress. Sozialstress. Viele Familien leben in Wohnungen, die im Alltag natürlich räumlich völlig ausreichen: Die Erwachsenen verlassen die vier Wände in Richtung Arbeit, Einkauf – die Kinder gehen zur Schule. In Coronazeiten findet all das daheim statt. Es muss sogar noch Platz für den Home-Office-Arbeitsplatz gefunden werden, gleichzeitig drücken die Kinder daheim die Schulbank. Das will beaufsichtigt sein – während die eigenen Verpflichtungen ja weiter laufen.

Auf Deutsch: Da entsteht schon binnen kurzer Zeit ordentlich Dampf im Kessel.

Passender Weise bietet Alkohol auch hier scheinbar Abhilfe: Alkohol entspannt. Da er die beiden mächtigsten Entspannungsbotenstoffe des Körpers manipuliert: GABA und Glycin. Ein paar Gläschen und die Anspannung lässt nach. Lass die Kinder über Tisch und Bänke toben – ist alles nicht mehr so schlimm. 
Leere, Zukunftsängste, Sozialstress: Und gegen alles hilft scheinbar der Alkohol.

Kein Wunder, dass Corona ein Trink-Turbo ist. Sicherlich nicht für jeden. Wer aber bereits vor der Pandemie über das normale Maß hinaus getrunken hat, der hat wahrscheinlich im Lockdown umso beherzter zugegriffen. Denn: Auch die Sozialkontrolle fiel ja aus. Selbst im Homeoffice konnte ja schon am Nachmittag „ein Schlückchen in Ehren“ durchaus sein – fiel ja niemandem auf und die Fahne riecht auch keiner. 





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Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

6 Gedanken zu „Neu: Lockdown-Angebot bei Alkohol adé“

  1. Noch nicht so wirklich etwas los, oder? Oder braucht es das Extra-Forum gar nicht, weil man in den anderen Foren schon alles findet, was man sucht?

  2. @harley Tja, das wird sich weisen … wir hatten ja auch in den “normalen” Foren schon Beiträge von Mitgliedern, die sich allein durchgeschlagen haben. Werden wir sehen, ob dann die Diskussionen hier stattfinden oder im allgemeinen Bereich stattfinden.

    Hauptsache, die haben einen Anlaufpunkt.

  3. @harley hi…..also ich bin nur hier….in keinen anderen Forum oder FB gruppe,mir gefällt das wenn nicht ganz so viel los ist und die Seite ist ja ansich schon informativ.und,da muss ich dir Recht geben,mich wundert es auch das hier nicht ein Beitrag nach dem nächsten einläuft,denke aber das wird schon! Genug Alkoholiker gibt es ja…..:-)leider!

    1. @lagertha Insgesamt gemeint habe ich aber nur das spezielle Coronaforum. Die anderen Beiträge mögen zwar nicht so zahlreich sein, aber qualitativ findet man hier echt hochwertige Sachen, z.B. von @maeuso, @annalisa@trosinette, @deichkind, @windofchange, @pippilotti oder @Freddy, um nur einige zu nennen. Ich hoffe ich habe niemanden übersehen.
      Darüber hinaus gefallen mir zwei Sachen ganz besonders:
      1. Wird man nicht ständig blöd angemacht wie in einem relativ stark besuchten Forum auf Facebook (wo ich auch noch mit Klarnamen schreiben müsste, weil ich mit dem dort angemeldet bin)
      2. Muss ich hier nicht ständig in meinem Bauchnabel nach meinem inneren Kind suchen. Na ja, vielleicht ist es ja aber auch woanders … im Klartext: Ich glaube, dass der Ansatzpunkt, die Ursachen fürs Saufen im Stoffwechsel zu suchen gar nicht so verkehrt ist.
      Nun aber ab in die Horizontale, Harley

      1. @harley Achso,dann habe ich das nur falsch verstanden,mea culpa

        Das das ganze ein Stoffwechseldilemma sein kann,war mir auch neu ist für mich aber absolut schlüssig!

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