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Gute Initiative von @harley – bitte lesen! Danke, Gaby und Bernd
Hallo allerseits! Ich bin ein "alter Dackel” und seit langer Zeit trocken und nüchtern. Ich bin mir nicht sicher, ob ich in dieses Forum passe. Ich versuch`s malmit einer Story:
Nachtgedanken
Morgen soll also meine Säuferkarriere zu Ende sein.
Wie oft habe ich mir dieses imaginäre Ende schöngeredet? Keinmal habe ich es geschafft. Warum soll es morgen anders sein? Vielleicht, weil ich es versprochen habe? Nichts, gar nichts habe ich versprochen – und wenn doch, dann weiß ich es nicht mehr.
Das ist die Nacht vor einer geplanten Kapitulation. Für mich gleicht sie einer Hinrichtung, der ich selbst zugestimmt habe. Ich hasse Ämter und Obrigkeiten, hasse verbeamtete Psychologen und die selbsternannten Gutmenschen der Alkoholiker-Beratungsstelle. Sie wollen mir einreden, dass ein Leben ohne Alkohol möglich ist – und noch mehr: dass es schön sein soll, erfüllt.
Und das soll ich glauben?
Wo bist du, Großer Gott? Nichts zu sehen vom Schöpfer aller Menschen – auch der Alkoholiker. Oder gehören die nicht dazu? Bist du ein Feigling? Warum holst du mich nicht ab aus dieser Hölle auf Erden? Hast du selbst Angst vor dem Teufel Alkohol? Wo bist du jetzt? Warum hilfst du mir nicht, diese Scheißangst der Finsternis zu vertreiben?
In meiner Erinnerung waren Nächte immer schön. Entweder von Sternen übersät oder von den Lichtern der Stadt erhellt. Heute ist es nur Nacht. Sonst nichts. Finster, schwarz, unheimlich. Die Angst vor dem Herzrasen lässt mich nicht liegen bleiben, die Luft wird dünn. Mir fehlt mein Lebenselixier. Die Welle, auf der ich gleite, heißt Alkohol. Nur auf ihr bin ich glücklich. Wenn sie jetzt abflacht, verschwindet, versandet – dann bin ich wirklich am Sand.
Was soll aus mir werden?
Ich will ein besseres Leben.
Ein Leben ohne Angst.
Ich will Anerkennung.
Der Eintritt in dieses Leben heißt Abstinenz. Für mich. Die Normalos dürfen weiter trinken. Das finde ich ungerecht. Aufhören – ja. Aber wie?
Abstinenz ist das Zauberwort.
Es geht nur mit totaler Abstinenz, sagen die Fachleute.
Ist das nicht ein Widerspruch? Fachmann in Sachen Alkohol bin doch wohl ich, oder? Abstinenz heißt: gar keinen Alkohol – ein Leben lang. Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Meine Devise war immer: Gar nicht will ich nicht. Mäßig kann ich nicht.
Ich tue jetzt einmal so, als ob. Ich halte mein Versprechen ein und gehe auf dieses verdammte Amt. Irgendetwas lässt mich hoffen. Und weil ich es unbedingt wissen will, kann ich diese Nacht vielleicht doch noch schlafen – ohne zu sterben.
Meine Bedenken bleiben. Denn mit dem Saufen aufzuhören bedeutet auch: ein Gulasch ohne Bier.
Das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.
@suffade Herzlich willkommen im Forum! Verstehe ich es richtig: Du bist seit längerer Zeit trocken und die Geschichte ist imaginär?
So oder so – herzliche Grüße, schön, dass Du da bist.
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@lagertha, @natarie, @baileys23 @ulli1962, @bergwacht
@suffade erstmal Herzlich willkommen. Das sind deine Gedanken von 1981? Wenn man da nicht getrunken hat war man ja die absolute Aussnahme, damals hat noch niemand dran gedacht das alk eventuell gefährlich sein könnte. Der Marlboro Mann ritt noch durchs Fernsehen, es wurde im Zug und Flugzeug geraucht......da hast du schon den Absprung vom Alk geschafft? WOW.......
@lagertha - Na ja, ich war so ziemlich am Ende der Abwärtsspirale angelangt. Hab`mich schon vor dem eigenen Schatten gefürchtet, aus Abfallkörben gegessen, in Abbruchhäusern geschlafen usw. Ich musste bis zur bitteren Neige gehen, bis zum totalen Tiefpunkt - erst dann gelang der Ausstieg: Klinik, Entzug und ein ganzes Jahr Alkohol-Reha auf einem Bauernhof hat aus einem obdachlosen Alkoholiker letztendlich einen seriösen Handwerksmeister geformt. Klingt wie Hollywood, ist aber real.
@suffade auch von mir ein herzliches Willkommen hier im Forum.
Danke für diesen offenen und eindrücklichen Text. Die Gedanken und Gefühle dieser Nacht sind sehr greifbar beschrieben und zeigen große Ehrlichkeit. Ja, so schonungslos ehrlich und gerade deshalb so berührend. Danke dafür. Schön, dass du dich hier einbringst.
@bergwacht - Danke für das "Willkommen” von euch auf dieser Plattform. Jetzt muss ich mich erstmal ein bisschen umschauen hier. Das Buch "Alkohol adé” kenne ich bis jetzt nicht, werde ich aber demnächst in meiner Bibliothek haben. Man lernt ja nie aus - und - der Teufel schläft bekanntlich nie …
Auch von mir ein herzliches Willkommen und vielen Dank für Deinen wunderbaren "Erstling." Worte wie "das Gulasch ohne Bier" und "ich kann mir das nicht vorstellen" beamen mich immer zurück. Sie treffen mich genau am Punkt.
Ich konnte, konnte, konnte es mir nicht vorstellen. Geschweige denn wollte ich. Ich musste. Dann konnte ich ohne. Und heute will ich nicht mehr.
Es freut mich außerordentlich, dass Du bei uns bist.
Liebe Grüße
Gaby





