Ich habe eine Frage: Was macht ihr gegen die neue Sucht – zuviel Essen?
Ich will nicht wieder zunehmen!
Ich bin für alle Tipps dankbar!
Fachliche Einordnung zu Kompensationsessen nach dem Alkoholentzug durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum essen viele Menschen nach dem Alkoholentzug mehr – und wie lässt sich unkontrolliertes Essen in der Abstinenz stoppen?
Was diese Forumteilnehmerin beschreibt, ist medizinisch gut bekannt: Nach dem Alkoholentzug sucht das Belohnungssystem des Gehirns nach Ersatz. Zucker und Kohlenhydrate aktivieren ähnliche Dopaminwege wie Alkohol – der Griff zu Süßem oder großen Portionen ist daher keine Willensschwäche, sondern eine neurobiologische Reaktion. Besonders in den ersten Wochen und Monaten der Abstinenz ist dieses Kompensationsverhalten häufig. Hilfreich sind regelmäßige Mahlzeiten, eiweißreiche Kost und – wenn der Leidensdruck steigt – eine ernährungstherapeutische Begleitung. Wer das Muster früh erkennt, kann gegensteuern, bevor sich neue Gewohnheiten festigen. Mehr dazu im Glossar: Belohnungssystem und Abstinenz.
Häufig gestellte Fragen zu Essen und Gewicht nach dem Alkoholstopp (FAQ)
Warum esse ich seit dem Alkoholstopp so viel mehr?
Nach dem Alkoholstopp fehlt dem Gehirn ein vertrauter Dopaminreiz. Zucker und Kohlenhydrate können diesen Reiz teilweise ersetzen – das erklärt den gesteigerten Appetit in der frühen Abstinenz. Dieser Effekt lässt bei vielen Menschen nach einigen Wochen nach.
Wie verhindere ich eine Gewichtszunahme in der Abstinenz?
Regelmäßige Mahlzeiten, eiweißreiche Lebensmittel und ausreichend Bewegung helfen, Heißhungerattacken zu reduzieren. Wer merkt, dass das Essen zunehmend zur Stressbewältigung wird, kann sich ernährungstherapeutische Unterstützung holen – das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstwahrnehmung.
Ist Überessen nach dem Entzug eine eigene Sucht?
Von einer eigenständigen Esssucht spricht man erst bei anhaltendem Kontrollverlust und starkem Leidensdruck. Das Kompensationsessen nach dem Alkoholentzug ist zunächst eine häufige Übergangsreaktion. Dennoch lohnt es sich, das Verhalten früh zu beobachten und bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen.

