Zum Inhalt springen
Ein Mann Mitte 40 steht aufrecht und ruhig an einem Konferenztisch. Ihm gegenüber sitzt ein Vorgesetzter oder Kollege.

Wenn Noradrenalin wieder trägt – soziale Spannung aushalten 

Vielleicht merkst Du heute etwas, das früher schnell unangenehm wurde: ein kritischer Blick, eine gespannte Stimmung, ein Gespräch, das nicht ganz freundlich verläuft. Früher war Alkohol in solchen Momenten oft ein Ausweg. Nicht, weil er Probleme löst – sondern weil er sie kurzfristig unscharf macht.

Soziale Situationen aktivieren das Noradrenalin-System. Es ist kein Feind. Im Gegenteil: Noradrenalin sorgt dafür, dass wir wach, aufmerksam und handlungsfähig bleiben. Es hilft uns, Haltung zu bewahren, Argumente zu sortieren und nicht sofort einzuknicken.



Unter Alkohol gerät dieses System aus der Balance. Zunächst wird es gedämpft – Unsicherheit fühlt sich weniger bedrohlich an. Doch danach kippt die Regulation. Reaktionen werden ungenau. Entweder zu defensiv oder zu aggressiv. Viele kennen dieses Gefühl, sich später selbst nicht treu gewesen zu sein.

Ohne Alkohol muss das Nervensystem wieder selbst arbeiten. In den ersten Tagen ist das oft anstrengend. Noradrenalin schießt zu stark ein, Herzklopfen, innere Unruhe, der Impuls auszuweichen. Doch mit zunehmender Abstinenz beginnt sich die Steuerung zu normalisieren.

Ab etwa der dritten Woche zeigt sich ein neuer Zustand. Noradrenalin steigt dort an, wo es gebraucht wird – und fällt wieder ab, wenn die Situation vorbei ist. Du bleibst ansprechbar, aber nicht überwältigt. Wach, aber nicht getrieben.

Das zeigt sich nicht in großen Gesten. Sondern in kleinen Momenten:

  • Du hörst Kritik, ohne sofort in Rechtfertigung zu gehen.
  • Du hältst Blickkontakt, ohne innerlich zu fliehen.
  • Du sagst etwas, das Dir entspricht – nicht etwas, das nur Spannung vermeiden soll.

Das ist kein Heldenmut. Es ist neurobiologische Stabilität.

Tag 16 steht für genau diesen Übergang: Soziale Situationen fühlen sich nicht mehr wie Bedrohung an, sondern wie das, was sie sind – anspruchsvoll, aber bewältigbar. Wenn Du heute merkst, dass Du in einem Gespräch geblieben bist, das früher nach Alkohol gerufen hätte, dann ist das kein Zufall. Dein Nervensystem beginnt, wieder für Dich zu arbeiten.

Morgen schauen wir darauf, warum genau diese Fähigkeit entscheidend dafür ist, Konflikte auszuhalten, ohne sie mit Dir selbst auszutragen.

Bitte beachte unbedingt: Wenn Du ohne Alkohol starke Beschwerden haben solltest wie Zittern, Angst, Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen oder plötzliche Schlafstörungen, dann beantworte den Fragebogen unter diesem Text ehrlich. Das könnten Symptome eines Alkoholentzugs sein, der unbedingt sofortige ärztliche Aufsicht bräuchte.

Falls der Arzt Dir raten sollte, vorerst wieder mäßig zu trinken, dann wäre das in dieser Phase ein absoluter Standardrat und nichts Verrücktes. Man kann so Entzugssymptome erst einmal unterdrücken und die Zeit bis zu einem professionellen Eingreifen überbrücken.

Entzugsrisiko-Selbstcheck: 10 Fragen

Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der Einschätzung des medizinischen Risikos für einen Alkoholentzug. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung. Unabhängig vom Ergebnis gilt: Bitte wende Dich für Deine persönliche Einschätzung an Arzt oder Suchtberatung.

Datenschutz: Die Auswertung erfolgt anonym in Deinem Browser. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben und keine Antworten gespeichert oder übertragen. Wenn Du das Browserfenster schließt sind die Daten weg.

1) Hast Du in den letzten sechs Monaten Alkohol konsumiert?
2) Bestand in den letzten 90 Tagen eine Alkoholintoxikation?
3) Wurdest Du jemals wegen Alkohol-Entzugserscheinungen behandelt oder überwacht?
4) Gab es in der Vergangenheit Entzugsanfälle, also Krampfanfälle beim Weglassen des Alkohols?
5) Gab es in der Vergangenheit ein Delirium tremens?
6) Wird aktuell ein Blutalkohol > 0,1 % (1 ‰) gemessen?
7) Wurden in den letzten 90 Tagen Sedativa, Hypnotika oder andere GABA-wirksame Medikamente regelmäßig eingenommen?
8) Wird der Entzug stationär erwartet oder ausgelöst (z. B. geplante OP, Notaufnahme, Inhaftierung)?
9) Liegen Symptome vor wie Zittern (Tremor), Schwitzen, schneller Herzschlag (Tachykardie), Bluthochdruck (Hypertonie)?
10) Bestehen weitere Erkrankungen wie z. B. Lebererkrankungen, Elektrolytstörungen, Infekte oder Traumata, die Entzugssymptome verstärken könnten?
Bitte beantworte alle 10 Fragen, damit eine Auswertung möglich ist.

Die Einordnung erfolgt nach dem PAWSS-System, das an der MAYO-Klinik in den USA entwickelt wurde.

Mehr dazu findest Du in unserem Lexikon .

Beiträge in unserem Blog


Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Dr. med. Bernd Guzek

Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


Close Popup

Wir müssen Dir kurz auf den Keks gehen

Auch Alkohol adé braucht Cookies. Wir aktivieren aber nur technisch absolut notwendige Cookies, damit Dein Besuch dieser Seite möglichst nicht durch Dritte verfolgt werden kann.

Einige wenige brauchen wir aber - z.B. um diesen Hinweis anzuzeigen, damit Du Dich nicht für jede Seite erneut anmelden oder dieses Popup nicht bei jeder Seite neu sehen musst.

Sowie Du aber einen externen Link oder ein Video anklickst, können von den Betreibern dieser Seiten Cookies gesetzt werden, die wir nicht beeinflussen können. Mehr auf unserer Datenschutzseite.

Close Popup
Privacy Settings saved!
Wir aktivieren nur absolut notwendige Cookies

Auch Alkohol adé braucht Cookies Wir aktivieren nur technisch absolut notwendige Cookies, damit Ihr Besuch dieser Seite möglichst nicht durch Dritte verfolgt werden kann. Einige wenige brauchen wir aber - z.B. um diesen Hinweis anzuzeigen, damit Sie sich nicht für jede Seite erneut anmelden oder dieses Popup nicht bei jeder Seite neu sehen müssen. Sowie Sie aber einen externen Link oder ein Video anklicken, können von den Betreibern dieser Seiten Cookies gesetzt werden, die wir nicht beeinflussen können. Mehr auf unserer Datenschutzseite

Standard-Kategorie

Technisch notwendige Cookies
Folgende technisch notwendige Cookies können gesetzt werden – fast alle haben mit den Datenschutzbestimmungen zu tun: wordpress_gdpr_allowed_services: Speichert, welche zusätzlichen Cookie-Dienste akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_cookies_allowed: Speichert, ob zusätzliche Cookies neben den notwendigen akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_cookies_declined: Speichert, welche zusätzlichen Cookie-Dienste nicht akzeptiert wurden. wordpress_gdpr_first_time: Wenn der Nutzer keine Entscheidung trifft, sondern weiter auf der Website navigiert, werden alle Cookies aktiviert und das Cookie speichert , ob die aktuelle Seite mit der zuerst besuchten Seite übereinstimmt. wordpress_gdpr_first_time_url: Speichert die URL des ersten Besuches der Webseite.
  • PHPSESSID
  • cookielawinfo-checkbox-non-necessary
  • cookielawinfo-checkbox-necessary
  • viewed_cookie_policy
  • wordpress_test_cookie

Technisch nicht notwendige Cookies
_koko_analytics_pages_viewed Dieses Cookie wird gesetzt vom datenschutzkompatiblen Plugin (Teil der Software) Koko Analytics.  Koko Analytics ist ein datenschutzfreundliches Analyse-Plugin für WordPress. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben. In der von uns benutzten Standardeinstellung werden durch Koko Analytics folgende Daten erhoben: * Besucher (Visitors) * Seitenaufrufe (Pageviews) * Referrers (Herkunftsseiten) Koko nutzt keine externen Dienste, so dass Daten über Ihre Besucher niemals an Drittunternehmen weitergegeben werden. Darüber hinaus werden keine besucherspezifischen Daten erfasst, und die Besucher können die Nachverfolgung leicht unterbinden, indem sie in ihren Browsereinstellungen "Do Not Track" aktivieren.

Alle Cookies ablehnen
Save
Alle Cookies akzeptieren