Schon länger bitte ich meine Frau nicht immer so viel Alkohol parat zu haben. Aber es muss ja immer genügend da sein, falls Nachbarn vorbei kommen. Es wird aber von allem immer so viel gekauft, dass danach auch immer so viel über ist. Also auch Chips und Süßigkeiten, Bier, Sekt, Schnaps. Aufschnitt, Obst, 3 verschiedene Kuchen.
Wenn ich das anspreche, dann bin ich immer derjenige der keinen normalen Umgang mit Essen und Getränken hat und der sich doch bitte Hilfe holen sollte, damit der Rest der Familie “normal” leben kann.
Sehe ich das wirklich so verkehrt, oder könnte ich erwarten dass hier mehr Rücksicht genommen wird?
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ist Alkohol im eigenen Haushalt während der Abstinenz ein Rückfall-Trigger, darf man in einer Partnerschaft Rücksicht erwarten?
In der frühen Abstinenz reagiert das Belohnungssystem besonders sensibel auf sogenannte Umweltreize. Sichtbarer Alkohol, vertraute Rituale oder ständig verfügbare Vorräte können Suchtdruck auslösen, selbst wenn der Wille zur Nüchternheit stabil ist. Das ist kein Zeichen mangelnder Selbstkontrolle, sondern Ausdruck neurobiologischer Anpassungsprozesse im Gehirn.
Konflikte entstehen häufig dort, wo unterschiedliche Risikowahrnehmungen aufeinandertreffen. Für nicht betroffene Familienmitglieder wirkt Alkohol im Haus normal, für den abstinenten Menschen kann er jedoch ein permanenter Stressor sein. Offene Kommunikation über Trigger und klare Absprachen reduzieren Rückfallrisiken deutlich.
Häufig gestellte Fragen zu “Alkohol im Haus und Abstinenz” (FAQ)
Ja. Sichtbarer Alkohol kann in der frühen Abstinenz das Belohnungssystem aktivieren und Suchtdruck verstärken. Besonders vertraute Rituale oder dauerhaft verfügbare Vorräte wirken als Trigger. Das bedeutet nicht fehlende Willensstärke, sondern spiegelt neurobiologische Anpassungsprozesse wider.Ist Alkohol im Haushalt während der Abstinenz ein Rückfallrisiko?
Nein. In der Phase nach dem Alkoholstopp reagiert das Gehirn sensibel auf Reize, die mit früherem Konsum verknüpft sind. Diese Reaktion ist typisch und medizinisch erklärbar. Sie sagt nichts über Charakterstärke oder „Normalität“ aus.Bin ich überempfindlich, wenn mich Alkohol zu Hause belastet?
Rücksicht ist keine medizinische, sondern eine Beziehungsfrage. Aus suchtmedizinischer Sicht senken klare Absprachen und reduzierte Verfügbarkeit von Alkohol das Rückfallrisiko deutlich. Eine offene Kommunikation über Trigger erhöht die Stabilität der Abstinenz.Wie viel Rücksicht darf man in einer Partnerschaft erwarten?

