… Als Beruhigungstrinkerin hatte ich meine Rituale. Während der Arbeit ist man beschäftigt, eingespannt und der Gedanke an Alkohol ist eigentlich gar nicht präsent. Aber eben sobald die Pflichten vorbei sind kommt da dieser automatische Griff zum Glas. Mir hat geholfen, mich während den ersten Wochen abzulenken, zu lesen, Filme zu schauen, zu stricken, früh schlafen zu gehen und nicht zuletzt viel zu schreiben und ganz wichtig: keinen Alkohol iim Hause. Entzugserscheinungen wie Zittern oder Schweißausbrüche …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum entsteht Suchtdruck gerade in den ersten Wochen des Alkoholentzugs und hilft Ablenkung wirklich?
Suchtdruck im frühen Alkoholentzug ist neurobiologisch gut erklärbar. Das Belohnungssystem reagiert nach Wegfall des Alkohols mit erhöhter innerer Spannung. Gewohnheitsmuster laufen automatisiert ab, besonders zu ritualisierten Tageszeiten.
Ablenkung wirkt nicht oberflächlich, sondern unterbricht diese konditionierten Reiz-Reaktions-Ketten. Tätigkeiten wie Lesen, Schreiben oder Stricken aktivieren alternative neuronale Netzwerke und schwächen die alte Gewohnheit. Wichtig ist zudem die konsequente Reizkontrolle – kein Alkohol im Haus reduziert die Rückfallwahrscheinlichkeit deutlich.
Leichte Entzugssymptome wie Schwitzen oder Zittern sind typische vegetative Reaktionen des autonomen Nervensystems.

