Ich habe mich mir selbst gegenüber ehrlich gemacht – und genau das war über viele Jahre eines meiner größten Probleme gewesen. Durch das detaillierte Beschreiben bin ich noch einmal bewusst in diese Situationen eingetaucht. Es war belastend, aber danach war die schwerste Arbeit getan. Ich hatte alles „schwarz auf weiß“. Nichts beschönigt, nichts ausgelassen. Dieses Buch halte ich bis heute in Ehren.
Zusätzlich haben mir viele Gespräche mit mir nahestehenden Menschen geholfen, die gelegentlich noch aufflammenden Schuldgedanken einzuordnen. Vielleicht hatte ich auch das Glück, dass ich mich nicht in einer Weise bloßgestellt habe, die irreparabel gewesen wäre. Vieles spielte sich im Verborgenen ab – und dort, wo andere betroffen waren, konnte ich durch verlässliches Verhalten Vertrauen wieder aufbauen.
Ja, es kommen manchmal noch unangenehme Gedanken. Aber ich habe Frieden mit mir geschlossen. Ich kann nur empfehlen, eine eigene Form der Verarbeitung zu finden. Für mich war es das Schreiben – für mich, zum Sortieren. Die nächtlichen Grübeleien wurden weniger, auch die Alkoholträume sind verschwunden.
Vor dem Einschlafen habe ich mir außerdem ein kleines Gedankenspiel angewöhnt – eine Art …

Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum beschäftigen viele Menschen nach einem Alkoholentzug noch lange Schuldgefühle oder Alkoholträume?
Schuldgefühle gehören zu den häufigsten psychischen Begleiterscheinungen nach einer Alkoholabhängigkeit. Viele Betroffene beginnen erst in der Abstinenz, ihr früheres Verhalten wirklich zu reflektieren. Dieser Prozess kann belastend sein, ist aber oft ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung.
Hilfreich ist dabei eine aktive Aufarbeitung – etwa durch Gespräche, Tagebuchschreiben oder therapeutische Unterstützung. Solche Methoden helfen, Erinnerungen einzuordnen und übermäßige Selbstvorwürfe zu relativieren.
Auch sogenannte Alkoholträume treten in der frühen Abstinenz relativ häufig auf. Sie spiegeln die intensive Auseinandersetzung des Gehirns mit früheren Trinkmustern wider und verlieren mit zunehmender Stabilität meist deutlich an Häufigkeit.
