Als alleinerziehende Mutter mit viel Verantwortung auch im Beruf habe ich angefangen, abends Wein zu trinken, um runterzukommen. Daraus wurde innerhalb weniger Jahre mindestens eine Flasche jeden Abend. Ich habe gut funktioniert, bis die ersten körperlichen Symptome kamen – Zittern, Unruhe, Konzentrationsprobleme. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass das Entzugserscheinungen sind und keine andere schwere Krankheit. Dann ging es sehr schnell bergab. Mehrere Entgiftungen, immer wieder Rückfälle. Ich habe zunehmend die Kontrolle über mein Leben verloren, teilweise schon morgens getrunken. (…)
Am (…) habe ich aufgehört. Ich wusste sofort, ich muss nicht mehr trinken. Ein unbeschreibliches Gefühl…
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Vom funktionierenden Konsum in den Alkoholentzug – warum kippt das System plötzlich?
Warum entwickeln sich aus scheinbar kontrolliertem Konsum schleichend Entzugserscheinungen und Kontrollverlust beim Alkohol?
Der geschilderte Verlauf ist typisch für eine schleichende Abhängigkeitsentwicklung. Regelmäßiger Konsum am Abend führt neurobiologisch zu einer Anpassung im Gleichgewicht von hemmenden und aktivierenden Systemen im Gehirn. Wird Alkohol dann reduziert oder weggelassen, entstehen Symptome wie Zittern, Unruhe und Konzentrationsstörungen – klassische Zeichen eines beginnenden Alkoholentzugs.
Auffällig ist die lange Phase des „Funktionierens“. Diese verdeckt häufig die Dynamik im Hintergrund. Der Übergang in morgendliches Trinken zeigt, dass der Körper bereits auf eine kontinuierliche Alkoholzufuhr angewiesen ist.
Die Erfahrung „Ich muss nicht mehr trinken“ beschreibt einen wichtigen kognitiven Wendepunkt. Solche Momente können neurobiologisch stabilisierend wirken, wenn sie konsequent umgesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen zum Entspannungstrinken (FAQ)
Warum treten Zittern und Unruhe bei Alkoholentzug auf?
Weil das Gehirn sich an die dämpfende Wirkung von Alkohol angepasst hat. Ohne Alkohol entsteht ein Übererregungszustand.
Wenn Menge, Zeitpunkt oder Häufigkeit des Trinkens nicht mehr zuverlässig gesteuert werden können.Ab wann spricht man von Kontrollverlust beim Alkohol?
Ja. Es weist meist auf eine körperliche Abhängigkeit und beginnende Entzugssymptome hin.Ist morgendliches Trinken ein Warnsignal?

