Endlich kein Alkohol mehr. Jetzt schnell noch die Kilos weg. Klingt nach einem Plan – ist aber einer der häufigsten Fehler in der frühen Abstinenz. Warum Diät und Alkoholverzicht nicht zusammenpassen und was der Körper in dieser Phase wirklich braucht.
Von Gaby Guzek
Der Gedanke liegt nahe: Endlich kein Alkohol mehr – und während man schon dabei ist, auch gleich die Pfunde loswerden, die sich über die Trinkmonate angesammelt haben. Verständlich. Menschlich. Und trotzdem keine gute Idee.
Wer frisch mit dem Trinken aufgehört hat, befindet sich in einem biologischen Ausnahmezustand. Der Körper ist dabei, sich von einem chronischen Giftstoffeinfluss zu erholen, das Nervensystem kalibriert sich neu, der Stoffwechsel sucht sein Gleichgewicht. Genau in diesem Moment eine Diät obendrauf zu legen, bedeutet: noch mehr Stress, noch mehr Instabilität – und ein deutlich erhöhtes Rückfallrisiko.
Dieser Artikel erklärt, was im Körper passiert, wenn beides zusammenkommt – und warum das dritte Thema, das dabei oft übersehen wird, mindestens genauso wichtig ist: was Hunger mit Trinkverlangen zu tun hat.
Warum jede Diät den Körper im Entzug doppelt stresst
Chronischer Alkoholkonsum verändert die sogenannte HPA-Achse (Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse) – das zentrale Stressregulationssystem des Körpers. Alkohol dämpft dieses System kurzfristig, zwingt es aber langfristig zur Überaktivierung. Wer regelmäßig trinkt, hat eine HPA-Achse, die sich in einem dauerhaften Alarmbereitschaftszustand befindet. Kortisolspiegel sind chronisch erhöht, die Stresstoleranz sinkt.
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Wenn der Alkohol wegfällt, verliert das System seinen künstlichen Dämpfer – und schlägt zunächst in die entgegengesetzte Richtung aus. Kortisol steigt weiter an, das autonome Nervensystem reagiert mit Hyperaktivität, Schlaf und Stimmung werden instabil. Das ist kein psychisches Versagen – das ist Neurobiologie.
Was ist die HPA-Achse?
Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse) ist das zentrale Stresshormonsystem des Körpers. Sie reguliert die Ausschüttung von Kortisol – dem wichtigsten Stresshormon. Bei chronischem Alkoholkonsum wird diese Achse dauerhaft dysreguliert: Sie verliert ihre normale Feinjustierung und reagiert überempfindlich auf jede zusätzliche Belastung. Forschungsbefunde zeigen, dass diese Dysregulation ein zentraler neurobiologischer Rückfalltreiber ist.
Eine Diät ist für dieses bereits überlastete System ein zusätzlicher biologischer Stressor. Kalorienrestriktion aktiviert die HPA-Achse – der Körper interpretiert Nahrungsmangel als Bedrohung und schüttet Kortisol aus. Bei einem gesunden Körper ist das tolerierbar. Bei jemandem, dessen Stresssystem ohnehin am Limit ist, bedeutet das: Überlastung.
Blutzucker: Bereits im Keller – und die Diät gräbt noch tiefer
Chronischer Alkoholkonsum stört die Glukoseregulation erheblich. Alkohol hemmt die Glukoneogenese in der Leber – die körpereigene Neuproduktion von Zucker – und kann sowohl Hyper- als auch Hypoglykämien auslösen. Bei Menschen, die regelmäßig und in größeren Mengen getrunken haben, ist die Blutzuckerregulation zum Zeitpunkt des Entzugs oft deutlich beeinträchtigt.
Hypoglykämie – also zu niedriger Blutzucker – ist für den Körper eigenständiger Stress. Sie aktiviert die Stressachse, löst Adrenalinausschüttung aus und kann Symptome erzeugen, die sich von Entzugserscheinungen kaum unterscheiden lassen: Zittern, Herzrasen, Angst, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme.
Eine Diät mit Kalorienrestriktion oder langen Esspausen verstärkt genau diese Ausgangslage. Der Blutzucker, der ohnehin schon im unteren Bereich pendelt, fällt weiter ab. Das Ergebnis ist ein Körper, der sich in einem Zustand dauerhafter Alarmbereitschaft befindet – physiologisch kaum von einer echten Bedrohungssituation zu unterscheiden.
Was stattdessen hilft
Regelmäßige Mahlzeiten stabilisieren den Blutzucker und reduzieren Stress auf die HPA-Achse. Komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse) helfen, den Blutzuckerspiegel gleichmäßig zu halten. Ausreichend Protein unterstützt die Neurotransmittersynthese. Das Ziel in den ersten Wochen und Monaten ist Stabilisierung – nicht Gewichtsreduktion.
Achtung: Unterzuckerung im frühen Entzug
Niedriger Blutzucker kann in den ersten Wochen nach dem Alkoholverzicht Symptome erzeugen, die wie Entzugserscheinungen oder Angstattacken wirken: Zittern, Herzrasen, innere Unruhe, Schwindel. Wer gleichzeitig eine Diät macht und diese Symptome bemerkt, läuft Gefahr, sie falsch zu interpretieren – oder sie mit dem Griff zur Flasche zu „lösen”. Regelmäßige, ausgewogene Mahlzeiten sind in dieser Phase keine Schwäche, sondern medizinische Notwendigkeit.
Das erschöpfte Nervensystem braucht Energie – keine weitere Belastung
Das Gehirn verbraucht unter Stress überproportional viel Energie. Ein Nervensystem, das gerade dabei ist, sich von chronischer Alkoholtoxizität zu erholen, hat einen erhöhten Energiebedarf. Neurotransmittersysteme werden neu austariert. Rezeptordichten regulieren sich. Warum Abnehmen nach dem Alkoholverzicht warten sollte.
Kalorienrestriktion in dieser Phase bedeutet: weniger Energie für einen Prozess, der viel davon benötigt. Das verlangsamt die Erholung des Nervensystems – und verlängert damit genau die Symptome, die die Abstinenz so schwer machen: Schlafstörungen, Reizbarkeit, Konzentrationsprobleme, emotionale Instabilität.
Warum Diät und Entzug zusammen die Abstinenz direkt gefährden
Stress ist der wichtigste Rückfalltreiber – und Diät ist Stress
In der Rückfallforschung gilt Stress als einer der drei zentralen Auslöser für Rückfälle, neben Substanz-Cues (Situationen, die ans Trinken erinnern) und negativen emotionalen Zuständen. Die neurobiologische Grundlage dafür ist gut belegt: Stress aktiviert den CRF-Mechanismus (Corticotropin-releasing Factor), der wiederum das Verlangen nach Alkohol direkt verstärkt.
Eine Diät ist biologischer Stress. Sie aktiviert dieselben Stresssysteme, die auch durch Entzug, Schlafmangel oder emotionale Belastung aktiviert werden. Der Körper unterscheidet nicht zwischen „gutem” Stress (Diät aus freiem Willen) und „schlechtem” Stress (Entzug). Er reagiert auf beide mit Kortisol, CRF-Ausschüttung – und mit Verlangen nach dem bekannten Mittel der Stressreduktion: Alkohol.
Stress und Craving: der neurobiologische Zusammenhang
CRF (Corticotropin-releasing Factor) ist ein Neuropeptid, das bei Stress ausgeschüttet wird und im Gehirn direkt an Systemen andockt, die mit Suchtgedächtnis und Verlangen assoziiert sind – insbesondere im erweiterten Amygdala-System. Chronischer Alkoholkonsum sensibilisiert diese CRF-Systeme: Sie reagieren nach dem Entzug überempfindlich auf Stresssignale. Das ist der Grund, warum Stress in der frühen Abstinenz so gefährlich ist – er trifft auf ein System, das buchstäblich auf Rückfall programmiert wurde.
Kaloriendefizit verstärkt Craving neurochemisch
Das Belohnungssystem – insbesondere der dopaminerge Schaltkreis zwischen ventralem Tegmentum und Nucleus accumbens – ist durch chronischen Alkoholkonsum dauerhaft verändert. Die Dopaminbasislinie ist abgesenkt, die Belohnungssensitivität reduziert. Frisch Abstinente befinden sich in einem Zustand, den Forscher als „Anhedonie” bezeichnen: Die Fähigkeit, Freude oder Befriedigung zu empfinden, ist vorübergehend gedämpft.
Kalorienrestriktion verstärkt diesen Zustand. Nahrungsmangel senkt den Dopaminspiegel zusätzlich und aktiviert Gier-Reaktionen im Belohnungssystem – physiologisch ähnlich dem Craving nach Alkohol. Das Gehirn sucht nach schneller Belohnung, nach einer Lösung für den Mangelzustand. In einem Nervensystem, das jahrelang mit Alkohol als Problemlöser konditioniert wurde, liegt der Griff zur Flasche in diesem Moment besonders nahe.
Schlafstörungen: wenn zwei Probleme sich gegenseitig verstärken
Schlafstörungen gehören zu den häufigsten und am längsten anhaltenden Symptomen des Alkoholentzugs. Alkohol unterdrückt den REM-Schlaf dauerhaft; nach dem Entzug kommt es zu einem REM-Rebound, der den Schlaf für Wochen bis Monate fragmentiert und unruhig macht.
Kalorienrestriktion stört den Schlaf ebenfalls – durch Hypoglykämie in der Nacht, durch erhöhte Kortisolspiegel und durch die allgemeine Stressaktivierung. Die Kombination beider Faktoren führt zu einem kumulativen Schlafdefizit, das die emotionale Regulationsfähigkeit weiter untergräbt – und damit das Rückfallrisiko weiter erhöht.
Was stattdessen hilft
Regelmäßige Mahlzeiten stabilisieren den Blutzucker und reduzieren Stress auf die HPA-Achse. Komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse) helfen, den Blutzuckerspiegel gleichmäßig zu halten. Ausreichend Protein unterstützt die Neurotransmittersynthese. Das Ziel in den ersten Wochen und Monaten ist Stabilisierung – nicht Gewichtsreduktion.
Was stattdessen hilft
Regelmäßige Mahlzeiten stabilisieren den Blutzucker und reduzieren Stress auf die HPA-Achse. Komplexe Kohlenhydrate (Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Gemüse) helfen, den Blutzuckerspiegel gleichmäßig zu halten. Ausreichend Protein unterstützt die Neurotransmittersynthese. Das Ziel in den ersten Wochen und Monaten ist Stabilisierung – nicht Gewichtsreduktion.
Ernährung überprüfen – aber anders
Alkohol als verkannter Kalorienspeicher
Ein Gramm Alkohol liefert 7,1 Kilokalorien – mehr als Kohlenhydrate (4 kcal/g) oder Protein (4 kcal/g), weniger als Fett (9 kcal/g). Ein Glas Wein (200 ml, 12 % vol) enthält damit allein durch den Alkohol rund 115 Kilokalorien. Wer täglich ein halbe Flasche Wein trinkt, nimmt allein durch den Alkohol etwa 400–500 Kilokalorien auf – noch ohne Mischgetränke, Bier oder die enthaltenen Restzucker.
Diese Kalorien sind für den Körper zwar nutzbar, aber metabolisch anders verarbeitet als Nahrungskalorien. Alkohol wird in der Leber priorisiert verstoffwechselt und verdrängt dabei andere Energiequellen. Er unterdrückt die Fettverbrennung, fördert die Fettspeicherung und hemmt die Aufnahme wichtiger Mikronährstoffe.
Was dabei oft übersehen wird: Alkohol stillt Hunger. Nicht als Nährstoff, sondern kalorisch – und durch direkte Wirkung auf Hungersignale im Gehirn. Wer jahrelang täglich oder regelmäßig getrunken hat, hat seinen Körper trainiert, Hunger mit Alkohol zu beantworten – ohne es zu merken.
Ghrelin, Leptin und das verlernte Hungergefühl
Zwei Hormone spielen in diesem Zusammenhang eine zentrale Rolle: Ghrelin und Leptin.
Ghrelin ist das sogenannte Hungerhormon – es steigt vor den Mahlzeiten an und signalisiert dem Gehirn: Essen holen. Leptin ist das Sättigungshormon – es wird vom Fettgewebe ausgeschüttet und signalisiert: genug.
Chronischer Alkoholkonsum stört beide Systeme. Alkohol stimuliert die Ghrelinausschüttung – was bedeutet, dass Trinken selbst Hunger auslösen kann. Gleichzeitig entwickelt sich bei chronischem Konsum eine Leptinresistenz, lassen immer mehr Studien vermuten: Das Gehirn reagiert weniger sensitiv auf das Sättigungssignal. Das Ergebnis ist ein dauerhaft fehlkalibriertes Hunger- und Sättigungssystem. Oder, platt gesagt: Der Hunger hört nicht auf.
Ghrelin und Alkoholverlangen
Ghrelin spielt nicht nur beim Hunger eine Rolle – es ist auch direkt an der Entstehung von Craving beteiligt. Erhöhte Ghrelinspiegel wurden in mehreren Studien mit verstärktem Alkoholverlangen assoziiert. Das bedeutet: Ein leerer Magen ist im frühen Entzug nicht nur unangenehm – er kann aktiv Trinkverlangen auslösen. Essen ist in dieser Phase ein Werkzeug zur Craving-Prävention.
„Ich will trinken” – oder bin ich nur hungrig?
Hier liegt einer der am meisten unterschätzten Mechanismen in der frühen Abstinenz: das Trinkverlangen, das in Wirklichkeit Hunger ist.
Wer jahrelang regelmäßig Alkohol konsumiert hat, hat unbewusst gelernt, Hunger mit Trinken zu beantworten. Der Alkohol lieferte Kalorien, dämpfte das Hungergefühl und wurde vom Gehirn als funktionierende Lösung für ein Körpersignal abgespeichert. Dieses Muster ist tief konditioniert – und meldet sich nach dem Alkoholverzicht mit unverminderter Kraft.
Das Problem: Die Körperwahrnehmung ist durch den jahrelangen Missbrauch verändert. Die Fähigkeit, zwischen Hunger, Durst, Müdigkeit und emotionalem Unbehagen zu unterscheiden, wurde durch den Einsatz von Alkohol als Universallösung systematisch untergraben. Frisch Abstinente können sich buchstäblich nicht mehr sicher sein, was ihr Körper gerade braucht.
Das macht die Ernährungsüberprüfung nach dem Alkoholverzicht so wichtig – aber eben nicht als Diät, sondern als Neukalibrierung. Es geht darum, wieder zu lernen, was echter Hunger ist, wann er auftritt, und wie er sich von Craving oder emotionalem Stress unterscheidet.
Wenn Craving auftritt – erst essen. Ein Glas Wasser trinken, eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen, etwas Süßes (Obst, ein Stück Schokolade). In vielen Fällen lässt das Verlangen deutlich nach oder verschwindet ganz. Das ist kein Zufall – es ist Physiologie. Der Körper hat Hunger gemeldet und über einen alten konditionierten Kanal kommuniziert. Wer diesen Zusammenhang erst einmal kennt, hat ein konkretes Werkzeug in der Hand.
Trinkverlangen und Hunger unterscheiden
Wenn Craving auftritt – erst essen. Ein Glas Wasser trinken, eine kleine Mahlzeit zu sich nehmen, etwas Süßes (Obst, ein Stück Schokolade). In vielen Fällen lässt das Verlangen deutlich nach oder verschwindet ganz. Das ist kein Zufall – es ist Physiologie. Der Körper hat Hunger gemeldet und über einen alten konditionierten Kanal kommuniziert. Wer diesen Zusammenhang erst einmal kennt, hat ein konkretes Werkzeug in der Hand.
Ernährung überprüfen heißt nicht: Diät machen
Die sinnvolle Frage in der frühen Abstinenz lautet deshalb nicht: „Wie nehme ich am schnellsten ab?” – sondern: „Was braucht mein Körper jetzt wirklich?”
Das bedeutet in der Praxis: regelmäßige Mahlzeiten, ausreichend Kohlenhydrate zur Blutzuckerstabilisierung, genügend Protein für die Neurotransmittersynthese, und die bewusste Aufmerksamkeit dafür, wann Hunger entsteht und wie er sich anfühlt. Es bedeutet auch: dem Körper erlauben, zunächst sein Gleichgewicht zu finden – ohne den zusätzlichen Druck einer Kalorienrestriktion.
Das Gewicht kommt später. Und mit einer stabilen Abstinenz, einem regulierten Nervensystem und einem neu kalibrierten Hunger- und Sättigungsgefühl fällt die Gewichtsreduktion dann auch deutlich leichter – weil der Körper nicht mehr gegen sich selbst arbeitet.
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Als Faustregel gilt: mindestens ein Vierteljahr. Drei Monate geben dem Körper die Chance, die schlimmsten neurobiologischen Turbulenzen zu überstehen, den Schlaf zu stabilisieren, das Stresssystem zu beruhigen und erste Routine in der Abstinenz aufzubauen.
Dasselbe gilt übrigens für intensiven Sport. Spazierengehen, leichtes Radfahren – alles gut. Aber der Entschluss, gleichzeitig mit dem Alkoholverzicht das Sportprogramm radikal umzustellen, folgt derselben Logik: Der Körper kennt es nicht, er stresst sich, er braucht Energie, die er gerade anderswo benötigt.
Den Alkohol wegzulassen ist bereits eine echte Leistung. Diese Leistung verdient es, gewürdigt zu werden – und nicht sofort mit dem nächsten Projekt überschrieben zu werden. Alles zu seiner Zeit.
Zusammenfassung: Was wann sinnvoll ist
Sofort: Ernährung stabilisieren, regelmäßig essen, Hunger und Craving unterscheiden lernen, Körperwahrnehmung neu kalibrieren.
Ab Woche 2–4: Leichte Bewegung integrieren (Spaziergänge, Radfahren), Schlafhygiene verbessern, Stressquellen reduzieren.
Ab Monat 3–4: Ernährungsumstellung in Richtung Gewichtsreduktion angehen, sofern die Abstinenz stabil ist. Intensiveren Sport planen.
Immer: Den eigenen Fortschritt anerkennen. Alkoholverzicht allein ist schon eine Heldentat.
Die Coaching-Programme von alkohol-ade.com bieten für den Ausstieg eine strukturierte Unterstützung an. Sie helfen dabei, die Mechanismen hinter der Sucht zu verstehen und Deinen Ausstieg sicher in ein dauerhaft befreites Leben zu überführen, ohne dass man das Gefühl hat, gegen sich selbst kämpfen zu müssen.
Video mit Gaby Guzek: Rauchen und trinken zugleich aufgeben?
Transkript zum Video “Alkohol weg – und gleich noch abnehmen? Klingt effizient, ist aber keine gute Idee”
So, jetzt ist der Alkohol weg, ich trinke nichts mehr und der Speck, der kommt jetzt auch gleich noch mit weg. Warum das keine gute Idee ist, das möchte ich euch in diesem Reel mal erklären. Ja, verständlich, die meisten nehmen zu, wenn sie zu viel, zu lange trinken.
Trotzdem gehören die beiden Dinge, Alkoholstopp und Diät, auf gar keinen Fall zusammen. Warum ist eigentlich vom Kopf her leicht verständlich, denn jede Diät stresst den Körper. Das ist klar, er wird ja in Hungermodus geschickt und muss dann also ordentlich arbeiten und Energiereserven mobilisieren und ja, das ist nun mal Stress.
Ein zu niedriger Blutzuckerspiegel ist für ihn auch Stress und zwar allemal, wenn man eben ganz frisch aus mindestens einem Alkoholmissbrauch kommt, dann hängt der Blutzucker bekanntlich eher ganz tief im Keller. Darüber habe ich auch schon mal ein Reel gemacht, könnt ihr gerne nachschauen. So, Stress, Stress, Stress, Stress.
Wenn jemand, der frisch abstinent ist, eine Sache nicht braucht, dann ist das Stress, genau. Und deshalb ist Abnehmen auch einfach wirklich noch nicht dran. Also, so sehr ich den Wunsch verstehe und ich selbst habe auch kräftig zugenommen, während ich trank über 50 Kilo, die ich jetzt wieder losgeworden bin.
Es ist einfach keine gute Sache. Gebt euch Zeit, gebt euch ein Vierteljahr, bis die Abstinenz sich ein wenig gefestigt hat und dann könnt ihr durchaus auch damit anfangen, ein paar Pfunde abzuschütteln. Dasselbe gilt übrigens dann auch für den Sport.
Niemand spricht davon, dass es nicht gesund wäre, mal eine Runde spazieren zu gehen, ein bisschen Fahrrad fahren, alles fein. Aber sich gleichzeitig vorzunehmen, so, jetzt wird aus mir der zweite Arnie Schwarzenegger, genauso blöd, weil auch Stress. Auch das ist der Körper nicht gewöhnt.
Alles, was er nicht kennt, das stresst. Also, liebe Leute, den Alkohol wegzulassen, ist erst mal schon eine echte Heldentat. Damit kommt mal eine Weile längs.
Wie gesagt, Vierteljahr halte ich für cool und danach kommt dann alles Weitere. Ich wünsche euch was.
Häufig gestellte Fragen zu “Alkohol weg – und gleich noch abnehmen? ” (FAQ)
Kann ich direkt nach dem Alkoholverzicht mit dem Abnehmen anfangen?
Warum nimmt man beim Trinken überhaupt zu?
Was hat Hunger mit Trinkverlangen zu tun?
Wann ist der richtige Zeitpunkt, um nach dem Alkoholverzicht abzunehmen?
Gilt das Gleiche auch für intensiven Sport?
Wissenschaftliche Quellen
Koob GF, Volkow ND. Neurocircuitry of addiction. Neuropsychopharmacology. 2010 Jan;35(1):217–38. DOI: 10.1038/npp.2009.110
CRF, Stress und Rückfall
Koob GF, Volkow ND. Neurobiology of addiction: a neurocircuitry analysis. Lancet Psychiatry. 2016 Aug;3(8):760–773. DOI: 10.1016/S2215-0366(16)00104-8
Ghrelin, Alkoholverlangen und Ernährungsstatus
Addolorato G, Capristo E, Leggio L et al. Relationship between ghrelin levels, alcohol craving, and nutritional status in current alcoholic patients. Alcohol Clin Exp Res. 2006 Nov;30(11):1933–7. DOI: 10.1111/j.1530-0277.2006.00238.x
Ghrelin, Alkoholabhängigkeit und Craving (klinische Studie)
Leggio L, Ferrulli A, Cardone S et al. Ghrelin system in alcohol-dependent subjects: role of plasma ghrelin levels in alcohol drinking and craving. Addict Biol. 2012 Mar;17(2):452–64. DOI: 10.1111/j.1369-1600.2010.00308.x
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Gaby Guzek
Ehemalige Betroffene, Bestsellerautorin, Coach & Mitbegründerin von Alkohol adé
Hat es sich zum Ziel gesetzt, die Neurobiologie der Sucht bekannter zu machen und damit Betroffenen Schuld- und Schamgefühle zu nehmen.

