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90 Tage abstinent – Vodka Redbull gibt es jetzt ohne Vodka im Pilsglas

Frau Anfang 30 sitzt abends entspannt an einer stilvollen Bar oder auf einer Terrasse, hält selbstbewusst ein großes Pilsglas mit Eis, dunklem Energy-Drink und Limettenscheibe in der Hand. Warmes Licht, ruhige stolze Ausstrahlung, modernes alkoholfreies Ritual statt Vodka-Redbull. Cinematic, realistisch, atmosphärisch.

Ich hab mit gut überlegt wie es gehen könnte, und da ich Alkohol nie wegen des Geschmacks getrunken habe, im Gegenteil, wenn ich es mir vorstelle….kein alkoholisches Getränk hat mir je geschmeckt.Mein Favorit war am Ende dann Vodka/Redbull (plus alles andere was dazukam und die obligatorische Flasche Wein für zu Hause)

Den Redbull trinke ich jetzt aus einem großem Pilsglas mit viel Eis und Wasser zum nachschütten, sonst ist er zu süß. Außerdem hab ich das Gefühl …

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Abstinenz und Rituale: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek

Was passiert im Gehirn, wenn man nach dem Alkoholentzug alte Trinkrituale bewusst umbaut – und warum fühlt sich das manchmal seltsam vertraut an?

Alkohol wird selten wegen des Geschmacks getrunken – das ist kein Einzelfall, sondern ein typisches Muster bei Alkoholabhängigkeit. Im Vordergrund steht die Wirkung: Entspannung, Betäubung, das Gefühl, dazuzugehören. Nach dem Entzug bleiben aber oft die Situationen, Uhrzeiten und Gläser als Trigger bestehen – selbst wenn die Substanz fehlt. Das Gehirn hat gelernt, diese Reize mit Belohnung zu verknüpfen, und reagiert zunächst weiter darauf. Der bewusste Umbau eines alten Trinkrituals – Redbull statt Vodka-Redbull, großes Glas, viel Eis – ist neuropsychologisch sinnvoll: Er besetzt die alte Situation neu, ohne sie zu meiden. Über das Belohnungssystem im Gehirn können so neue, alkoholfreie Routinen verankert werden. Dass dabei Geschmack und Gefühl zunächst „anders” wirken, ist ein normales Zeichen der Erholung – das Nervensystem justiert sich neu.

Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz und Trinkritualen (FAQ)


Warum hilft es, alte Trinkrituale umzubauen statt sie ganz zu meiden?

Das Gehirn verbindet bestimmte Situationen, Zeiten und Gegenstände mit dem Erleben von Alkohol. Diese Verknüpfungen lassen sich nicht einfach löschen – aber überschreiben. Wer ein altes Ritual bewusst mit einem alkoholfreien Inhalt füllt, trainiert das Gehirn, die Situation neu zu bewerten. Das ist neuropsychologisch effektiver als vollständige Vermeidung, die langfristig nicht immer möglich ist.


Ist es normal, dass alkoholfreie Getränke nach dem Entzug anders schmecken?

Ja. Alkohol beeinflusst über Jahre, wie das Belohnungssystem auf Reize reagiert – auch auf Geschmack. Nach dem Entzug braucht das Gehirn Zeit, um Genuss und Befriedigung wieder mit nüchternen Erlebnissen zu verknüpfen. Dass Getränke zunächst „zu süß”, „zu flach” oder einfach anders wirken, ist ein häufig beschriebenes Phänomen und kein Zeichen, dass etwas falsch läuft.


Was ist Craving und kann es auch durch alkoholfreie Varianten ausgelöst werden?

Craving – also der starke Drang nach Alkohol – kann durch alle Reize ausgelöst werden, die das Gehirn mit früherem Trinken verknüpft hat: Orte, Uhrzeiten, Gläser, Gerüche, Musik. Auch ein alkoholfreies Ritual in vertrauter Umgebung kann anfangs Craving auslösen. Das legt sich mit der Zeit, wenn das Gehirn die neue Situation als eigenständig erlebt. Mehr dazu im Lexikon: Craving / Saufdruck.


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