Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Ich habe es bereits im letzten Jahr geschafft und werde es in diesem Jahr wieder schaffen.
Die Leute, mit denen ich verreise, wissen Bescheid und bringen mir zum Strand ein alkoholfreies Getränk mit. Das ging gut im letzten Sommer. Ich hatte eher das Gefühl, dass die Freunde nicht so viel getrunken haben, da ich nüchtern in der Runde saß und sie merkten, dass das auch gut geht.
Einen Trigger gab es, da sollte ich aus der Ferienwohnung eine Flasche Cremant mit zum Strand bringen. Das war hart. Da dachte ich,
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Abstinenz im Urlaub und der Umgang mit Triggern
Warum fällt Abstinenz im Urlaub so vielen Menschen mit Alkoholkonsumstörung besonders schwer – und was steckt hinter dem Moment, wenn plötzlich eine Flasche Crémant zum Problem wird?
Urlaub bedeutet veränderte Routinen, soziale Situationen und sensorische Reize, die das Gehirn mit früherem Alkoholkonsum verknüpft hat. Genau hier wird das Suchtgedächtnis aktiv: gespeicherte Konditionierungen aus früheren Urlauben können auch nach langer Abstinenz einen plötzlichen Trigger auslösen – wie in diesem Bericht das bloße Anfassen einer Flasche. Dass das soziale Umfeld mitzieht und selbst weniger trinkt, wenn eine nüchterne Person in der Runde sitzt, ist kein Zufall: Die sogenannte soziale Modellwirkung greift in beide Richtungen. Entscheidend ist, dass der Betroffene hier nicht durch Vermeidung, sondern durch bewusste Vorbereitung und soziale Einbindung stabil bleibt. Das zeigt, wie wirksam eine verlässliche Abstinenzstrategie sein kann – auch unter Urlaubsbedingungen, die sonst als Hochrisikozeit gelten.
Häufig gestellte Fragen zu Abstinenz im Urlaub und Triggern (FAQ)
Warum sind Urlaube für Menschen mit Alkoholkonsumstörung besonders riskant?
Urlaub verändert Tagesstruktur, Umgebung und soziale Situation – alles Faktoren, die das Gehirn mit früherem Trinkverhalten verknüpft haben kann. Das Suchtgedächtnis reagiert auf diese Reize oft automatisch, selbst nach langer Abstinenz. Wer sich auf solche Situationen vorbereitet und das eigene Umfeld einweiht, reduziert das Rückfallrisiko deutlich.
Was tun, wenn im Urlaub plötzlich ein Trigger auftaucht?
Trigger lassen sich nicht immer vorhersehen – das Anfassen einer Flasche, ein bestimmter Geruch oder eine vertraute Urlaubssituation können ausreichen. Hilfreich ist, kurz innezuhalten, die Situation zu benennen und sich auf vorher vereinbarte Strategien zu stützen: eine Vertrauensperson ansprechen, den Ort kurz verlassen oder eine alkoholfreie Alternative in der Hand haben. Der Moment geht vorbei.
Verändert sich das Trinkverhalten anderer, wenn man selbst nüchtern ist?
Das kann tatsächlich passieren. Wenn jemand in einer Gruppe offen nüchtern ist, wirkt das als soziales Signal. Andere trinken häufig weniger, weil das Gruppenmuster sich verschiebt – ohne dass jemand etwas sagen muss. Dieses Phänomen beschreibt die soziale Modellwirkung, die in beide Richtungen funktioniert.
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

