Und ich kann gar nicht sagen, wann genau es anfing. Mit Sicherheit ein Antrieb: das Dazugehören. Die Flucht von zuhause. Das Aufbauen meines Second Lifes. Wie sehr wollte ich dazugehören. Und Spielregel Nummer 1 in der Eifel? “Saufen!” So einfach. Irgendwann schmeckte es auch. Ko-Vie, Drecksack, unschuldige Abkürzungen für den Einstieg in die Abwärtsspirale. Mit schicken Drinks hatte das noch nicht viel zu tun. Wir saßen im Jugendraum, köpften eine Flasche nach der anderen, die Jungs Whiskey-Cola, die Mädels Mixery. Und natürlich rauchten wir. Kein Problem für mich. Mein Abitur schaffte ich als Jahrgangsbeste.
Mein Schutzengel Nummer 1: Im Leihauto eines Freundes überhole ich einen Wagen vor einer Kuppel. Sie gibt Gas. Ich gebe Gas. Mir gehen die PS aus. Die Kuppel kommt. Ich bin auf der Überholspur und sehe nichts. Vor allem sehe ich nicht die Lebensgefahr, in der ich schwebe. …
Alkoholmissbrauch in der Jugend – Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum beginnen Jugendliche mit dem Trinken – und wann wird aus sozialem Alkoholkonsum eine Abhängigkeit?
Der Einstieg in den Alkoholkonsum erfolgt im Jugendalter häufig über das Bedürfnis nach sozialem Anschluss – das sogenannte Konformitätsverhalten ist in dieser Lebensphase neurobiologisch besonders ausgeprägt. Das jugendliche Gehirn befindet sich noch in der Reifung, insbesondere der präfrontale Kortex, der für Impulskontrolle und Risikoabwägung zuständig ist – Alkohol greift dort besonders tief ein. Was nach außen wie harmloser Gruppenspaß wirkt, kann das Belohnungssystem nachhaltig umprogrammieren und die Schwelle für späteren Alkoholmissbrauch deutlich senken. Dass schulische Leistungen wie das Abitur dabei zunächst unauffällig bleiben, ist kein Schutzzeichen – sondern ein typisches Merkmal funktionaler Frühstadien der Alkoholsucht. Die im Text geschilderten Beinahe-Unfälle zeigen, wie sehr die eigene Risikowahrnehmung durch regelmäßigen Alkoholkonsum verzerrt wird. Früher Alkoholmissbrauch in der Jugend ist einer der stärksten Prädiktoren für eine spätere Alkoholabhängigkeit im Erwachsenenalter.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholmissbrauch in der Jugend (FAQ)
Ab wann spricht man bei Jugendlichen von Alkoholmissbrauch?
Von Alkoholmissbrauch spricht man, wenn Alkohol regelmäßig zur Bewältigung sozialer Situationen oder emotionaler Belastungen eingesetzt wird – unabhängig von der Menge. Bei Jugendlichen gelten bereits geringere Mengen als schädlich, da das Gehirn noch in der Entwicklung ist.
Warum merken Jugendliche oft nicht, wie gefährlich ihr Alkoholkonsum ist?
Der präfrontale Kortex, der für Risikoeinschätzung zuständig ist, reift erst bis ins frühe Erwachsenenalter. Alkohol beeinträchtigt genau diese Region zusätzlich – Betroffene unterschätzen Gefahren deshalb systematisch, auch in akuten Situationen wie im Straßenverkehr.
Kann man trotz frühem Alkoholkonsum in der Jugend wieder clean werden?
Ja. Viele Menschen mit frühem Einstieg in den Alkoholmissbrauch schaffen den Weg in die Abstinenz. Je früher eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsum stattfindet, desto besser sind in der Regel die Voraussetzungen für eine stabile Alkoholfreiheit.

