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Alkohol raubt Vitamine – jetzt tankt dein Körper wieder auf

Mann steht morgens am offenen Fenster und streckt sich

Vielleicht hast Du heute das Gefühl, dass sich etwas verschiebt. Nicht dramatisch, nicht schlagartig, aber spürbar. Die schlimmsten Nachwirkungen der Silvesternacht sind vorbei (👉 Kater) , der Kopf ist klarer, die Stimmung stabiler – und trotzdem fehlt noch Kraft. Konzentration kostet Mühe, der Körper wirkt schneller erschöpft, die Nerven reagieren empfindlicher, als Du es erwartet hättest.

Das ist aber kein Rückschritt. Es ist der Moment, in dem Dein Körper zeigt, was ihm gefehlt hat.

Alkohol wirkt nicht nur als Gift und Stressor. Er ist auch ein stiller Räuber. Über Monate oder Jahre hinweg entzieht er dem Körper Substanzen, die für Nervenfunktion, Energiegewinnung und innere Stabilität unverzichtbar sind. Besonders betroffen sind dabei bestimmte B-Vitamine – allen voran 👉 Vitamin B1 – und 👉 Magnesium.

Solange Alkohol regelmäßig konsumiert wird, fällt das oft nicht auf. Der Körper kompensiert, läuft auf Reserve, überdeckt Mängel. Erst wenn der Alkohol wegfällt, wird dann endgültig sichtbar, wie leer manche Speicher tatsächlich sind. Genau deshalb fühlt sich Tag 4 für viele paradox an: mental klarer, aber körperlich noch nicht belastbar.

Vitamin B1 spielt eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel des Gehirns. Fehlt es, geraten Nervenzellen unter Druck, Reizverarbeitung wird ineffizient, mentale Ermüdung tritt schneller auf. In ausgeprägten Fällen kann ein chronischer Mangel schwerwiegende neurologische Folgen haben – das ist gut dokumentiert und alles andere als theoretisch ( 👉 Wernicke-Enzephalopathie, 👉 Wernicke-Korsakow-Syndrom)

Magnesium wiederum ist ein Schlüsselfaktor für die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln. Es wirkt regulierend, dämpfend, stabilisierend. Ein Mangel zeigt sich nicht selten als innere Unruhe, erhöhte Stressreaktion, Muskelspannung oder schlechter Schlaf – Symptome, die viele fälschlich für „psychisch“ halten.

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An Tag 4 beginnt Dein Körper, diese Defizite nicht nur zu spüren, sondern aktiv anzugehen. Ohne Alkohol kann die Aufnahme wieder funktionieren, der Verbrauch sinkt, Reparaturprozesse greifen. Das dauert aber. Leere Speicher füllen sich nicht über Nacht. Aber zum ersten Mal seit Langem arbeitet Dein Organismus wieder in die richtige Richtung.

Viele fragen sich an diesem Punkt, ob eine ausgewogene Ernährung allein ausreicht. Langfristig ist sie unverzichtbar. Kurzfristig jedoch gilt: Wer über längere Zeit im Minus war, kommt allein über Lebensmittel oft nicht schnell genug zurück in die Balance. Das ist kein Versagen der Ernährung, sondern eine Frage der Biologie und der Geschwindigkeit, mit der sich Nervensysteme erholen. Anders ausgedrückt: Supplemente können in solchen Situationen sinnvoll sein.

ℹ️
Welches Magnesium ist sinnvoll?

Magnesium ist nicht gleich Magnesium. Entscheidend ist die chemische Bindungsform – sie bestimmt, wie gut es im Darm aufgenommen wird und wie verträglich es ist.

Gut verfügbare Formen sind organische Magnesiumverbindungen wie Magnesiumcitrat, Magnesiumglycinat oder Magnesiumtaurat. Sie werden zuverlässig resorbiert und sind in der Regel gut verträglich,meist aber in der oberen Preiskategorie.

Weniger geeignet sind schlecht lösliche anorganische Formen wie Magnesiumoxid. Sie liefern zwar auf dem Papier viel Magnesium, kommen im Körper aber oft kaum an und wirken eher abführend als regenerierend.

Gerade nach Alkoholbelastung lohnt es sich, auf eine gut verfügbare Form zu achten – nicht auf möglichst hohe Milligrammzahlen auf der Verpackung.

Wenn Du Dich heute also noch nicht kraftvoll fühlst, machst Du nichts falsch. Im Gegenteil. Dein Körper beginnt gerade, seine Grundlagen zu reparieren. Nicht spektakulär, nicht sichtbar – aber nachhaltig.

Morgen schauen wir uns an, warum genau diese Phase entscheidend dafür ist, ob neue Energie stabil bleibt oder ob der Körper wieder nach schnellen Auswegen sucht. Denn Regeneration braucht nicht nur Zeit, sondern auch die richtigen Bedingungen.

Bitte beachte unbedingt: Wenn Du starke Beschwerden haben solltest wie Zittern, Angst, Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen oder plötzliche Schlafstörungen, dann beantworte den Fragebogen unter diesem Text ehrlich. Das könnten Symptome eines Alkoholentzugs sein, der unbedingt sofortige ärztliche Aufsicht bräuchte.

Falls der Arzt Dir raten sollte, vorerst wieder mäßig zu trinken, dann wäre das in dieser Phase ein absoluter Standardrat und nichts Verrücktes. Man kann so Entzugssymptome erst einmal unterdrücken und die Zeit bis zu einem professionellen Eingreifen überbrücken.

Entzugsrisiko-Selbstcheck: 10 Fragen

Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der Einschätzung des medizinischen Risikos für einen Alkoholentzug. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung. Unabhängig vom Ergebnis gilt: Bitte wende Dich für Deine persönliche Einschätzung an Arzt oder Suchtberatung.

Datenschutz: Die Auswertung erfolgt anonym in Deinem Browser. Es werden keine personenbezogenen Daten erhoben und keine Antworten gespeichert oder übertragen. Wenn Du das Browserfenster schließt sind die Daten weg.

1) Hast Du in den letzten sechs Monaten Alkohol konsumiert?
2) Bestand in den letzten 90 Tagen eine Alkoholintoxikation?
3) Wurdest Du jemals wegen Alkohol-Entzugserscheinungen behandelt oder überwacht?
4) Gab es in der Vergangenheit Entzugsanfälle, also Krampfanfälle beim Weglassen des Alkohols?
5) Gab es in der Vergangenheit ein Delirium tremens?
6) Wird aktuell ein Blutalkohol > 0,1 % (1 ‰) gemessen?
7) Wurden in den letzten 90 Tagen Sedativa, Hypnotika oder andere GABA-wirksame Medikamente regelmäßig eingenommen?
8) Wird der Entzug stationär erwartet oder ausgelöst (z. B. geplante OP, Notaufnahme, Inhaftierung)?
9) Liegen Symptome vor wie Zittern (Tremor), Schwitzen, schneller Herzschlag (Tachykardie), Bluthochdruck (Hypertonie)?
10) Bestehen weitere Erkrankungen wie z. B. Lebererkrankungen, Elektrolytstörungen, Infekte oder Traumata, die Entzugssymptome verstärken könnten?
Bitte beantworte alle 10 Fragen, damit eine Auswertung möglich ist.

Die Einordnung erfolgt nach dem PAWSS-System, das an der MAYO-Klinik in den USA entwickelt wurde.

Mehr dazu findest Du in unserem Lexikon .

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Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Dr. med. Bernd Guzek

Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


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