Ja – Alkohol war mein Werkzeug gegen Angst. Und zwar über viele Jahre. Aber das ist seit etwas mehr als zwei Jahren Geschichte.
Ich habe Alkohol lange nicht als Suchtmittel eingeordnet. Für mich war er einfach das Zeug, das mich wieder runtergebracht hat, wenn innen alles zu eng wurde. Er hat mir die Ecken und Kanten genommen, hat Stress gedämpft, Trauer abgefedert, soziale Situationen leichter gemacht. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass er auch gegen diese seltsame innere Unruhe hilft, die immer häufiger aufgetaucht ist. Dieses Gefühl, gleich zu kippen, ohne zu wissen warum.
Eine Zeit lang lief das. Ziemlich gut sogar. Bis es das nicht mehr tat.
Je öfter ich mich damit beruhigt habe, desto stärker wurde die Angst. Ich bin regelmäßig beim Arzt aufgeschlagen, weil irgendwas in mir ständig Alarm geschlagen hat — Herzrasen, Druck, Beklemmung. Die Werte waren (noch) gut, also hieß es: „Stress, Überlastung, zu viel Verantwortung.“ Ich bekam Medikamente, die ich nicht wollte. Und gleichzeitig wusste ich längst, dass der Alkohol dahintersteckte. Ich wollte es nur um jeden Preis nicht wahrhaben.
Also hab ich weitergemacht. …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann Alkohol Angststörungen oder innere Unruhe im Rahmen eines Alkoholentzuges verstärken?
Alkohol wirkt kurzfristig angstlösend, weil er hemmende Botenstoffe im Gehirn aktiviert und Stressreaktionen dämpft. Der Körper passt sich jedoch rasch an. Die beruhigende Wirkung lässt nach, während das Stresssystem zunehmend überaktiv reagiert. Das führt zu Herzrasen, Druckgefühl, innerer Alarmbereitschaft und verstärkter Angst.
Gerade bei regelmäßigem Konsum entsteht ein Kreislauf aus Beruhigung und Gegenregulation. Die Angst ist dann nicht mehr nur psychisch, sondern neurobiologisch verstärkt. Im Rahmen eines beginnenden Alkoholentzuges oder einer schleichenden Abhängigkeit treten solche Symptome besonders häufig auf.

