Jetzt nach über einem Jahr Abstinenz würde ich wie ihr beide sagen, es ist nicht immer rosig, aber das Leben ist für keinen Menschen immer leicht. Dinge die mich betroffen machten und lange nachgingen, gehe ich anders an. Früher habe ich traurige, leidvolle Ereignisse weggespült heute ertrage ich sie und versuche zuversichtlich zu bleiben, auch wenn es dauert. Ich ziehe eine echte Traurigkeit einer gespielten Fröhlichkeit vor. Hinter einer Maske zu leben war für mich sehr anstrengend auch wenn es nicht viele Leute mitbekamen. Mein wahres ich nicht zu verlieren, ist aus meiner Sicht schon ein großer Gewinn.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Häufig gestellte Fragen zur emotionalen Veränderung in der Abstinenz (FAQ)
Warum fühlt sich Abstinenz emotional so anstrengend an?
Ohne Alkohol als Dämpfer kommen Gefühle ungefiltert an. Das Gehirn muss neu lernen, Emotionen zu regulieren – das kostet Kraft und braucht Zeit. Diese Phase ist normal und kein Rückschritt.
Ist es ein gutes Zeichen, echte Traurigkeit zuzulassen statt gespielter Fröhlichkeit?
Ja. Wer Traurigkeit aushält, ohne sie wegzutrinken, zeigt emotionale Belastbarkeit. Das ist ein konkreter Fortschritt in der Stabilisierung – auch wenn es sich von außen nicht so anfühlt.
Verliert man in der Alkoholsucht wirklich sich selbst?
Langfristiger Alkoholkonsum verändert, wie wir Gefühle wahrnehmen und zeigen. Viele Betroffene beschreiben, dass sie über Jahre eine Rolle gespielt haben. Die Rückkehr zur eigenen Identität ist ein zentraler Teil der Genesung.

