… Dann kam Corona. Und mit der Pandemie ein weiterer Tiefpunkt in meiner Alkoholkarriere. Wie viele andere wechselte ich direkt zu Beginn der Krise ins Homeoffice – zunächst ein scheinbarer Segen. Keine Pendelzeiten mehr, keine Kontrolle, volle Flexibilität. Doch diese Freiheit wurde zu einer gefährlichen Versuchung.
Ich begann schon früh am Morgen zu trinken. Anfangs waren es zwei Bier – aus einer Mischung aus Nervosität, Gewohnheit und der Illusion, dass ich ja trotzdem funktionierte. Um acht Uhr morgens starteten die ersten Online-Meetings – da war die erste Flasche oft schon leer.
Was harmlos begann, entwickelte sich schnell zu einem gefährlichen Ritual …
Alkoholsucht und Drogen – Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Wie entwickelt sich aus gelegentlichem Konsum über Jahre hinweg eine Alkoholsucht – und welche Rolle spielen einschneidende Lebensphasen dabei?
Lebensgeschichten wie diese zeigen, was Studien immer wieder bestätigen: Alkoholabhängigkeit entsteht selten plötzlich, sondern schleicht sich über Jahre ein – oft begleitet von anderen Substanzen. Phasen wie die Pandemie wirken dabei als Katalysator, nicht als Ursache. Was dieser Bericht sehr deutlich beschreibt, ist die schrittweise Erosion von Grenzen: Der Konsum passt sich an Lebensumstände an, bis er diese selbst bestimmt. Das Suchtgedächtnis verankert dabei Alkohol tief als Bewältigungsstrategie – für Stress, Leere, Routine. Die Illusion des Funktionierens ist ein klassisches Merkmal dieser Entwicklung. Morgendliches Trinken markiert medizinisch einen Punkt, an dem körperliche Abhängigkeit und Toleranzentwicklung bereits weit fortgeschritten sind.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholsucht und Abhängigkeit (FAQ)
Wie entwickelt sich Alkoholsucht über viele Jahre?
Alkoholabhängigkeit entsteht meist schleichend. Der Konsum steigt langsam an, Grenzen verschieben sich, äußere Kontrollen verlieren ihre Wirkung. Oft vergehen Jahre, bis Betroffene erkennen, dass sich ihr Trinken grundlegend verändert hat.
Warum trinken manche Menschen morgens Alkohol?
Morgendliches Trinken ist ein deutliches Zeichen körperlicher Abhängigkeit. Der Körper hat sich so stark angepasst, dass ohne Alkohol Entzugserscheinungen auftreten. Medizinisch ist das ein Hinweis auf eine weit fortgeschrittene Alkoholkonsumstörung.
Kann man alkoholabhängig sein und trotzdem noch funktionieren?
Ja – und genau das macht die Erkrankung so tückisch. Viele Betroffene halten sich über lange Zeit für handlungsfähig. Das Suchtgedächtnis verknüpft Alkohol mit Normalzustand, was die Selbstwahrnehmung erheblich verzerrt.

