Das Ding mit dem Suchtgedächnis finde ich merkwürkwürdig. Bei mir gibt es das nicht in dem Sinne. Ich habe das Glück überhaupt keinen Suchtdruck zu haben.Ich weiß wie ich am Ende getrunken habe. Um mich abzuschießen, zu verdrängen, wegzurennen – meistens bis zum Selbstläufer – ohne zu wissen was ich tue…und ich weiß wo das endet (und wenn es “nur” die Platzwunde am Kopf ist von der ich nichts mitbekommen hab ) Deswegen macht auch der Gedanke Kontrolliertes Trinken keinen Sinn, ein, zwei Gläser…was ein Quatsch, dann brauch ich gar nicht erst anzufangen…;) (…)
Ich bin fast täglich in der Kneipe wo mein Freund dartet, ich trainiere ein bisschen mit, also bin ich auch täglich mit Leuten die trinken, und auch peu a peu betrunken werden, zusammen. Das ist sehr heilsam nach dem Motto “Bin ich froh, dass ich da raus bin”. …

Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek zum Thema Suchtgedächtnis und Abstinenz
Warum erleben manche Menschen nach dem Alkoholentzug kaum Suchtdruck – und was sagt das über das Suchtgedächtnis aus?
Was diese Forumsteilnehmerin beschreibt, ist klinisch nicht ungewöhnlich, aber individuell sehr verschieden ausgeprägt: Das Suchtgedächtnis verankert sich bei jedem Menschen anders tief im Gehirn. Wer Alkohol vor allem als Fluchtmittel eingesetzt hat – zum Abschalten, Verdrängen, Wegrennen – und diesen Mechanismus jetzt klar benennen kann, hat oft einen entscheidenden Vorteil: Die kognitive Distanz zur Sucht ist größer. Das schützt nicht automatisch dauerhaft, kann aber erklären, warum das Verlangen so gering bleibt. Bemerkenswert ist auch der beschriebene Umgang mit dem sozialen Umfeld: Das tägliche Erleben trinkender Menschen ohne eigenen Suchtdruck weist darauf hin, dass die klassischen Trigger ihre konditionierte Wirkung verloren haben – ein Zeichen stabiler Abstinenz. Gleichzeitig gilt: Was heute gilt, muss nicht für immer gelten. Wachsamkeit bleibt sinnvoll.
Häufig gestellte Fragen zu Suchtgedächtnis und Suchtdruck in der Abstinenz (FAQ)
Kann man abstinent sein, ohne jemals Suchtdruck zu spüren?
Ja, das ist möglich. Wie stark das Suchtgedächtnis aktiviert wird, ist individuell sehr unterschiedlich. Manche Menschen berichten über Jahre hinweg kaum von Craving – besonders dann, wenn die ursprüngliche Trinkfunktion (z. B. Flucht, Betäubung) bewusst erkannt und aufgelöst wurde.
Ist es sicher, täglich unter Trinkenden zu sein, wenn man selbst abstinent lebt?
Das hängt stark von der persönlichen Stabilität ab. Wer – wie hier beschrieben – das Umfeld eher als Bestätigung der eigenen Entscheidung erlebt, kann davon profitieren. Wer aber merkt, dass der Kontakt mit Alkohol innere Unruhe auslöst, sollte die Situation neu bewerten. Es gibt keine universelle Antwort.
Warum hilft es, den eigenen Trinkgrund klar benennen zu können?
Wer versteht, warum er getrunken hat, kann erkennen, was er sich davon erhofft hat – und andere Wege finden, dieses Bedürfnis zu erfüllen. Diese Klarheit schwächt die automatischen Reaktionen des Suchtgedächtnisses und verringert das Rückfallrisiko.
