Heute sehe ich meine Saufzeit als einen dazugehörigen Abschnitt meines Lebens und bin froh, ihn mit viel Hilfe einiger toller Menschen hinter mir gelassen zu haben. Und ich weiß, daß ich das tolle Leben heute, die vielen Sachen, die ich erlebt habe, als nasser Alki nie erlebt hätte. Wahrscheinlich wäre ich schon six feet under. Scheiß auf die ganze Knete, die ich versoffen habe, scheiß auf Menschen, die ich damals vor den Kopf gestoßen habe, ich hab’s gepackt. Und das ist für mich das Wichtigste.
Denkt nicht mit Schuldgefuhlen zurück, sondern zeigt, wie toll ihr heute ohne Alk seid.
Weiter so…

Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum berichten viele Menschen nach dem Alkoholentzug, dass sich ihr Blick auf die eigene Vergangenheit verändert?
Nach einer stabilen Abstinenz verändert sich häufig die Bewertung der eigenen Trinkphase. Viele Betroffene beginnen, diese Zeit nicht mehr nur als Scheitern zu sehen, sondern als Teil ihrer Biografie. Psychologisch spricht man von einer Integration belastender Lebensabschnitte. Dieser Prozess reduziert Schuld- und Schamgefühle, die im frühen Alkoholentzug sehr häufig sind. Gleichzeitig rückt der Gewinn der Abstinenz stärker in den Vordergrund: bessere Gesundheit, mehr Selbstbestimmung und stabilere Beziehungen. Studien zeigen, dass eine solche Neubewertung der Vergangenheit mit einer höheren langfristigen Abstinenzstabilität verbunden sein kann.