Das mit den Geburtstagen, Feiern, Weihnachten etc. ist Quatsch und wer so argumentiert, zögert den Ausstieg immer wieder fadenscheinig raus und muß m.M.n. noch tiefer im Dreck liegen, bevor er kapiert, daß er aussteigen muß. So habe ich das schon mehrfach gesagt, wenn ein nasser Alki oder ein Angehöriger mich gefragt hat. Und ich erinnere mich an einen, der mir viel später (dann doch trocken) bestätigt hatte, daß ich richtig lag.
Ich hab es auch ähnlich gemacht, hab meiner Familie …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek zum Thema Alkoholentzug und Ausreden
Warum fällt es Menschen mit Alkoholsucht so schwer, den „richtigen Moment” für den Entzug loszulassen – und was steckt neurobiologisch hinter dem ewigen Verschieben?
Das Verschieben des Alkoholentzugs auf einen „günstigeren Zeitpunkt” ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein klassisches Muster der Suchtdynamik. Das Suchtgedächtnis liefert dem Gehirn zuverlässig Gründe, warum jetzt gerade nicht der richtige Moment ist – Geburtstag, Weihnachten, Stress. Diese Rationalisierungen sind keine bewussten Lügen, sondern Ausdruck der veränderten Hirnfunktion bei Alkoholabhängigkeit. Das Belohnungssystem priorisiert den kurzfristigen Schutz vor Entzugsunbehagen gegenüber langfristigen Zielen. Der Erfahrungsbericht zeigt, was die Forschung bestätigt: Oft braucht es einen konkreten Leidensdruck, bis die Bereitschaft zur Veränderung die Schutzreflexe überwiegt. Das ist keine moralische Frage – es ist Neurobiologie.
Häufig gestellte Fragen zum Aufschieben des Alkoholentzugs (FAQ)
Warum verschieben Menschen mit Alkoholsucht den Entzug immer wieder?
Das Gehirn sucht bei Alkoholabhängigkeit automatisch nach Gründen, den Entzug aufzuschieben – Feiertage, Stress oder soziale Anlässe dienen als Schutzargumente. Neurobiologisch steckt das Suchtgedächtnis dahinter, das kurzfristige Erleichterung über langfristige Ziele stellt.
Gibt es einen „richtigen Zeitpunkt
Einen objektiv perfekten Moment gibt es nicht – und das Warten darauf ist selbst Teil des Suchtmusters. Viele Betroffene berichten, dass der Entschluss zur Abstinenz oft erst nach einem persönlichen Wendepunkt fiel, nicht nach einem ruhigen Kalenderblatt.
Wie gehe ich damit um, wenn Angehörige den Entzug immer wieder verschieben?
Klare, ruhige Rückmeldungen ohne Vorwürfe sind wirkungsvoller als Druck. Wichtig ist, die eigenen Grenzen zu benennen und professionelle Unterstützung anzusprechen – sowohl für die betroffene Person als auch für sich selbst.

