Kürzlich hat mich meine Frau gefragt, warum ich eigentlich – trotz all der Dinge, die gerade absolut nicht so laufen, wie wir uns das vorgestellt haben – eine so auffallend gute Laune habe. (…)
Früher war meine Zündschnur extrem kurz. Wenn etwas schiefging, übernahm mein Kopf den Rest: reinsteigern, zerdenken, alles größer machen, als es eigentlich war. Und das Ende vom Lied war fast immer dasselbe – ich fand mich mit der Flasche in der Hand wieder.
Heute ist das anders. Und ehrlich gesagt: Warum sollte ich das noch tun? Alkohol hilft mir da nicht weiter. Er hilft NIE weiter. …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum verbessert sich die Stimmung nach dem Alkoholstopp trotz belastender Lebensumstände oft deutlich?
Alkohol wirkt kurzfristig enthemmend, destabilisiert jedoch langfristig zentrale Botenstoffsysteme im Gehirn. Wiederholter Konsum verstärkt Stressreaktionen, verkürzt die „Zündschnur“ und fördert Grübelschleifen. Nach dem Alkoholstopp normalisieren sich Stressachse und Neurotransmitter allmählich. Die emotionale Reizschwelle steigt wieder. Betroffene reagieren weniger impulsiv und erleben Probleme realistischer statt dramatisierend. Die oft überraschend gute Laune ist daher kein Zufall, sondern Ausdruck einer neurobiologischen Stabilisierung.
Häufige Fragen zu “Gute Laune ohne Alkohol – warum sich Stimmung nach dem Alkoholentzug stabilisiert /FAQ)
Wird man ohne Alkohol wirklich emotional stabiler?
Ja. Nach dem Alkoholstopp normalisieren sich zentrale Stress- und Belohnungssysteme. Viele Betroffene berichten über mehr Gelassenheit und eine höhere Frustrationstoleranz.
Alkohol verändert die Regulation von Stresshormonen und Neurotransmittern. Das fördert Impulsivität, Reizbarkeit und verstärkt negatives Grübeln.Warum war meine Zündschnur mit Alkohol kürzer?

