Jeden Tag suche und finde ich einen besonderen Moment, den es festzuhalten lohnt. Ein intensiv strahlender Krokus im Schnee, eine Schlüssel dampfender Spagetti mit köstlicher Sauce, ein glückliches Enkelchen mit herzerfüllendem Lachen. So gibt es täglich ein besonderes Fotomotiv, sorgfältig bearbeitet. Daraus ist ein umfassendes digitales Album geworden, dass mir in unglücklichen und einsamen Momenten Trost spendet oder inspiriert.
“Du sollst nicht alles glauben, was Du denkst” Ein enorm grosser Teil unserer Gedanken ist reines Kopfkino: Ängste, Sorgen, Vermutungen, falsche Identifikationen, unerfüllte Erwartungen, Anhaftungen an Status, Geld, Erfolg und so weiter. Es dauerte eine Weile, bis es mir gelang, das Chaos in meinem Kopf zu entwirren und die üblichen Fallen auszumachen. …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann ein Dankbarkeitstagebuch nach dem Alkoholentzug Stimmungsschwankungen und Grübelneigung spürbar reduzieren?
Was hier beschrieben wird, ist aus neurobiologischer Sicht hochrelevant. In der frühen und auch späteren Abstinenz zeigen viele Betroffene eine erhöhte Grübelneigung, negative Gedankenschleifen und eine verstärkte Stressreaktivität. Durch das bewusste Fokussieren auf positive, konkret erlebte Momente trainiert das Gehirn gezielt andere neuronale Netzwerke als jene, die zuvor durch Alkohol und Stress dominant waren.
Ein solches Ritual wirkt stabilisierend auf Affektregulation und Selbstwahrnehmung. Es unterbricht automatisierte Denkprozesse und stärkt die kognitive Distanz zu belastenden Gedanken. Das Prinzip „Du sollst nicht alles glauben, was Du denkst“ entspricht dabei modernen verhaltenstherapeutischen Ansätzen zur Emotionsregulation.
Gerade nach einem Alkoholentzug kann diese Form der Alltags-Achtsamkeit helfen, Stimmungsschwankungen abzufedern und Rückfallimpulse zu entschärfen.

