Wir leben für diese Zeit dann aneinander vorbei…oder ich müsste die Konsequenzen ziehen und das will ich im Moment (vielleicht noch ) nicht.
Ich sehe auch die Gründe für seine schlechte Laune, Zicken, Aggros etc.das hat aber nichts mit mir zu tun, klar dass es ihm verkatert nicht gut geht, es mag gleichgültig oder herzlos klingen aber mein Mitleid hält sich da in Grenzen.
Eine Regel bei den Rettungsschwimmern ist, wenn der Ertrinkende, den man retten will, dich mit runterzieht schwimmst du weg.( Sonst ertrinken ja beide )
Alkoholismus im Alltag: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Wie viel Abstand ist gesund, wenn ein Mensch mit Alkoholismus im gleichen Haushalt lebt – und wo beginnt die eigene Gefährdung?
Was diese Leserin beschreibt, ist keine Kälte – es ist eine gesunde Schutzreaktion. Angehörige von Menschen mit Alkoholabhängigkeit geraten häufig in einen Erschöpfungszustand, der in der Forschung als Co-Abhängigkeit bezeichnet wird: Sie passen ihr gesamtes Leben an das Trinkverhalten des anderen an, übernehmen Verantwortung, die nicht ihre ist, und verlieren dabei schrittweise die eigene Stabilität. Das Bild des Rettungsschwimmers ist medizinisch treffend: Wer selbst untergeht, kann niemanden retten. Die emotionale Distanzierung, die hier geschildert wird – Mitleid bewusst begrenzen, eigene Konsequenzen abwägen – ist kein Zeichen von Herzlosigkeit, sondern von beginnender Selbstfürsorge. Im Umgang mit Craving und den damit verbundenen Stimmungsschwankungen eines abhängigen Partners helfen klare innere Grenzen oft mehr als permanente emotionale Verfügbarkeit. Wer Trigger und Verhaltensmuster erkennt, schützt sich – und manchmal auch den anderen.
Häufig gestellte Fragen zu Alkoholismus und Abstand in der Beziehung (FAQ)
Ist es normal, kein Mitleid mehr zu empfinden, wenn der Partner verkatert ist?
Ja – das ist eine häufige Reaktion nach längerer emotionaler Belastung. Das Mitleid erschöpft sich, wenn man über einen langen Zeitraum immer wieder mit den Folgen des Alkoholkonsums eines anderen konfrontiert wird. Das ist kein moralisches Versagen, sondern ein Zeichen dafür, dass die eigene Belastungsgrenze erreicht wurde.
Wann ist Abstand von einem Menschen mit Alkoholabhängigkeit sinnvoll?
Abstand – emotional oder räumlich – ist dann sinnvoll, wenn die eigene psychische Stabilität dauerhaft gefährdet ist. Angehörige tragen keine Mitverantwortung für die Abhängigkeit des anderen. Klare Grenzen zu setzen ist keine Aufgabe der Beziehung, sondern oft deren einzige langfristige Chance.
Was ist Co-Abhängigkeit bei Alkoholismus?
Co-Abhängigkeit beschreibt ein Muster, bei dem Angehörige ihr Verhalten so stark an den Abhängigen anpassen, dass sie selbst die Kontrolle über ihr eigenes Leben verlieren. Sie decken oft Konsequenzen ab, übernehmen Aufgaben und stellen eigene Bedürfnisse zurück – in dem Glauben, damit zu helfen. Langfristig verstärkt das die Abhängigkeit häufig eher, als sie zu lösen.

