Vielleicht hast Du heute zum ersten Mal das Gefühl, wirklich geschlafen zu haben. Nicht nur länger oder tiefer, sondern anders. Du bist nicht völlig erholt, aber klarer. Weniger benebelt. Weniger zerschlagen. Der Kopf fühlt sich sortierter an, als hätte die Nacht etwas erledigt.
Das ist kein Zufall …
Alkohol stört den Schlaf grundlegend, auch wenn er zunächst müde macht. Er verkürzt die Tiefschlafphasen, zerhackt den REM-Schlaf und hält das Stresssystem aktiv. Der Körper schläft, aber das Gehirn kommt nicht zur eigentlichen Arbeit. Statt nächtlicher Reparatur läuft unterschwelliger Alarm. 👉 Cortisol bleibt erhöht, das Nervensystem wachsam, die Nacht unruhig.
Ohne Alkohol beginnt sich das zu normalisieren. Nicht sofort, aber spürbar. An Tag 5 erreichen viele Menschen einen Punkt, an dem der Schlaf wieder seine ursprüngliche Funktion übernimmt. Andere brauchen länger. 👉 REM-Phasen werden länger und stabiler, die Stresshormone sinken in der Nacht, das Gehirn kann wieder sortieren, verarbeiten und verknüpfen.
Das Entscheidende dabei ist: Schlaf ist nicht nur Erholung. Er ist ein aktiver Zustand. In der Nacht werden Erinnerungen geordnet, emotionale Eindrücke eingehegt, Reizüberflutung abgebaut. Was tagsüber nicht verarbeitet werden konnte, bekommt jetzt Raum. Genau deshalb fühlt sich ein guter Schlaf nicht euphorisch an, sondern klärend.
Gleichzeitig schaltet der Körper auf Reparaturbetrieb. Zellen erneuern sich schneller, Entzündungsprozesse werden herunterreguliert, das Immunsystem arbeitet gezielt, und Organe wie Leber und Darm nutzen die Ruhephase für Regeneration. Auch hormonell wird nachts aufgeräumt: Wachstumshormone unterstützen Gewebeaufbau und Reparatur, während belastende Stresssignale gedämpft werden. Der Schlaf ist damit die Zeit, in der der Körper Schäden nicht nur ausgleicht, sondern aktiv behebt.
Viele merken das dann tagsüber an Kleinigkeiten. Gedanken springen weniger. Entscheidungen fallen leichter. Reaktionen sind nicht mehr so scharf. Dinge, die gestern noch überfordert haben, wirken heute handhabbar. Nicht, weil das Leben plötzlich einfacher wäre, sondern weil das Gehirn wieder mitarbeitet.
Der Unterschied zu den ersten Tagen des dry january ist deutlich. Tag 1 war Überleben. Tag 2 Aufräumen. Tag 3 Neujustierung. Tag 4 Substanz. Tag 5 ist der Moment, in dem der Körper einen Teil der Regeneration wieder unbemerkt übernimmt – im Schlaf.
Wenn Du heute noch müde bist, ist auch das kein Widerspruch. Schlaf holt nach, was lange gefehlt hat. Er repariert nicht auf Knopfdruck, sondern schichtweise. Aber er arbeitet bei vielen wieder zuverlässig.
Und genau das ist einer der wichtigsten Wendepunkte auf diesem Weg. Denn ein Gehirn, das nachts arbeiten darf, muss tagsüber weniger kompensieren. Weniger Stress, weniger innere Unruhe, weniger Druck. Die Dinge kommen langsam wieder an ihren Platz.
Morgen schauen wir uns an, warum genau dieser verbesserte Schlaf so entscheidend dafür ist, wie belastbar Du tagsüber wirst – und warum viele erst jetzt merken, wie sehr Alkohol ihre Energie im Alltag untergraben hat.
Bitte beachte unbedingt: Wenn Du starke Beschwerden haben solltest wie Zittern, Angst, Schwitzen, Übelkeit/Erbrechen oder plötzliche Schlafstörungen, dann beantworte den Fragebogen unter diesem Text ehrlich. Das könnten Symptome eines Alkoholentzugs sein, der unbedingt sofortige ärztliche Aufsicht bräuchte.
Falls der Arzt Dir raten sollte, vorerst wieder mäßig zu trinken, dann wäre das in dieser Phase ein absoluter Standardrat und nichts Verrücktes. Man kann so Entzugssymptome erst einmal unterdrücken und die Zeit bis zu einem professionellen Eingreifen überbrücken.
Entzugsrisiko-Selbstcheck: 10 Fragen
Dieser Selbstcheck dient ausschließlich der Einschätzung des medizinischen Risikos für einen Alkoholentzug. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung. Unabhängig vom Ergebnis gilt: Bitte wende Dich für Deine persönliche Einschätzung an Arzt oder Suchtberatung.
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Die Einordnung erfolgt nach dem PAWSS-System, das an der MAYO-Klinik in den USA entwickelt wurde.
Mehr dazu findest Du in unserem Lexikon .
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Dr. med. Bernd Guzek
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.

