Am verg. Donnerstag hatte ich meinen vierjährigen Jahrestag. Und zwei Dinge fallen mir dazu ein: Hätte mir erstens jemand am •••• prophezeit, dass ich “aufhöre”, ich hätte ihn ausgelacht. Am •••• wusste ich dann, dass “es vorbei” ist. Dieses innere Umlegen eines Schalters, dieses “Verstehen” war der entscheidende Moment. (…)
Was würde ich also raten: Suche nicht nach dem besten Augenblick. Den wird es nie geben, außer Du sagst Dir JETZT. Und wessen Verstand noch irgendwas Gutes am Alkohol findet, ist noch nicht soweit. (…)
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Häufig gestellte Fragen zur Abstinenz und dem richtigen Zeitpunkt (FAQ)
Gibt es den 'richtigen Moment', mit dem Trinken aufzuhören?
Nein – und das ist keine Ausrede, sondern Neurobiologie. Das Gehirn sucht bei bestehender Abhängigkeit immer nach Gründen, den Konsum fortzuführen. Der richtige Moment entsteht nicht von selbst; er wird durch die Entscheidung zum Jetzt erst möglich. Viele Betroffene berichten rückblickend, dass sie auf den perfekten Zeitpunkt gewartet haben – und damit wertvolle Zeit verloren haben.
Was bedeutet es, wenn man noch etwas Positives am Alkohol sieht?
Das ist ein typisches Zeichen dafür, dass das Suchtgedächtnis noch aktiv ist. Es verknüpft Alkohol mit positiven Erinnerungen – Entspannung, Geselligkeit, Erleichterung – und blendet die negativen Konsequenzen aus. Solange diese kognitive Ambivalenz besteht, ist der innere Veränderungsdruck meist zu gering für einen dauerhaften Ausstieg. Das ist kein Versagen – sondern ein neurobiologischer Mechanismus, der Zeit und oft auch Unterstützung braucht, um sich aufzulösen.
Wie lange dauert es, bis man sich nach dem Alkoholentzug wirklich stabil fühlt?
Das variiert stark. Die ersten Wochen nach dem Alkoholentzug sind körperlich und emotional oft turbulent. Viele Betroffene erleben nach drei bis sechs Monaten eine erste deutliche Stabilisierung – mental wie körperlich. Vier Jahre Abstinenz, wie in diesem Bericht, zeigen: Die Grundlage dafür ist der eine Moment der inneren Entscheidung.

