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Magnesium bei Alkoholentzug – warum ein Mangel Symptome verstärken kann

Magnesium spielt im Alkoholentzug eine größere Rolle, als viele vermuten. Chronischer Alkoholkonsum führt häufig zu einem Magnesiummangel – mit Folgen für Nervensystem, Herz und Energiehaushalt. Zittern, Herzrasen, innere Unruhe oder extreme Erschöpfung können dadurch verstärkt werden. Warum normale Blutwerte oft täuschen und welche Magnesiumform sinnvoll ist, erklärt dieser Beitrag.

Von Dr. med. Bernd Guzek

Magnesium: Der unterschätzte Faktor im Alkoholentzug

Alkohol greift tief in den Stoffwechsel ein. Die Leber baut Ethanol ab, das Gehirn passt seine Signalübertragung an, das Herz reagiert auf veränderte Elektrolyte und erhöhte Stresshormone.

Ein Aspekt, der dabei oft zu wenig Beachtung findet: der Mineralstoffhaushalt – und hier besonders Magnesium.

Studien zeigen wiederholt, dass chronischer Alkoholkonsum fast immer mit einem erniedrigten Magnesiumspiegel einhergeht. Die Häufigkeit liegt je nach Untersuchung und Patientengruppe bei 30–60 % (manchmal sogar höher), mal klar im Blut nachweisbar, mal eher funktionell im Gewebe spürbar.

Magnesium ist an über 300 enzymatischen Reaktionen beteiligt. Es stabilisiert unsere Energiewährung ATP, reguliert die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln und sorgt für eine ruhige elektrische Aktivität des Herzens. Fehlt es, sinkt die Reizschwelle: Nervenzellen und Muskeln werden übererregbar.

Genau hier überschneiden sich die biochemischen Effekte des Alkohols mit klassischen Entzugsbeschwerden: Zittern, innere Unruhe, Schlafprobleme, Herzrasen oder Muskelkrämpfe.

Alkohol entzieht dem Körper Magnesium auf mehreren Wegen: Er mindert die Aufnahme im Darm, steigert die Ausscheidung über die Nieren und verschiebt den Mineralstoff teilweise in Körperbereiche, wo er nicht mehr verfügbar ist. Dazu kommt bei vielen eine einseitige Ernährung – das Ergebnis ist meist kein plötzlicher Totalausfall, sondern eine chronische Instabilität im Stoffwechsel.

Magnesium ersetzt natürlich keine professionelle Entzugstherapie oder medizinische Begleitung. Aber es hilft zu verstehen, warum das Nervensystem im Entzug so empfindlich reagiert und warum vegetative Symptome sich manchmal stärker zeigen, als man allein durch psychische Faktoren erklären könnte.

Entzug ist nicht nur eine Frage von Willen und Psyche – es ist auch eine biochemische Herausforderung. Und Magnesium spielt dabei eine zentrale, oft unterschätzte Rolle.

Magnesium und das übererregte Gehirn

Das zentrale Nervensystem reagiert auf chronischen Alkoholkonsum nicht einfach passiv – es passt sich aktiv an. Alkohol dämpft vor allem erregende Signalwege, insbesondere das glutamaterge System über die NMDA-Rezeptoren. Um dieses künstliche Bremsen auszugleichen, erhöht der Körper langfristig die Anzahl und Empfindlichkeit dieser Rezeptoren.

Solange Alkohol regelmäßig zugeführt wird, bleibt dieses angepasste Gleichgewicht weitgehend stabil. Fällt der Alkohol jedoch abrupt weg, wirkt die aufgebaute Gegenregulation plötzlich ungebremst: Das Gehirn gerät in einen Zustand massiver Übererregung durch überschießendes Glutamat.

Genau an dieser Stelle kommt Magnesium ins Spiel – und zwar zentral.

Unter normalen Bedingungen blockiert Magnesium den NMDA-Rezeptor physiologisch: Es sitzt wie ein natürlicher Pfropfen im Kalziumkanal des Rezeptors und verhindert, dass Nervenzellen bei normalen Glutamat-Konzentrationen zu stark aktiviert werden. Dieser spannungsabhängige Block ist ein wichtiger Sicherheitsmechanismus gegen Übererregung.

Sinkt die verfügbare Magnesiumkonzentration – wie es bei chronischem Alkoholkonsum und im Entzug häufig der Fall ist –, lockert sich diese Bremse. Der NMDA-Rezeptor wird empfindlicher, lässt mehr Kalzium einströmen und verstärkt die glutamaterge Überaktivität erheblich.

Magnesiummangel im Alkoholentzug – typische Symptome

Das Ergebnis: Die neuronale Reizschwelle sinkt weiter, und typische Entzugssymptome werden intensiviert:

  • Zittern (Tremor)
  • innere Unruhe und Getriebenheit
  • gesteigerte Schreckhaftigkeit
  • Schlafstörungen und Albträume
  • im schweren Verlauf sogar Krampfanfälle oder delirante Zustände

Wichtig: Magnesiummangel verursacht den Alkoholentzug nicht. Er entsteht primär durch die neuroadaptiven Veränderungen (Überaktivierung des Glutamatsystems). Aber ein begleitender Magnesiummangel wirkt wie ein Verstärker – er nimmt dem hochgeregelten System eine natürliche Dämpfung und macht die neuronale Instabilität spürbar stärker.

Viele Betroffene beschreiben genau dieses Gefühl: „unter Strom stehen“, als ob das Nervensystem permanent auf Hochtouren läuft. Biochemisch ist das kein subjektiver Eindruck – es ist eine reale, messbare Erhöhung der Erregbarkeit.

Magnesium wirkt in diesem Kontext nicht primär sedierend (wie Benzodiazepine), sondern stabilisierend: Es hebt die Reizschwelle wieder an, unterstützt die Rückkehr zu einem physiologischeren Gleichgewicht und kann so helfen, die Intensität vegetativer und neurologischer Symptome zu mildern.

Natürlich ersetzt das keine medizinische Entzugsbehandlung. Aber es zeigt klar: Entzug ist ein neurobiochemisches Ereignis – und Magnesium ist ein Schlüsselbaustein, der oft unterschätzt wird.

Herz, Rhythmus und vegetative Instabilität

Magnesium beeinflusst nicht nur das zentrale Nervensystem, sondern auch die elektrische Stabilität des Herzens – und das auf sehr direkte Weise.

Jede Herzmuskelzelle arbeitet mit präzise abgestimmten Ionentransporten: Natrium strömt ein, Kalium strömt aus, Calcium löst die Kontraktion aus. Diese Ionenströme erzeugen das elektrische Signal, das den Herzschlag koordiniert. Magnesium agiert dabei im Hintergrund als wichtiger Regulator: Es stabilisiert Zellmembranen, moduliert Kalium- und Calciumkanäle und sorgt dafür, dass die elektrische Erregung geordnet abläuft, ohne dass es zu chaotischen Nachentladungen kommt.

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Sinkt die verfügbare Magnesiumkonzentration, verändert sich diese feine Balance. Die elektrische Reizschwelle der Herzmuskelzellen sinkt, sie reagieren empfindlicher auf kleinste Störreize. Das Risiko für vorzeitige Erregungen – sogenannte Extrasystolen – oder vorübergehende Rhythmusstörungen steigt spürbar an.

Hinzu kommt: Magnesium und Kalium sind eng gekoppelt. Ein Magnesiummangel fördert oft einen sekundären Kaliumverlust über die Nieren oder erschwert dessen Ausgleich. Beides zusammen – niedriges Magnesium plus relatives Kaliumdefizit – destabilisiert das Herz noch weiter. Im Alkoholentzug trifft diese biochemische Schwäche auf eine zusätzliche Belastung:

  • Adrenalin und Noradrenalin steigen stark an
  • Der Sympathikus ist dauerhaft aktiviert, was Stress auslöst
  • Puls und Blutdruck schwanken stark
  • Das vegetative Nervensystem befindet sich in einem hochlabilen Zustand

In dieser ohnehin angespannten Phase senkt ein begleitender Magnesiummangel die elektrische Stabilitätsschwelle des Herzens deutlich. Typische Beschwerden, die viele Betroffene schildern, sind:

  • starkes Herzrasen (Tachykardie)
  • unregelmäßiger oder „stolpernder“ Puls
  • spürbare Extrasystolen (das Gefühl, dass das Herz „aussetzt“ oder „einen Schlag extra macht“)
  • Kreislaufunsicherheit, Schwindel
  • kalte Schweißausbrüche

Nicht jede dieser Symptome geht allein auf Magnesiummangel zurück – der Entzug selbst erzeugt eine massive sympathische Aktivierung. Aber ein Defizit verstärkt diese Symptome oft erheblich und macht sie subjektiv bedrohlicher. Viele Betroffene erleben genau dieses „Herzklopfen mit Panikgefühl“, bei dem sich körperliche und psychische Komponente kaum noch trennen lassen. Häufig liegt ein Teil der Ursache tatsächlich im elektrolytischen Ungleichgewicht.

Magnesium wirkt in diesem Kontext nicht primär beruhigend oder dämpfend (wie klassische Sedativa). Es stellt vielmehr die elektrische Ordnung im Herzmuskel wieder her, erhöht die Reizschwelle und trägt so zur Stabilisierung bei – gerade in einer Phase, in der das gesamte vegetative System extrem gefordert ist.

Das erklärt, warum manche Menschen im Entzug berichten: „Sobald das Magnesium wieder besser wurde, hat sich das Herzrasen spürbar beruhigt – ohne dass ich zusätzlich Medikamente brauchte.“ Es ist kein Allheilmittel, aber ein wichtiger Baustein für mehr Stabilität.

Oxidativer Stress, Energie und Zellschutz – die versteckte Rolle von Magnesium

Alkohol belastet den Körper nicht nur über Nerven- und Herz-Kreislauf-System, sondern greift tief in den zellulären Energiestoffwechsel ein.

Beim Abbau von Ethanol in der Leber entstehen vermehrt reaktive Sauerstoffverbindungen (ROS) – freie Radikale und andere aggressive Moleküle. Gleichzeitig verschiebt sich das Verhältnis von NADH zu NAD⁺ stark zugunsten von NADH. Das beeinträchtigt die mitochondriale Atmungskette: Die Energieproduktion in den Zellen gerät ins Stocken, die Effizienz sinkt. Medizinisch spricht man hier von oxidativem Stress – einem Zustand, in dem die antioxidativen Schutzsysteme überfordert sind.

Magnesium spielt in diesem Szenario eine zentrale, aber oft unterschätzte Rolle.

Fast jede energiereiche Reaktion im Körper läuft nicht mit ungebundenem ATP ab, sondern mit Mg-ATP – dem Magnesium-gebundenen Komplex. Magnesium stabilisiert das ATP-Molekül, verhindert seinen vorzeitigen Abbau und macht es erst richtig nutzbar für die Enzyme. Sinkt die Magnesiumverfügbarkeit, sinkt auch die Effizienz dieser Prozesse – die Zellen produzieren weniger nutzbare Energie, obwohl Rohstoffe vorhanden sind.

Zusätzlich ist Magnesium an zahlreichen Enzymen beteiligt, die Zellmembranen stabilisieren, und Reparaturmechanismen steuern. Ein Mangel bedeutet nicht zwangsläufig sofortigen Zellschaden – aber er verringert die Belastungsreserven der Zellen erheblich. Sie reagieren empfindlicher auf weitere Stressoren, und Regenerationsprozesse verlaufen langsamer.

Im Alkoholentzug kumulieren sich diese Effekte:

  • Der Organismus kämpft bereits mit Entzündungsreaktionen (Zytokine, Mikroglia-Aktivierung)
  • Hormonelle Achsen (Cortisol, Katecholamine) sind hochreguliert
  • Neuronale Übererregbarkeit verbraucht zusätzliche Energie

Wenn unter diesen Bedingungen die mitochondriale Energieproduktion und die enzymatische Stabilisierung nicht optimal laufen, spüren Betroffene das sehr direkt: ausgeprägte körperliche Erschöpfung, Muskelschwäche, schnelle Ermüdbarkeit, ein diffuses Gefühl von „keine Power mehr“. Viele berichten genau davon – und wundern sich, warum die Müdigkeit trotz Schlaf und Nahrung so hartnäckig bleibt. Ein relevanter Teil dieser Symptomatik ist nicht rein psychologisch, sondern metabolisch bedingt.

Wichtig: Magnesium ist kein klassisches Antioxidans wie Vitamin C oder E – es fängt keine freien Radikale direkt ab. Seine Stärke liegt in der indirekten Unterstützung:

  • Stabilisierung der mitochondrialen Energieproduktion
  • Erhalt der ATP-Verfügbarkeit
  • Unterstützung enzymatischer Schutz- und Reparatursysteme

Gerade in einer Phase, in der der Stoffwechsel ohnehin unter Hochdruck steht, kann diese stabilisierende Funktion den Unterschied ausmachen – zwischen „kaum durchhalten“ und „langsam wieder Kraft aufbauen“.

Magnesium heilt den oxidativen Stress nicht weg und ersetzt keine Entgiftung oder Therapie. Aber es hilft dem Körper, seine eigenen Schutz- und Reparaturmechanismen besser aufrechtzuerhalten – und genau das kann in den ersten Wochen des Entzugs spürbar entlasten.

Warum normale Blutwerte oft nicht beruhigen – der Magnesium-Fallstrick

Magnesium wird in der Routine meist als Serum-Magnesium bestimmt. Der Wert liegt bei vielen Menschen im Entzug im grünen Bereich – und das wirkt erst einmal beruhigend. „Labor okay, also alles in Ordnung“, denkt man schnell.

Tatsächlich spiegelt der Serumwert aber nur einen winzigen Bruchteil des gesamten Magnesiumhaushalts wider: Gerade einmal etwa ein Prozent des gesamten Körpermagnesiums zirkuliert im Blut. Der Großteil – rund 60 Prozent – sitzt in den Knochen, etwa 30–40 Prozent in Muskeln und Weichteilen, und der Rest in den Zellen aller Organe.

Der Körper hält diesen extrazellulären (Blut-)Spiegel sehr eng reguliert, weil Magnesium für lebenswichtige Funktionen unverzichtbar ist: Herzrhythmus, Nervenleitung, Enzymaktivität. Sinkt die Verfügbarkeit im Gewebe oder in den Zellen, mobilisiert der Organismus kurzfristig Reserven aus Knochen und Muskeln, um den Serumwert stabil zu halten – oft über Wochen oder sogar Monate.

Das Ergebnis: Ein normaler Serumwert schließt ein relevantes, funktionelles Magnesiumdefizit nicht sicher aus. Besonders bei chronischem Alkoholkonsum und im Entzug ist das ein bekanntes Phänomen: Die intrazelluläre und gewebsständige Verfügbarkeit kann deutlich reduziert sein, während der Laborwert noch im Referenzbereich liegt (meist 0,70–1,05 mmol/L, je nach Labor).

In der Praxis zeigt sich der Mangel dann eher klinisch als laborchemisch:

  • anhaltendes Zittern trotz Benzodiazepinen
  • hartnäckiges Herzrasen oder Extrasystolen
  • starke innere Unruhe und Schreckhaftigkeit
  • Muskelschwäche, Krämpfe oder diffuse Erschöpfung
  • Schlafstörungen, die nicht allein psychisch erklärbar sind

Das heißt nicht, dass Blutwerte wertlos sind. Ein deutlich erniedrigter Serum-Magnesium-Wert (< 0,70 mmol/L, oft schon < 0,60 mmol/L symptomatisch) ist ein klarer Alarm und erfordert sofortige Substitution – meist intravenös in der Akutphase. Aber umgekehrt darf ein unauffälliger Wert niemanden in falscher Sicherheit wiegen.

Gerade im Alkoholentzug lohnt es sich daher, Laborwerte immer im Zusammenhang zu betrachten:

  • Symptombild
  • Dauer und Intensität des früheren Konsums
  • Ernährungszustand (oft mangelhaft an Magnesium-reichen Lebensmitteln)
  • Begleiterkrankungen (Leberzirrhose, Malabsorption, Diuretika usw.)
  • Verlauf der Entzugssymptomatik

Magnesium ist ein Paradebeispiel dafür, dass Laborparameter wertvolle Orientierung bieten – aber nie das vollständige physiologische Bild zeichnen. Wenn Symptome trotz „normaler“ Werte hartnäckig bleiben, spielen biochemische Faktoren oft eine größere Rolle, als man zunächst annimmt. Symptome vorschnell als „nur psychisch“ oder „Entzugsangst“ abzutun, kann hier wichtige Stabilisierungsmöglichkeiten übersehen.

Supplementation – sehr sinnvoll, aber kein Wundermittel

Wenn ein relevanter Magnesiummangel vorliegt – sei es laborchemisch nachweisbar oder klinisch-funktionell durch Symptome und Anamnese wahrscheinlich –, ist eine gezielte Supplementation medizinisch sinnvoll und oft hilfreich. Besonders bei chronischem Alkoholkonsum und im Entzug treffen mehrere Faktoren zusammen: erhöhte Verluste über die Niere, verminderte Aufnahme im Darm, häufig einseitige Ernährung und gesteigerter Bedarf durch Stress und Entzündungsreaktionen.

Eine ausreichende Magnesiumzufuhr kann in dieser Phase unterstützen:

  • die neuronale Reizschwelle anheben
  • die elektrische Stabilität des Herzens verbessern
  • die Energieproduktion in den Zellen stabilisieren
  • das vegetative Nervensystem etwas beruhigen

Das subjektive Erleben vieler Betroffener wird dadurch spürbar entlastet – weniger extremes Zittern, milderes Herzrasen, etwas mehr innere Ruhe und schnellere Erholung von der Erschöpfung.

Wichtig aber– und das muss klar gesagt werden: Magnesium ersetzt keine professionelle Entzugstherapie. Es verhindert weder ein Delirium tremens noch schwere Krampfanfälle bei hochgradiger Abhängigkeit. In solchen Fällen sind ärztliche Überwachung, Benzodiazepine für einen begrenzten, kurzen Zeitraum, Flüssigkeits- und Elektrolytbilanzierung sowie Thiamin (Vitamin B1) unverzichtbar. Magnesium kann die Stabilisierung flankieren – aber es behandelt nicht die zugrunde liegende Abhängigkeit und deckt nicht die primäre neuroadaptation ab.

Was bei der Supplementation entscheidend ist

  • Dosierung und Verträglichkeit Übliche therapeutische Dosen liegen bei 200–400 mg elementarem Magnesium pro Tag (manchmal kurzfristig höher, ärztlich abgestimmt). Höhere Dosen verteilt man idealerweise auf 2–3 Einnahmen, um die Aufnahme zu optimieren und den Darm zu schonen.
  • Nierenfunktion prüfen Bei normaler Nierenfunktion (GFR > 60 ml/min) ist orale Magnesiumsupplementation in moderaten Dosen sicher. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (GFR < 30–40 ml/min) oder schweren Herzrhythmusstörungen sollte die Einnahme immer ärztlich koordiniert werden.
  • Zusammenspiel mit anderen Elektrolyten Magnesium- und Kaliumhaushalt sind eng verknüpft. Ein isolierter Kaliumersatz ohne Magnesiumausgleich bleibt oft unvollständig – der Körper verliert Kalium weiter über die Nieren, solange Magnesium niedrig ist. In der Praxis lohnt es sich daher, beide im Blick zu haben.

Was passiert bei Überdosierung?

Bei gesunder Nierenfunktion gilt Magnesium als einer der sichersten Mineralstoffe. Überschüssiges Magnesium wird renal ausgeschieden. Die häufigste und zugleich wichtigste Nebenwirkung höherer oraler Dosierungen ist Durchfall – osmotisch bedingt, weil das nicht resorbierte Mineral Wasser im Darm bindet. Dieser Effekt wirkt quasi als natürliche Dosisbegrenzung: Der Körper nimmt einfach weniger auf, wenn zu viel kommt.

Unter üblichen oralen Supplementen im 200–600-mg-Bereich pro Tag sind klinisch relevante Komplikationen bei normaler Nierenfunktion extrem selten.

Welche Form ist wirklich sinnvoll?

Magnesium kommt in Pillen und Pulvern nie rein vor, sondern immer gebunden an einen Träger. Die Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit unterscheiden sich stark:

  • Magnesiumoxid Günstig, hoher Magnesiumgehalt pro Gramm (ca. 60 %), aber nur 4–10 % Bioverfügbarkeit. Häufig dagegen abführend, oft Magen-Darm-Beschwerden. Trotz hoher Magnesium-Angabe auf der Packung oft die schlechteste Wahl für eine effektive Versorgung.
  • Besser geeignete organische Formen (höhere Resorption, bessere Verträglichkeit):
    • Magnesiumcitrat – gut löslich, sehr gute Aufnahme, moderat abführend bei hohen Dosen
    • Magnesiumbisglycinat (auch Glycinat) – chelatisiert, sehr magenschonend, kaum laxierend, gute zelluläre Aufnahme
    • Magnesiummalat – oft bei Erschöpfung und Muskelschwäche bevorzugt, unterstützt Energieproduktion

In der Praxis zählt nicht der höchste Milligrammwert auf der Packung, sondern die Kombination aus tatsächlicher Aufnahme und Verträglichkeit. Ein moderat dosiertes Citrat oder Glycinat (z. B. 2 × 150–200 mg elementar) bringt meist mehr als ein billiges Oxid-Präparat mit 400 mg, von dem nur ein Bruchteil wirklich ankommt.

Kurz gesagt für den Alltag: Wähle eine gut lösliche, organische Form. Starte moderat (z. B. 200–300 mg elementar/Tag), verteilt auf den Tag. Beobachte Verträglichkeit und Symptome. Bei Unsicherheit (Nierenwerte, Herzrhythmus, Begleitmedikation) immer mit Arzt oder Apotheker abstimmen.

Magnesium ist ein wertvoller Baustein – aber eben nur einer. Es kann den Entzug spürbar erleichtern, ohne dass es ein Allheilmittel wäre.

Das Wichtigste in Kürze – Magnesium im Alkoholentzug

Chronischer Alkoholkonsum stört den Magnesiumhaushalt auf mehreren Ebenen. Er vermindert die Aufnahme im Darm, steigert die Ausscheidung über die Nieren und trifft häufig auf eine unzureichende Ernährung. Das Ergebnis ist oft kein dramatischer Einzelbefund im Labor, sondern eine schleichende funktionelle Instabilität.

Magnesium beeinflusst die Erregbarkeit von Nervenzellen, die elektrische Stabilität des Herzens und die Effizienz der Energieproduktion. Im Alkoholentzug, einer Phase erhöhter neuronaler und vegetativer Belastung, kann ein Defizit diese Instabilität verstärken. Zittern, Unruhe, Herzklopfen oder ausgeprägte Erschöpfung sind nicht allein psychische Phänomene, sondern Ausdruck eines Organismus unter biochemischem Druck.

Magnesium ersetzt keine Entzugstherapie und keine ärztliche Begleitung. Es ist kein Wundermittel. Aber es gehört zu den Faktoren, die übersehen werden, obwohl sie zur Stabilisierung beitragen können.

Entzug bedeutet Anpassung auf mehreren Ebenen. Wer die biochemische Seite mitdenkt, versteht besser, warum Stabilität manchmal von scheinbar kleinen Stellschrauben abhängt – und warum Magnesium dabei eine Rolle spielen kann.

Wenn Du Dich gerade in der Entzugsphase befindest oder jemanden begleitest: Lass die biochemische Seite nicht außer Acht. Sprich mit Deinem Arzt darüber – ein gezielter Blick auf Elektrolyte kann mehr bringen, als man zunächst denkt.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Magnesium und Alkoholentzug (FAQ)

Kann Magnesiummangel Zittern im Alkoholentzug verstärken?

Ja. Ein Magnesiummangel senkt die neuronale Reizschwelle. Magnesium blockiert physiologisch den NMDA-Rezeptor und dämpft damit übermäßige Erregung im Glutamatsystem. Sinkt die verfügbare Menge, reagiert das Nervensystem empfindlicher. Zittern, innere Unruhe und gesteigerte Schreckhaftigkeit können dadurch intensiver ausfallen. Der Mangel verursacht den Entzug nicht, er kann ihn jedoch verstärken.

Hilft Magnesium gegen Herzrasen im Alkoholentzug?

Magnesium stabilisiert die elektrische Aktivität der Herzmuskelzellen und beeinflusst den Kaliumhaushalt. Im Alkoholentzug steigt die sympathische Aktivität deutlich an, Puls und Blutdruck schwanken. Besteht zusätzlich ein Magnesiummangel, sinkt die elektrische Stabilitätsschwelle. Eine gezielte Supplementation kann Herzklopfen oder Extrasystolen abschwächen, ersetzt jedoch keine ärztliche Überwachung bei schweren Verläufen.

Warum sind Magnesium-Blutwerte trotz Symptomen oft normal?

Nur etwa ein Prozent des gesamten Körpermagnesiums befindet sich im Blut. Der Organismus hält diesen Serumwert relativ konstant, indem er Reserven mobilisiert. Ein normaler Blutwert schließt daher ein funktionelles Defizit im Gewebe oder in den Zellen nicht sicher aus. Die Beurteilung sollte immer im Zusammenhang mit Symptomen, Ernährungszustand und Alkoholkonsum erfolgen.

Welche Magnesiumform ist bei Alkoholproblemen sinnvoll?

Gut lösliche organische Verbindungen wie Magnesiumcitrat, -bisglycinat oder -malat werden in der Regel besser aufgenommen und sind verträglicher als Magnesiumoxid. Entscheidend ist nicht der höchste Milligrammwert auf der Verpackung, sondern die tatsächlich resorbierte Menge. Moderate Dosierungen, verteilt über den Tag, verbessern meist die Verträglichkeit.

Kann man Magnesium überdosieren?

Bei normaler Nierenfunktion ist eine relevante Überdosierung durch übliche orale Supplemente selten. Hohe Dosen führen meist zunächst zu Durchfall, was die Aufnahme begrenzt. Problematisch kann eine Anreicherung vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion oder bei intravenöser Gabe werden. In solchen Fällen sind Müdigkeit, Muskelschwäche oder Blutdruckabfall möglich.

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Arzt, Autor, Angehöriger & Mitgründer von Alkohol adé

Dr. med. Bernd Guzek

Arzt, Autor, Angehöriger & Mitgründer von Alkohol adé

Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Störungen des Hirnstoffwechsels sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.


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