Ich habe meine kleine Enkeltochter übers Wochenende zu uns geholt und Samstag meinte sie, sie möchte gern zu Mama. Ich habe ruck zuck ihre Sachen gepackt und Heim gebracht um ganz fix Wein zu kaufen um zu Hause zu trinken. Eigentlich war sie immer von Freitag bis Sonntag da, aber an diesem Wochenende habe ich es nicht ausgehalten nicht zu trinken (trank nie wenn die Kleine da war). Bereits auf dem Weg zum Wein kaufen fühlte ich mich schlecht, denn ich hätte nur ein Buch mit ihr lesen müssen und ihr Heimweh wäre weg gewesen. Dieser Moment bleibt immer im Gedächtnis!! …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Warum treibt Alkoholsucht Menschen dazu, selbst geliebte Momente dem Craving zu opfern?
Was diese Leserin beschreibt, ist ein klassisches Muster der Alkoholabhängigkeit: Der Suchtdruck – medizinisch Craving genannt – übernimmt die Kontrolle über Entscheidungen, die im nüchternen Zustand undenkbar wären. Das Gehirn von Menschen mit Alkoholkrankheit hat sich neurobiologisch so verändert, dass das Verlangen nach Alkohol andere Motivationen kurzfristig verdrängt – darunter auch die tiefste Zuneigung zu einem geliebten Menschen. Besonders schmerzhaft ist, dass das Bewusstsein über das eigene Handeln dabei erhalten bleibt: Die Autorin wusste, was sie tat, und konnte sich trotzdem nicht dagegen entscheiden. Genau das beschreibt den Kontrollverlust bei Suchtgedächtnis und Abhängigkeit präzise – nicht Schwäche, sondern eine tiefgreifende Störung der Gehirnfunktion. Dass dieser Moment im Gedächtnis bleibt, ist kein Zufall: Solche schambehafteten Erinnerungen können ein wichtiger Wendepunkt auf dem Weg zur Abstinenz werden.
Häufig gestellte Fragen zum Craving (FAQ)
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[aa-faq-item question=”Warum setzt Craving selbst bei Menschen durch, die eigentlich gar nicht trinken wollen?”]
Craving entsteht durch tiefgreifende Veränderungen im Belohnungssystem des Gehirns. Bei Alkoholabhängigkeit ist das Verlangen nach Alkohol neurobiologisch so fest verankert, dass es andere Motive – auch emotionale Bindungen – kurzfristig überlagern kann. Das ist kein Versagen des Willens, sondern ein Zeichen der Suchterkrankung.
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[aa-faq-item question=”Was bedeutet es, wenn man genau weiß, was man tut, es aber trotzdem nicht stoppen kann?”]
Dieses Erleben ist typisch für fortgeschrittene Alkoholabhängigkeit. Das Bewusstsein ist intakt, aber die Impulskontrolle ist durch das Suchtgedächtnis und die veränderte Gehirnchemie massiv eingeschränkt. Medizinisch spricht man von Kontrollverlust als einem der Kernsymptome der Alkoholkrankheit.
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[aa-faq-item question=”Kann Scham über solche Momente beim Aufhören helfen?”]
Scham ist ein zweischneidiges Schwert. Kurzfristig kann ein schmerzhafter Schlüsselmoment – wie dieser – den inneren Wunsch nach Veränderung stärken. Langfristig sollte Scham jedoch in professionelle Unterstützung oder eine Gemeinschaft münden, nicht in Selbstverurteilung, die das Rückfallrisiko erhöht.
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