Ab wann ist jemand alkoholkrank? Wenn jemand Schnaps trinkt, arbeitslos ist, oder gar beides und unter der Brücke lebt? Ich behaupte mal: „Wer …
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Ab wann ist jemand alkoholkrank – und welche Kriterien unterscheiden riskanten Konsum von einer manifesten Alkoholkonsumstörung?
Alkoholkrankheit ist keine Frage des äußeren Erscheinungsbilds oder der sozialen Situation. Medizinisch spricht man von einer Alkoholkonsumstörung, wenn Kontrollverlust, Toleranzentwicklung oder körperliche Entzugssymptome auftreten – unabhängig davon, ob jemand erwerbstätig ist oder nicht. Das gesellschaftliche Klischee des „Penners unter der Brücke” erfasst nur einen kleinen Bruchteil der Betroffenen. Der weitaus größere Teil trinkt im Verborgenen: berufstätig, sozial integriert, nach außen hin unauffällig. Entscheidend ist nicht die Menge allein, sondern die verlorene Steuerungsfähigkeit über den eigenen Konsum. Genau diese Grenze zu erkennen – bei sich selbst oder bei anderen – ist oft der schwierigste Schritt.
Häufig gestellte Fragen zur Alkoholkrankheit (FAQ)
Ab wann gilt jemand medizinisch als alkoholkrank?
Von einer Alkoholkonsumstörung spricht man, wenn mindestens zwei von elf definierten Kriterien erfüllt sind – darunter Kontrollverlust, Toleranzentwicklung oder das Auftreten von Entzugssymptomen. Ein bestimmtes Trinkpensum allein reicht für die Diagnose nicht aus.
Muss man täglich trinken, um alkoholkrank zu sein?
Nein. Auch wer nur am Wochenende trinkt, aber dabei die Kontrolle verliert oder ohne Alkohol unruhig und gereizt wird, kann abhängig sein. Täglicher Konsum ist kein Pflichtmerkmal einer Alkoholkrankheit.
Kann man alkoholkrank sein und trotzdem arbeiten und funktionieren?
Ja – das ist häufig der Fall. Viele Menschen mit Alkoholkrankheit sind beruflich eingebunden und sozial unauffällig. Der sogenannte „funktionale Alkoholismus” ist weit verbreitet und wird deshalb oft lange nicht erkannt, weder von außen noch von den Betroffenen selbst.

