Alkoholkonsumstörung ist der aktuelle deutschsprachige Fachbegriff der Medizin für das, was die meisten Menschen Alkoholsucht oder Alkoholabhängigkeit nennen. Er stammt aus der ICD-11, dem internationalen Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation (WHO), das seit 2022 in Kraft ist. Der englische Begriff lautet Alcohol Use Disorder(AUD) und entstammt dem amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5.
Wer den Begriff in einem Arztbrief oder Therapiebericht liest, ist damit gemeint.
Was steckt dahinter #
Die Alkoholkonsumstörung ist die alkoholspezifische Ausprägung der übergeordneten Substanzgebrauchsstörung. Der entscheidende Unterschied zu den früheren Begriffen „Alkoholmissbrauch” und „Alkoholabhängigkeit”: Diese alte Zweiteilung ist aufgehoben. Stattdessen gibt es jetzt ein Spektrum mit drei Schweregraden — leicht, mittelgradig und schwer — je nachdem, wie viele von elf diagnostischen Kriterien erfüllt sind.
Zu diesen Kriterien gehören unter anderem Toleranzentwicklung (die gleiche Menge wirkt immer weniger), Entzugssymptome beim Aufhören, wiederholtes Scheitern beim Versuch, den Konsum zu reduzieren, anhaltendes Craving und die Vernachlässigung wichtiger Lebensbereiche zugunsten des Trinkens. Bereits zwei erfüllte Kriterien genügen für eine Diagnose.
Was das im Alltag bedeutet #
Die Verschiebung hin zu einem Spektrum hat einen praktischen Vorteil: Frühzeitiges Eingreifen wird medizinisch sinnvoll, noch bevor eine schwere Abhängigkeit entstanden ist. Wer also schon bei leichten Problemen Hilfe sucht, handelt nicht übertrieben — sondern genau richtig.
Hinter der Diagnose stecken handfeste Vorgänge im Gehirn. Alkohol verändert das Belohnungssystem, führt zur Neuroadaptation und hinterlässt Spuren, die auch nach dem Aufhören noch wirksam bleiben können. Ein Rückfall ist deshalb kein moralisches Versagen, sondern ein biologisch gut verstandenes Risiko.
Und was ist mit „Sucht” und „Alkoholiker”? #
Beide Begriffe sind medizinisch nicht mehr offiziell — aber alltagssprachlich nach wie vor treffend und verständlich. Wir verwenden sie auf dieser Seite weiterhin, weil sie sagen, was sie meinen. „Alkoholkonsumstörung” ist der Begriff, der im Arztbrief steht. Beides zu kennen schadet nicht.
Was ist eine Alkoholkonsumstörung?
Alkoholkonsumstörung ist der aktuelle medizinische Fachbegriff für Alkoholsucht oder Alkoholabhängigkeit. Er stammt aus der ICD-11 der WHO und entspricht dem englischen Begriff Alcohol Use Disorder (AUD). Die Diagnose wird anhand von elf Kriterien gestellt und unterscheidet drei Schweregrade: leicht, mittelgradig und schwer.
Was ist der Unterschied zwischen Alkoholkonsumstörung und Alkoholabhängigkeit?
Der Begriff Alkoholabhängigkeit stammt aus älteren Diagnosesystemen und wurde gemeinsam mit dem Begriff Alkoholmissbrauch durch die einheitliche Bezeichnung Alkoholkonsumstörung ersetzt. Der wesentliche Unterschied: Statt einer harten Grenze zwischen „noch kein Problem” und „schwer abhängig” gibt es jetzt ein abgestuftes Spektrum, das frühere Intervention ermöglicht.
Wie viele Kriterien müssen erfüllt sein?
Für die Diagnose einer Alkoholkonsumstörung müssen nach DSM-5 innerhalb von zwölf Monaten mindestens zwei von elf Kriterien erfüllt sein. Dazu zählen unter anderem Kontrollverlust, Toleranzentwicklung, Entzugssymptome und anhaltendes Verlangen nach Alkohol. Mit zwei bis drei Kriterien gilt die Störung als leicht, mit vier bis fünf als mittelgradig, ab sechs als schwer.
Dr. med. Bernd Guzek #
Arzt, Autor, Angehöriger & Mitbegründer von Alkohol adé
Beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den biochemischen Grundlagen von Sucht und Hirnstoffwechselstörungen sowie deren Beeinflussung durch Nährstoffe.