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Warum verlierst du bei einem Glas Alkohol sofort die Kontrolle, während andere locker aufhören?

Zwei Gehirne – eines hell, eines dunkel – mit einem Glas dazwischen

Warum du nicht „nur ein Glas“ trinken kannst – Neurotransmitter, präfrontaler Cortex & genetische Unterschiede erklärt. Neurotransmitter-Ungleichgewicht, schwacher präfrontaler Cortex & Epigenetik erklären es.

Von Gaby Guzek

Zusammenfassung: Die Frage, die fast jeder mit Alkoholproblem stellt

„Warum können die anderen einfach mal ein Glas trinken und dann monatelang nichts – und ich falle sofort wieder rein?“ Diese Frage hört Alkohol adé von fast jedem Klienten. Die Antwort hat nichts mit „Suchtpersönlichkeit“ oder Willensschwäche zu tun – sondern mit Neurobiologie.

Wer von Natur aus biochemisch etwas schwächer ausgestattet ist (auch ohne Krankheitswert!), erlebt Alkohol als die perfekte Sofort-Medizin gegen Stress, Unruhe oder Anspannung. Das Belohnungssystem prägt sich diesen Weg ein – und genau deshalb wird aus „ein Glas“ schnell viel mehr.

Warum kann ich nicht nur ein einzelnes Glas ohne Gefahr trinken – die anderen aber ohne Probleme?

Der zweite entscheidende Faktor: Der präfrontale Cortex

Der präfrontale Cortex ist unsere innere Kontrollinstanz („Wir trinken jetzt kein zweites Glas, weil wir noch fahren müssen“).

  • Bei manchen Menschen ist er stark und durchsetzungsfähig → klare Ansage, alles hört hin.
  • Bei anderen ist er etwas „faul“ oder unterentwickelt → die Kontrolle bleibt schwach.

Genau diese Kombination – schwächer ausgeprägte Belohnungssystem + schwächerer präfrontaler Cortex – ist übrigens ein Kernmerkmal von ADHS und erklärt das extrem hohe Alkohol-Risiko bei Betroffenen.

Zusätzliche Risikofaktoren: Epigenetik & familiäre Belastung

Kinder aus alkoholbelasteten Familien tragen ein deutlich höheres Risiko – nicht durch „schlechte Gene“ direkt, sondern durch epigenetische Veränderungen, die das Stress- und Belohnungssystem langfristig verstellen. (Ausführlich erklärt im Buch „Alkohol adé“.)

Fazit: Es ist Biologie – kein Charakterdefizit

Wer gelegentlich trinken und dann wieder aufhören kann, hat schlicht ein besser ausgestattetes Neurotransmitter-System und einen starken präfrontalen Cortex. Alles andere ist keine „Suchtpersönlichkeit“, sondern ganz normale neurobiologische Unterschiedlichkeit. Diese Erkenntnis nimmt enormen Druck und Scham – und macht den Weg in die dauerhafte Abstinenz viel leichter.

Das volle Transkript zum Video

Hallo, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „Nicht geschüttelt, nicht gerührt“, dem Kanal für ein abstinentes Leben von Alkohol-AD.

Heute beantworten wir die Frage aller Fragen: Warum kann ich nicht einfach mal nur ein Glas trinken, gelegentlich, und dann wieder aufhören – so wie alle anderen auch? Warum kann ich das nicht?

Es gibt glaube ich keinen Klienten und keine Klientin, die mir diese Frage nicht gestellt hat. Wer jetzt insgeheim denkt „Ja, das sind dann die Suchtpersönlichkeiten“, der setzt sich bitte zu Hause hin und schreibt 100-mal als Strafe: Neurotransmitter, Nervenbotenstoffe. Denn genau darin liegt der Grund.

Wie wir wissen, manipuliert Alkohol unsere Nervenbotenstoffe – kurzfristig und langfristig.

Schauen wir uns zuerst den kurzfristigen Effekt an: Da schießt vor allem das Dopamin nach oben, die Endorphine ebenfalls – beides zusammen erzeugt dieses totale gute Laune-Gefühl. Serotonin steigt, das landläufig als Glückshormon bezeichnet wird (ist aber ebenfalls ein Neurotransmitter), und GABA geht nach oben – unser wichtigster Entspannungsbotenstoff.

Langfristig bringt das natürlich den gesamten Haushalt durcheinander, aber das ist ein anderes Thema – dazu gibt es bereits Videos.

Wenn jemand ein völlig ausgeglichenes, gut austariertes Nervenbotenstoff-System hat – Dopamin schön hoch, Serotonin hoch, genug GABA, um sich gut zu entspannen –, dann wird diese Person auf ein Glas Alkohol nicht so reagieren, dass es für sie eine schiere Erweckungsveranstaltung ist.

Ganz anders sieht es aus, wenn man von Haus aus ein etwas angeschlagenes oder nicht optimal austariertes System hat. Das muss noch nicht einmal einen Krankheitswert haben. Es reicht schon, wenn man biochemisch gesehen nicht so gut entspannen kann, weil einem ein bisschen GABA fehlt. Trinkt man dann Alkohol, knallt es im wahrsten Sinne des Wortes. Man fühlt sich plötzlich deutlich besser – und weil Dopamin im Spiel ist, merkt sich das Gehirn das natürlich.

Beim nächsten Mal sagt der eine mit dem ausgewogenen System: „Schick, aber muss ich nicht nochmal haben.“ Der andere – wie offensichtlich auch ich – mit dem nicht ganz optimal austarierten System fällt am Ende ins Glas oder gleich in die Flasche.

Ein weiterer Faktor ist unser präfrontaler Cortex, die Hirnregion, die darüber entscheidet, was wir tun – unsere Denk- und Kontrollzentrale. Bei manchen Leuten ist das ein echtes Muskelpaket mit Autorität: „Wir trinken kein zweites Glas, weil wir noch fahren müssen.“ Dann steht alles stramm und hört zu.

Bei anderen ist er etwas faul oder hat nicht das nötige Charisma, um den Laden am Laufen zu halten – und sagt dann: „Ja okay, dann trinken wir halt noch einen.“

Genau diese Kombination – etwas träger präfrontaler Cortex plus unterausgestattetes Dopaminsystem – sind die beiden Kennzeichen von ADHS. Und genau deshalb haben Menschen mit ADHS ein so großes Risiko, alkoholabhängig zu werden. Denn Alkohol ist, wie Suchtforscher sagen, die „schmutzigste“ Droge, weil er alle Nervenbotenstoffe durcheinander bringt.

Formulieren wir die Frage also anders: Was hat jemand, der gelegentlich mal trinken und dann lange nichts mehr trinken kann? Einen starken präfrontalen Cortex, von Haus aus gute Dopamin-Ausstattung (muss nicht extra gekickt werden), ein super Serotonin-System und ein super Stress-Management-System dank ausreichend GABA.

Das ist der Unterschied – und nichts mit Suchtpersönlichkeit oder sonstigem.

Natürlich gibt es noch einen weiteren Faktor: frühkindliche Prägungen und die Epigenetik. Kinder aus alkoholbelasteten Familien haben ein deutlich höheres Risiko, später selbst Probleme zu entwickeln – durch epigenetische Veränderungen. Wen das genauer interessiert, dem erkläre ich das ausführlich im Buch „Alkohol-AD“.

Das war wieder „Nicht geschüttelt, nicht gerührt“ von Alkohol-AD, dem Kanal für ein abstinentes Leben. Ich hoffe, es hat euch gefallen. Wenn ihr das interessant fandet, teilt das Video gerne in den sozialen Medien oder schickt es weiter.

Ich freue mich schon aufs nächste Mal – bis dann!


FAQ


Warum können manche Menschen nicht bei einem Glas bleiben?

Weil Alkohol bei einigen Menschen deutlich stärker auf Dopamin, Serotonin, GABA und Endorphine wirkt. Das Gehirn merkt sich diese schnelle Entlastung und will sie wiederholen.

Welche Rolle spielt der präfrontale Cortex?

Er entscheidet über Impulskontrolle und „Stopp“-Signale. Ist er schwächer ausgeprägt, fällt es schwerer, nach einem Glas aufzuhören.

Warum haben Menschen mit ADHS ein höheres Risiko?

Weil bei ADHS sowohl Dopamin als auch die präfrontale Regulation beeinträchtigt sind. Alkohol wirkt dadurch besonders stark und verlockend.

Spielt familiäre Belastung eine Rolle?

Ja. Epigenetische Veränderungen in alkoholbelasteten Familien können Stress- und Belohnungssysteme verstimmen und das Risiko erhöhen.


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Bild: Gaby Guzek vor leeren Weingläsern,

Gaby Guzek

Ehemalige Betroffene, Bestsellerautorin, Coach & Mitbegründerin von Alkohol adé

Hat es sich zum Ziel gesetzt, die Neurobiologie der Sucht bekannter zu machen und damit Betroffenen Schuld- und Schamgefühle zu nehmen.


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