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Rauchen und trinken zugleich aufgeben – guter Gedanke, schlechte Strategie

Frau wirkt nachdenklich und hält gleichzeitig ein Weinglas und eine Zigarette – Symbol für den inneren Konflikt beim gleichzeitigen Aufhören von Alkohol und Rauchen

Viele Menschen stellen sich die Frage: Sollte man Rauchen und Alkohol gleichzeitig aufhören – oder ist es besser, nacheinander vorzugehen?

Von Gaby Guzek

Der Gedanke ist verlockend und kommt fast jedem, der beschlossen hat, mit dem Trinken aufzuhören: Wenn ich schon dabei bin, hör ich auch gleich mit dem Rauchen auf. Einmal richtig aufräumen, alles auf null, neues Leben. Klingt konsequent. Klingt stark. Und ist trotzdem – in den meisten Fällen – keine gute Idee.

Zwei Süchte, ein Belohnungssystem: Rauchen und Alkohol sind eng verknüpft

Wer sowohl trinkt als auch raucht, hat zwei Suchtmittel im Einsatz, die biochemisch eng miteinander verzahnt sind. Rauchen steigert das Verlangen nach Alkohol – und Alkohol das Verlangen nach Zigaretten. Beide Substanzen aktivieren dieselben Belohnungssysteme im Gehirn, verstärken sich gegenseitig und erzeugen so einen klassischen Teufelskreis.

Dieser enge Zusammenhang ist übrigens weit verbreitet: Mehr als 70 Prozent der Alkoholkranken sind starke Raucher. Kein Randphänomen also.

Warum gleichzeitig aufhören so riskant ist

Der Hauptgrund, warum der Doppelstopp fast immer scheitert, liegt in der Rückfalllogik. Wer beide Süchte gleichzeitig bekämpft, hat auch zwei Rückfalltore. Passiert beim Rauchen etwas – ein schwacher Moment, ein Abend mit alten Bekannten, Stress – dann kommt oft der Gedanke: “Na ja, ich hab ja schon beim Rauchen versagt, dann kann ich auch wieder trinken.” Der eine Rückfall hängt sich an den anderen.

Das Trinken und Rauchen gleichzeitig aufzugeben ist unglaublich schwer und wird daher im Allgemeinen von Ärzten nicht empfohlen.  Und das aus gutem Grund: Alkohol verringert die Selbstkontrolle, das Verlangen zu rauchen steigt – und wer mit dem Trinken aufhört, aber weiterhin raucht, hat ein erhöhtes Risiko, wieder mit dem Trinken anzufangen. Die Verknüpfung der beiden Substanzen im Gehirn wirkt in beide Richtungen.

Erst das eine, dann das andere

Die deutlich klügere Strategie: Alkohol zuerst. Wer das einmal geschafft hat – wirklich geschafft, also nicht “ich halte es gerade so durch”, sondern “ich habe verstanden, wie das bei mir funktioniert” – der hat auch das Handwerkszeug für den nächsten Schritt.

In der Praxis reichen oft sechs bis acht Wochen nach dem Alkohol-Stopp, um dann auch die Zigaretten hinter sich zu lassen. Der Vorteil: Man bringt Erfahrung mit. Man weiß, wie Entzug sich anfühlt, wie man mit Cravings umgeht, was die eigenen Trigger sind. Das ist kein kleines Wissen – das ist Gold wert für den zweiten Kampf.

Eine kombinierte Entzugstherapie bei Mehrfachabhängigkeit minimiert zwar das Risiko einer Suchtverlagerung – wer jedoch auf professionelle Unterstützung verzichtet und alleine aufhören möchte, sollte lieber nacheinander vorgehen und dabei unbedingt einen stationären Entzug in Betracht ziehen.

Das Ziel bleibt dasselbe – der Weg ist klüger

Weder Alkohol noch Nikotin müssen für immer bleiben. Viele der negativen gesundheitlichen Auswirkungen beider Substanzen gehen nach dem Aufhören zurück – selbst im fortgeschrittenen Alter lohnt sich der Schritt. Aber: Wer sich übernimmt, landet nicht am Ziel, sondern auf dem Boden. Deshalb lautet die Empfehlung: erst Alkohol, dann Rauchen. Eines nach dem anderen. Konsequent, aber realistisch.

Fazit: Sollte man Rauchen und Alkohol gleichzeitig aufhören?

Meist nicht. Beide Gewohnheiten sind im Gehirn eng gekoppelt. Wer sie gleichzeitig beendet, erhöht das Rückfallrisiko. Erfolgreicher ist meist ein schrittweises Vorgehen.

Die Coaching-Programme von alkohol-ade.com bieten für den Ausstieg eine strukturierte Unterstützung an. Sie helfen dabei, die Mechanismen hinter der Sucht zu verstehen und Deinen Ausstieg sicher in ein dauerhaft befreites Leben zu überführen, ohne dass man das Gefühl hat, gegen sich selbst kämpfen zu müssen.

Video mit Gaby Guzek: Rauchen und trinken zugleich aufgeben?

Rauchen und trinken zugleich aufgeben? Guter Gedanke, schlechte Strategie

Wenn schon aufhören, dann gleich richtig. Dann höre ich auch gleich noch mit dem Rauchen auf. Nicht unbedingt eine gute Idee, muss ich sagen. Wir gucken uns das jetzt mal ein bisschen genauer an. Denn ja, es ist natürlich verständlich nach dem Motto, jetzt wird komplett aufgeräumt, jetzt machen wir alles richtig. Kein Alkohol mehr und gleich auch die Zigaretten ab in den Müll.

Hat aber nach meiner Erfahrung nicht so wahnsinnig viel Aussicht auf Erfolg. Warum? Weil eben beides eine Sucht ist und beide Süchte gleichzeitig zu besiegen, das ist echt schon eine ganz hohe Kunst, sagen wir es mal so. Andersherum ausgedrückt, und das ist eben der häufige Fall. Einen Rückfall gibt es in der Regel entweder beim Rauchen oder beim Alkohol. Und dann sagt man sich, ist ja eh egal, dann kann ich jetzt auch wieder trinken oder rauchen. Je nachdem, was man am längsten geschafft hat durchzuhalten.

Ich schlage meinen Klienten immer vor, ja, cooles Ziel und wenn du weißt, wie es beim Alkohol funktioniert hat, dann hängst du das mit dem Glimmstängel gleich dahinter. Meistens reichen sechs, acht Wochen, das ist okay. Aber wie gesagt, gleichzeitig alles zusammen. Genauso wenig wie gleichzeitig noch abnehmen vielleicht oder sonstige Dinge gleichzeitig weglassen, da kommen wir dann auch noch mal getrennt drauf.

Das ist aus meiner Sicht keine gute Sache und von daher wirklich erst mal darum kümmern, dass das mit dem Alkohol klappt. Das ist schon eine Aufgabe, die erst mal gelöst werden will. Und dann später kann gerne auch noch die Fluppe verschwinden.

Also viel Glück, wie immer und wir sehen uns.

Häufig gestellte Fragen zu “Angst vor dem Ausstieg aus dem Alkohol” (FAQ)

Sollte man Rauchen und Alkohol gleichzeitig aufhören?

In den meisten Fällen ist es besser, nicht beides gleichzeitig aufzugeben. Beide Gewohnheiten sind im Gehirn eng miteinander verknüpft. Wer beides parallel beendet, erhöht das Risiko für Rückfälle deutlich.

Warum hängen Rauchen und Alkohol so stark zusammen?

Nikotin und Alkohol aktivieren ähnliche Belohnungssysteme im Gehirn. Der Konsum der einen Substanz verstärkt häufig das Verlangen nach der anderen.

Was sollte man zuerst aufgeben – Alkohol oder Rauchen?

Experten empfehlen meist, zuerst den Alkohol zu beenden. Ist dieser Schritt stabil geschafft, fällt es deutlich leichter, anschließend auch mit dem Rauchen aufzuhören.

Wie lange sollte man zwischen beiden Schritten warten?

Viele schaffen es, nach etwa sechs bis acht Wochen Abstinenz vom Alkohol auch das Rauchen anzugehen. Entscheidend ist, dass der erste Schritt stabil ist.

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Bild: Gaby Guzek vor leeren Weingläsern,

Gaby Guzek

Ehemalige Betroffene, Bestsellerautorin, Coach & Mitbegründerin von Alkohol adé

Hat es sich zum Ziel gesetzt, die Neurobiologie der Sucht bekannter zu machen und damit Betroffenen Schuld- und Schamgefühle zu nehmen.

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