Ich habe seit Anfang 2024 die Diagnose distale symmetrische Polyneuropathie mit vorwiegend axonaler Schädigung, sprich die Amplitude ist verringert bei grenzwertiger Nervenleitgeschwindigkeit, die also noch fast ok ist.
Bewusst abhängig war ich nie, habe die Bücher von Gaby Guzek und ihrem Mann eigentlich für meinen Schwager gekauft, der schwer alkoholabhängig ist.
Ich selbst habe mit meinem Mann klassisch über mehr als 20 Jahre das berühmte Glas Rotwein am Abend getrunken. Im Schnitt so 1-2 Gläser Wein am Abend, beim Essen gehen kamen abends auch Schnäpse aufs Haus dazu und das wurden schon auch mal 3 und mehr Ouzo, Grappa, etc., und wir sind schon oft Essen gegangen. Klar gab es auch mal Tage ohne Alkohol, aber man kann sagen, wirklich täglich abends 1-2 Gläser Rotwein. Nach der Diagnose habe ich den Konsum deutlich reduziert, bin aber aktuell bei 1-2 Tagen und 1-2 Gläser Rotwein am Abend geblieben, weil selbst der Neurologe sagte, ganz moderat sei ok.
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Kann langjähriger moderater Alkoholkonsum tatsächlich eine Polyneuropathie verursachen – auch wenn keine klassische Alkoholabhängigkeit vorliegt?
Die alkoholbedingte Polyneuropathie entsteht meist nach vielen Jahren erhöhten Alkoholkonsums. Alkohol wirkt direkt nervenschädigend und kann zusätzlich über Vitaminmängel, insbesondere Vitamin B1, die Nervenzellen weiter belasten. In der Praxis ist die Einschätzung der tatsächlichen Trinkmenge allerdings oft schwierig. Viele Betroffene unterschätzen ihren Konsum oder erinnern sich im Rückblick ungenau. Deshalb lässt sich aus der Ferne selten sicher beurteilen, welche Rolle Alkohol im individuellen Fall spielt. Wenn bereits eine axonale Polyneuropathie diagnostiziert wurde, empfehlen viele Neurologen dennoch eine längere alkoholfreie Phase, um zu beobachten, ob sich Beschwerden stabilisieren oder zumindest nicht weiter fortschreiten.

