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Ich lebe schon fünf Jahre abstinent – gelegentlich gibt es jetzt alkoholfreien Sekt

Eine Frau Mitte 40 sitzt entspannt auf einem Balkon in warmem Abendlicht und hält ein Glas alkoholfreien Sekt in der Hand. Vor ihr stehen eine Flasche „0,0 % Sekt“, kleine Snacks und frische Blumen. Die Stimmung wirkt ruhig, zufrieden und selbstbestimmt.

Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene

Ich lebe jetzt schon ziemlich genau fünf Jahre alkoholfrei und vermisse nichts. Die ersten beiden Jahre habe ich sehr bewußt auf alkoholfreien Wein und Sekt verzichtet (Bier war nie mein Getränk). Da hatte ich das Gefühl, der Geschmack könnte mich triggern und gefährden und hatte Bedenken, in “alte Muster” zu verfallen.

Habe auch jede Flasche Wein, die geschenkt bekommen habe sofort weitergegeben und wollte das nicht im Haus haben. Mittlerweile trinke ich gern alkoholfreien Sekt – da gibt es ja inzwischen die 0,0 % Variante, aber auch entalkoholisierten Wein. Ich freue mich, dass das Angebot an guten Produkten zunimmt und auch Winzer immer mehr alkoholfreie Varianten anbieten.

Ich mag kein Cola und keine süßen Limonaden, bleibe da lieber bei Saftschorle oder Wasser und gerade zu einem guten Essen schmeckt mir dann ein Glas Wein. Wie früher- aber eben ohne Alkohol. …

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Alkoholfreiheit und Trigger: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek

Warum vermeiden manche Menschen in der Abstinenz jahrelang alkoholfreien Wein oder Sekt – und können ihn irgendwann doch genießen?

Dieser Erfahrungsbericht beschreibt einen Prozess, den viele Menschen nach einem Alkoholentzug durchlaufen: das schrittweise Neubewerten von Reizen, die früher als Trigger wirkten. In den ersten Monaten und Jahren der Abstinenz reagiert das Suchtgedächtnis besonders sensibel auf Geschmack, Geruch oder äußere Ähnlichkeiten mit dem früheren Trinkmuster – auch alkoholfreie Alternativen können diesen Mechanismus auslösen. Dass die Autorin alkoholfreien Sekt zunächst konsequent mied, ist keine Überreaktion, sondern eine sinnvolle Schutzstrategie. Mit zunehmender Stabilität in der Abstinenz verändert sich die Reizreaktivität des Gehirns: Was früher ein potenzieller Auslöser war, verliert an emotionaler Aufladung. Die wachsende Qualität alkoholfreier Produkte kann diesen Prozess unterstützen – vorausgesetzt, die innere Sicherheit ist gefestigt. Jeder Mensch findet dabei seinen eigenen Rhythmus.

Mehr dazu im Lexikon: Suchtgedächtnis und Trigger.

Häufig gestellte Fragen zu alkoholfreien Alternativen und Abstinenz (FAQ)


Kann alkoholfreier Wein oder Sekt einen Rückfall auslösen?

Das hängt vom individuellen Suchtgedächtnis ab. Für manche Menschen ist der Geschmack eng mit früheren Trinkmustern verknüpft und kann Verlangen auslösen. Wer sich unsicher fühlt, tut gut daran, solche Produkte in der frühen Abstinenz zu meiden.


Ab wann ist es sicher, alkoholfreie Getränke wie Sekt oder Wein zu trinken?

Einen festen Zeitpunkt gibt es nicht. Entscheidend ist die innere Stabilität, nicht eine bestimmte Anzahl von Monaten. Wer merkt, dass der Gedanke ans Trinken dabei auftaucht, sollte diese Grenze respektieren – unabhängig davon, wie lange die Abstinenz schon andauert.


Warum empfehlen manche Experten, alkoholfreie Biere und Weine komplett zu meiden?

Weil Geschmack und Geruch als klassische Trigger wirken können. Das Gehirn verknüpft Sinneseindrücke mit früheren Erfahrungen – auch wenn kein Alkohol enthalten ist. Diese Empfehlung ist ganz besonders in den ersten zwei Jahren der Abstinenz relevant.


Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
Die Texte auf der Seite ersetzen keine medizinische Beratung.

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