… Mittlerweile sitze ich jeden Abend alleine in der Garage und trinke. Meistens sind es 4 Bier, am Wochenende auch mehr. Und jeden Morgen schwöre ich mir, ich trinke heute Abend nichts mehr. Dann ist es Abend und ich kann es kaum erwarten meine Pflichten (Essenkochen, Wäsche, Haushalt) zu tun und mich wieder ich die Garage zu verziehen. Um alleine zu sein, um Ruhe zu haben… Mein Mann und meine Kinder sind besorgt um mich. Ich weiß, dass es …
Ein anonymer Erfahrungsbericht aus dem Alkohol adé-Forum. Zum geschützten Austausch für Betroffene
Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek: Warum scheitert der Vorsatz, abends keinen Alkohol mehr zu trinken, jeden Tag aufs Neue?
Der beschriebene Ablauf folgt einem bekannten Muster. Über den Tag baut sich ein Verlangen auf, das am Abend kaum noch zu überhören ist – Fachleute sprechen von Saufdruck. Der Rückzug in die Garage verbindet einen festen Ort mit Ruhe und Entlastung; der Alkohol übernimmt dabei die Rolle eines Beruhigungsmittels. Genau das beschreibt der Begriff Entspannungstrinken: trinken, um abzuschalten. Der morgendliche Vorsatz scheitert dabei nicht an mangelndem Willen, sondern daran, dass der gelernte Abendreiz stärker wirkt als die gute Absicht vom Morgen. Auch der Rückzug von Mann und Kindern gehört zum Bild – Alkohol schafft kurzfristig Ruhe und vergrößert langfristig die Distanz. Wer diesen Kreislauf durchbrechen will, braucht weniger Selbstvorwürfe als einen veränderten Abendablauf und Unterstützung von außen.
Häufig gestellte Fragen zu abendlichem Alkoholkonsum und Vorsätzen (FAQ)
Warum trinke ich jeden Abend, obwohl ich es morgens nicht will?
Über den Tag baut sich ein erlerntes Verlangen auf. Der Abend, der Rückzugsort und die Gewohnheit wirken als Auslöser, die stärker sind als der Vorsatz vom Morgen. Das ist kein Charakterfehler, sondern ein konditioniertes Muster, das sich gezielt verändern lässt.
Ist tägliches Biertrinken allein schon ein Zeichen für Alkoholismus?
Entscheidend ist nicht allein die Menge, sondern der Kontrollverlust: der wiederholte, nicht eingehaltene Vorsatz, der Rückzug und das Trinken zur Beruhigung. Diese Muster gelten als Warnzeichen einer Alkoholkonsumstörung und sind ein guter Anlass, sich Unterstützung zu holen.
Was hilft gegen den abendlichen Drang zu trinken?
Hilfreich ist, den Abendablauf bewusst umzubauen und den gewohnten Trinkort zu meiden. Der Saufdruck flaut meist nach 15 bis 20 Minuten ab. Austausch mit anderen Betroffenen und feste Alternativen für den Abend erleichtern den Einstieg in die Abstinenz.
Redaktionelle Texte werden geprüft von Dr. med. Bernd Guzek
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