Ich finde auch diese Annäherung an das ehemals bevorzugte Suchtmittel durch alkoholfreie Variationen schon wieder einen kleinen Teil rückfällig. Ich hab da in den letzten fast 17 Jahren Trockenheit zu viel Abgleiten in Gedankenlosigkeit und letztlich Rückfälle durch die Gewöhnung an alte Verhaltensweisen erlebt, wo anfangs alkoholfrei getrunken wurde (wirklich immer?) und später wieder gesoffen wurde.
Wahrscheinlich könnte ich (wirklich) alkoholfreien Gin, Wein oder Sekt konsumieren, aber da zieht mich nichts hin, weil das schon früher nicht meine Getränke waren.
Für mich ist das Ausweichen auf die alkoholfreie Variante ein “kleiner Rückfall” und immer ein Ritt auf der Rasierklinge.

Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Alkoholfreie Getränke bei Alkoholsucht: Fachliche Einordnung durch Dr. med. Bernd Guzek
Darf man als trockener Alkoholiker alkoholfreies Bier oder alkoholfreien Wein trinken – oder ist das ein Rückfall auf Raten?
Was dieser Forumsbeitrag beschreibt, ist aus suchtmedizinischer Sicht gut dokumentiert: Alkoholfreie Varianten von Bier, Wein oder Sekt können über das Suchtgedächtnis dieselben Verhaltensketten aktivieren, die früher zum Trinken geführt haben – Geruch, Geschmack, das Glas in der Hand. Das nennt man klassische Konditionierung: Der Körper reagiert auf vertraute Reize, noch bevor der Verstand eingreift. Wer 17 Jahre Abstinenz hat und beobachtet hat, wie dieses Muster bei anderen zu Rückfällen geführt hat, handelt konsequent, wenn er solche Reize bewusst meidet. Es gibt keine allgemeingültige Regel – manche Betroffene kommen damit zurecht, andere nicht. Entscheidend ist die ehrliche Selbstbeobachtung: Wenn sich der Konsum wie eine Annäherung anfühlt, ist diese Wahrnehmung ernst zu nehmen.
Häufig gestellte Fragen zu alkoholfreien Getränken und Abstinenz (FAQ)
Ist alkoholfreies Bier oder Wein für trockene Alkoholiker gefährlich?
Das hängt vom Einzelfall ab. Aus suchtmedizinischer Sicht können alkoholfreie Varianten über Geruch, Geschmack und vertraute Trinkrituale das Suchtgedächtnis aktivieren – und damit das Verlangen nach echtem Alkohol auslösen. Wer merkt, dass solche Getränke innere Unruhe oder Sehnsüchte verstärken, sollte sie meiden.
Warum fühlt sich alkoholfreies Trinken für manche wie ein kleiner Rückfall an?
Dieses Gefühl ist kein Einbildung. Alkoholsucht hinterlässt tiefe Spuren im Gehirn. Wenn vertraute Reize – das Glas, der Geschmack, der Kontext – wieder auftauchen, reagiert das Belohnungssystem, als ob echter Alkohol im Spiel wäre. Das Erleben als „Ritt auf der Rasierklinge” ist ein Warnsignal, das man ernst nehmen sollte.
Dürfen trockene Alkoholiker alkoholfreie Getränke trinken?
Es gibt kein generelles Verbot, aber auch keine Entwarnung. Entscheidend ist die persönliche Wirkung: Wer nach dem Konsum kein Craving verspürt und sich sicher fühlt, mag damit umgehen können. Wer aber merkt, dass alte Muster zurückkehren, ist gut beraten, alkoholfreie Substitutionsprodukte konsequent zu meiden.
