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Liebe Forengemeinde,
ich habe lange überlegt, ob und wie ich das hier schreibe. Denn es ist einerseits das Überwinden einer Scham und andererseits Zeugnis einer Machtlosigkeit die mir Angst macht. In meinem Vorstellungsthema habe ich ja schon einiges von mir erzählt und habe beide Bücher auch mit Freude gelesen und die Methode (mit all den Einnahmen) ausprobiert. Warum ich nach drei Wochen schon "rückfällig" wurde? Es ist kompliziert.
Ich schreibe das hier auch, da ich in meinem sehr besonderen, individuellen Fall Gräben zur Gehirnchemie ziehen kann, was mich wieder auf das Kernthema der Bücher bringt.
Ich hatte 2021 einen schweren Nervenzusammenbruch (stark alkoholisiert). Seither bin ich nachhaltig geschädigt und leide an mehreren Krankheiten: Depression, Angstzustände, Chronisches Erschöpfungssyndrom und im Moment läuft die Diagnose auf Bipolar, das hat auch meine Mutter (schwere Alkoholikerin). Seither, - insbesondere sehr stark alkholisiert - mehrere schwere Zusammenbrüche, völliger Ausnahmezustand, Kollaps bis Einlieferung Krankenhaus.
Ich war 6 Monate komplett nüchtern, hat leider gar nichts gebracht, es ist auch dennoch wieder passiert (schwerer Nervenzusammenbruch), wenn auch nicht so schlimm.
Bin in psychologischer Therapie, habe psychiatrische Behandlung und gehe zum Neurofeedback. Bringt mir alles fast nichts.
So richtig eskaliert (auch, oder vor allem das Trinken!) ist es erst mit Antidepressiva. Irgendwie hat das meine Gehirnchemie gekapert und ganz böse eine Art Sucht nach Action, Glück, Höhenflug und Erlebnis ausgelöst. Ich habe noch nie so exzessiv getrunken wie unter Einfluss davon. Dann auch einige andere Frauen gehabt (ich war nahezu süchtig nach Dates), nun steht eine Scheidung an (bin ja verheiratet) und ich habe mir weit mehr Probleme eingebrockt als ich schon hatte. Das ist der Preis.
Ich habe die Antidepressiva dann selbst abgesetzt und mein Wunsch zu trinken ging schon stark zurück. Da reichen mir dann am Abend ein paar Bier, ohne mich irgendwie zu besaufen. Habe dann ein anderes Antidepressiva verschrieben bekommen und zack... es ging wieder los. Ich raste nur noch mit dem Auto, wollte mich prügeln oder verprügelt werden, Sex ohne Ende und immer unter Alkohol. Mein Gehirn lief Amok auf der Sucht nach Action. Habe ich wieder abgesetzt, seitdem relativ normal, aber eben meine sehr starken Ups and Downs am laufenden Band. Das geht von "Ich erobere die Welt und hab alles im Griff" zu "Es ist das Ende, nichts geht mehr, ich will aus dem Leben scheiden". Letztens habe ich einfach mal paar Wochen nichts getrunken, da habe ich dann auch gar keinen Saufdruck oder sonstwas, ich komm gut klar.. aber nur bis zu dem Moment absoluter Tiefe. Dann gibt es nur noch eine Rettung: Bier. Und das wirkt leider sehr zuverlässig.
Da hat mich hier aus dem Forum ein Beitrag ganz besonders gestützt:
https://www.alkohol-ade.com/community/postid/18034/
Es soll bestimmt keine Rechtfertigung für einen Rückfall sein, aber in meiner besonderen Lage ist da einfach was dran und ich kämpfe mit logischen und moralischen Fragen an mich selbst zu dem Thema.
Ja, der Alkohol macht es nur schlechter, sei es meine Gehirnintegrität (ich merke, dass es immer mehr "Schrott" geht und mein Wesen stark negativ beeinflusst von Zeit zu Zeit), Figur oder Lebensgefühl. Aber was genau soll ich machen? Ich hatte die letzten 7 Tage drei Tage stärkster Depression die bis zu eindeutigen Suizidüberlegungen führten. Soll ich das einfach ertragen und weiter leiden? Ich bin auch immer sooo müde und kann nichts außer im Bett liegen an diesen Tagen.
Bier übernimmt hier leider sehr zuverlässig mehrere gute Posten. Es macht mich wach, killt die Depression halbwegs, macht Abende sehr gut erträglich, und bringt mich nach 2-3 Liter gut in den Schlaf. Es ist ein Teufelskreis und ich habe den Alkohol als Endgegner akzeptiert. Ich denke mir halt, bevor ich mir was antue, trinke ich halt eins oder sechs. Letzten Endes geht es nur darum, den Kopf über Wasser zu halten und sich nicht runterziehen zu lassen. Bier ist ein schlechter Helfer, aber er hilft. Wie lang, das ist die Frage. Ich bin jetzt bald in Reha und werde ausgesteuert, evtl. Frührente.. toll mit knapp über 40 nur eine Last für alle zu sein. Aber ich habs langsam akzeptiert.
Der Beitrag soll Alkohol in keinster Weise gut heißen, nur mit Blick auf Inhalt der Bücher, vieler Forenthemen und meiner eigenen Überzeugungen dachte ich, ich lass euch mal daran Teil haben, vielleicht bringt es jemand was. Er bleibt mein bester Freund und letzter Gegner. Was für eine bedauerliche Situation, aber es ist wie es ist und wie es morgen wird, das sehe ich dann.
Grüße Django
Lieber Django,
Deine Situation und Leidensgeschichte ist wirklich sehr heftig und komplex. Und für Laien, m.E. überhaupt nicht einzuschätzen. Ich bin kein Experte, kein Therapeut oder Arzt aber ich würde aus meinem Bauchgegühl heraus empfehlen, für einen längeren Zeitraum in eine gute Klinik zu gehen, in der Du therapeutisch und medizinisch begleitet wirst.
Suizidgedanken und die ganzen Extreme, in die Du durch AD immer wieder katapultiert wirst sind m.E. Alarmstufe rot.
Ich wünsche Dir viel Glück.
Liebe Grüße, Natarie
@django431 Oh Mann, das hört sich heftig an. Ist es richtig zusammengefasst, dass Du den Alk derzeit als eine Art Flicken benutzt, um den anderen Dingen zu entkommen?
Wer verschreibt Dir denn die Antidepressiva, ein Facharzt mit entsprechender Diagnostik oder schiebt es der Hausarzt mal so rüber, damit Du die Sprechstunde nicht weiter aufhältst? Anders gefragt: Bist Du gut betreut?
Denn ich würde da mit @natarie gehen, dass eine gute Betreuung für Dich sehr wichtig sein dürfte.
Alles Gute!
@django431 Lieber Django, Deine momentane Situation und den damit verbundenem seelischen und körperlichen Schmerz machen mich betroffen. Du bist in ärztlicher Behandlung und eine REHA ist geplant, das ist gut so.
Das Du Dir Suizidüberlegungen gemacht hast ist beunruhigend, doch könnte es sein, dass sie vielmehr den Wunsch verbergen, dass Du dieses Leben so wie es aktuell ist, nicht mehr haben willst, weil alles nur schwer, perspektivenlos und so sinnlos scheint?
Alkohol ist öfters die Antwort, das Wunderpflaster auf psychische Belastungen und dessen Schmerz aber auf kurzfristige Besserung folgt meistens ein Zusammenbruch, das kenne ich aus eigener Erfahrung. In den letzten 4 Jahren meiner Sucht kam es mir vor, als hätte ich den inneren Kompass für ein lebenswertes Dasein völlig verloren, total hilflos, ausgeliefert, hoffnungslos auf irgend eine Errettung wartend, welche nicht kommt.
So wie Du schreibst, hast Du mehrere Diagnosen, vom Erschöpfungssyndrom, Depression bis zur Vermutung einer bipolaren Störung. Ich hoffe sehr, dass Dir die REHA hilft aus diesem unschönen Kreislauf herauszufinden. Von einer emotionalen Instabilität in ein psychisches Gleichgewicht zu kommen braucht Zeit, Geduld und Ruhe. Antidepressiva können eine Krücke sein doch gepaart mit Alkohol eher eine explosive Mischung und kontraproduktiv. Ich wünsche Dir wertvolle Therapeuten, die Dich auf Deinem Weg unterstützen werden und hoffe dass Du es schaffst, Deinen Gegner Alkohol zu besiegen. Ganz viel Kraft wünscht Dir 🌻🐌🪻Mina
Danke für Deinen Beitrag, ich bin dran. Es sieht aber nicht gut aus. So oder so wird es wohl immer ein Wechsel aus Stoffen um mich irgendwie auf Linie zu halten.
Danke nochmal
@harley Hi Harley,
jepp, das hast Du gut zusammengefasst. Ich benutze Alk als Werkzeug, was ich selbst sehr bedenklich finde und ein ganz gefährlicher Weg ist. Zumeist aber harmloser als das Tief einer Depression.
Ja, ich bin bei einem Facharzt und sehr gut betreut. Der war hier in einer größeren Klinik Chefarzt und soll auf dem Gebiet sehr gut sein.
@mina Oh Mist, ich hab aus versehen meine Antwort gelöscht, dann nochmal 🙂
Vielen Dank für die Eindrücke aus Deiner Situation, da kann ich schon ein wenig Vergleiche ziehen, auch wenn es andere Gründe und Auswüchse sind, aber kleinere Paralellen sind wohl da.
Klar, die Überlegungen sind manchmal "nur" Gedanken um das Dasein wie es ist zu beenden. Mal mehr, mal weniger stark. Letzten Endes ein Wunsch nach einem Ende, egal wie es aussieht.
Danke für Deine Worte. Ich bin wohl mein größter Gegner und betrüge ihn mit einem anderen. Der Feind meines Feindes ist mein Freund? Naja mal schauen. Geweint wird, wenn der Kopf ab ist.
Ich habe früher in Jahrzehnten vorausgedacht bzw. geplant. Heute bin ich froh, wenn ich mir bis Ende des Jahres eine Existenz ausmalen kann. Auch schlimm zu lesen wie betroffen ihr seid. Das rührt mich natürlich sehr. Auf der anderen Seite habe ich soweit mit einer Zukunft abgeschlossen, dass Gedanken an ein früheres Ende normal geworden sind und mich gar nicht mehr großartig beunruhigen. Blöd gelaufen. Manche wollen leben und dürfen nicht, andere dürfen und wollen nicht. Das betrübt mich schon eher.
@django431 Es ist wohl so, dass Du derzeitig Dein grösster Feind bist. Versunken in einer Depression, sind Licht und Hoffnung für Dich kaum sichtbar, das kann ich als ehemalige Betroffene nachvollziehen. In einem schwer depressiven Gemütszustand fühlt man sich mit nichts mehr verbunden, einsam und unverstanden. Ein großer, nicht auszuhaltender Schmerz. Du gehst in die REHA in Erwartung auf etwas Besserung, damit Deine Last etwas weniger wird. Manchmal genügt ein Wort ein Satz, ein einfühlsamer Therapeut welcher ein Kieselsteinchen auf Deinen Weg legt. Klar, ein Kieselstein ist nicht’s Großes, aber er kann zum ersten Schritt in ein besseres Leben beitragen. Verlier nicht den Mut, es gibt Hoffnung, auch wenn Du sie jetzt noch nicht siehst. Wünsche Dir viel Kraft 🐌🙋♀️🌻Mina




