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Hallo zusammen,
ich lese nun schon seit etwa fünf Wochen still mit und möchte jetzt auch den Mut fassen, mich kurz vorzustellen – auch wenn es mir ehrlich gesagt nicht ganz leichtfällt.
Kurz gesagt: An Karneval wurde mir wegen Trunkenheit am Steuer der Führerschein entzogen. Ich bin Französin und habe Wein immer gerne gemocht. Dass mein Alkoholkonsum in letzter Zeit zu viel war, war mir durchaus bewusst – und ich hatte schon länger den Wunsch, aufzuhören. Unter der Woche ging das meistens ganz gut, aber am Freitag- und Samstagabend war es wie ein festes Ritual, eine Flasche Wein zu trinken. Es war mein Weg, mit dem Schmerz und der Situation mit meiner Tochter umzugehen.
Nach einem heftigen Streit im September ist sie – sie ist 17 – zu der Familie ihres Freundes gezogen. Und meine jüngere Tochter ist seit dem Sommer für ein Austauschjahr in den USA. Plötzlich war ich ganz allein zu Hause – und zwei Abschiede innerhalb kurzer Zeit haben mich tief getroffen.
Oft wurde mir vorgeworfen, ich sei zu emotional oder zu impulsiv – vielleicht liegt das an meinem französischen Temperament 😉. Das hat auch in meiner Ehe für Spannungen gesorgt. Ich habe mich sehr einsam gefühlt – und irgendwann war der Wein mein einziger Vertrauter. Wir haben es mit Familientherapie versucht, aber leider hat das nicht funktioniert. Meine Tochter hatte das Gefühl, die Psychologin würde zu sehr auf meiner Seite stehen.
Die Trunkenheitsfahrt war ein Schock für mich – ich habe mich dafür unglaublich geschämt. Aber dieser Moment hat auch etwas ausgelöst: Ich habe beschlossen, mit dem Alkohol aufzuhören. Die ersten drei Wochen waren sehr schwer – ich war müde, traurig, manchmal sogar depressiv. Ich habe viel gelesen, bin dabei auf Gaby und ihr Buch gestoßen – und ich bin so dankbar, dass ich dieses Buch und dieses Forum gefunden habe. Es ist eine große Unterstützung für mich. Seit drei Wochen nehme ich auch die NEMs (ich weiss zwar nicht mal, was das heißt – aber ich spüre, dass sie mir guttun 😊).
Ich bin jetzt seit sechs Wochen trocken. Gerade bin ich dabei, mein Leben „auszumisten“ – innerlich und äußerlich. Das tut gut, macht mich aber auch oft traurig. Die NEMs helfen mir, einigermaßen in Balance zu bleiben. Nach der ersten euphorischen Phase erlebe ich im Moment die sogenannte „Mauerphase“, wie sie auch im Buch Chianti zum Frühstück beschrieben wird. Meistens kommt dieses Tief am späten Nachmittag – und ich weiß gerade nicht so recht, wie ich da wieder rausfinde.
Vielleicht hat jemand von euch einen Tipp für mich? Das wäre wirklich schön.
Ganz liebe Grüße
Rosy
Help ! meine 17-jährige Tochter kommt heute mit ihrem Freund zum Geburtstag meines Mannes und ich bin innerlich ziemlich nervös. Am liebsten würde ich mich zurückziehen, aber ich weiß, dass das nicht die richtige Lösung ist. Ich bin mir unsicher, wie ich mich verhalten soll. Sie lebt seit September letzten Jahres bei der Familie ihres Freundes und ich sehe sie seitdem nur noch sporadisch. Das letzte Mal, dass ich sie gesehen habe, war vor 4 Wochen, als sie krank war und mich um eine Hühnersuppe gebeten hat – danach war sie wieder weg. Ich fühle mich irgendwie unsicher und weiß nicht genau, wie ich diese Situation einordnen soll. Hat jemand Tipps oder Erfahrungen, wie man mit so einer Situation umgehen kann?
Ich wäre sehr dankbar-Rosy 🌸
wie man mit so einer Situation umgehen kann?
Ehrlich. Einfach ganz ehrlich. Formuliere ihr gegenüber doch Deine Unsicherheit. Sag ihr genau das. Ihr habt doch noch einen Draht. Grund: Ich denke, wenn eine Tochter die Mama noch immer um Hühnersuppe bittet, wenn sie krank ist, dann ist da noch sehr viel ... das meine ich durchaus sehr ernst.
Zeig Deine Verletzlichkeit. Sag ihr doch auch, Du lebst jetzt abstinent und alles in Dir fährt im Moment Achterbahn.
So würde ich es machen.
Liebe Grüße
Gaby
Vielen vielen lieben Dank für deine Antwort !!! Ja, wahrscheinlich ist Ehrlichkeit wirklich das Beste. Ich bin so nervös, als hätte ich einen Liter Kaffee getrunken 🙈 – aber vielleicht ist genau das der Moment, in dem ich einfach echt sein sollte. Danke dir für deine Worte! 💛
Liebe Grüße-Rosy 🌸
@mina hallo Mina ich lese hier gerade mit. Danke für diesen Beitrag .Ich setz mich so ähnlich wie Rosy unter Druck
@tine66 War bei mir am Anfang der Abstinenz nicht anders. Ich glaube ich war wir ziemlich unsicher, ob ich es schaffen werde abstinent zu bleiben und da war auch viel Angst dabei, zu scheitern. Ich habe keinen Alkohol im Haus und am Anfang vermied ich einkaufen zu gehen wenn ich mich etwas unstabil fühlte. Fokus auf die Nüchternheit dann wirst Du im Schritttempo vorwärts kommen. Viele Tips findest Du auch in Gaby’s Buch oder auf dem Forum. L. G. Mina🌙✨
Liebe Tine,
Danke für deine Nachfrage – der Geburtstag war insgesamt gut, aber recht kurz.
Ich habe die Zeit mit meiner Tochter sehr genossen. Wir haben über alltägliche Dinge gesprochen – ich wollte das Thema Abstinenz vor ihrem Freund bewusst nicht ansprechen. Nach etwa anderthalb Stunden meinte er, dass sie losmüssen, weil er noch zur Bank wollte... Zum Schluss hat sie mich umarmt – das war ein kleiner, aber bedeutungsvoller Fortschritt, denn es war die erste Umarmung seit Monaten.
Als sie gegangen war, habe ich lange geweint und dann zwei Stunden geschlafen. Die letzten Tage waren emotional ziemlich schwer für mich. Ich versuche mich so gut es geht abzulenken, aber jetzt an Ostern ist diese Traurigkeit besonders spürbar.
Meine Tochter ist über die Feiertage bei der Großmutter ihres Freundes und hat nicht mal vor, ihre Eltern zu besuchen. Ich empfinde das – ganz ehrlich – als ziemlich egoistisch. Aber ich weiß auch, dass ich es akzeptieren muss, so schwer es mir fällt.
Heute bin ich an Tag 50. In den letzten Tagen kamen durchaus Gedanken an Wein auf – nicht wegen Suchtdruck, sondern eher aus einer Traurigkeit heraus. Dieses Rauchgefühl, das früher kam, wenn ich das Glas gehoben habe, fehlt mir manchmal. Aber ich weiß ganz genau: Es würde nichts lösen. Im Gegenteil.
Ich halte durch – mit wackeligen Knien, aber mit klarem Blick.
Ganz liebe Grüße-Rosy 🌸
@rosy Liebe Rosy, schön zu hören, dass Du ein schönes Fest hattest und trotz Deiner vielen, komplexen Emotionen keinen Alkohol getrunken hast. In traurigen Momenten muss auch ich sehr achtsam sein. Gefühle zuzulassen und sie auszuhalten ist ein heftiger Lernprozess wenn man hyperemotional ist. Aber das hat man sich ja nicht ausgesucht. Toll, dass Du schon 50 Tage geschafft hast, sei stolz auf diese Etappe und mach weiter so! 🪻🪺🎋Mina





