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Ihr Lieben.
Ich habe ein Alkoholproblem. JA ich kann das jetzt sagen - ohne Scham und Angst. Ich habe vor 10 Tagen aufgehört Alkohol zu trinken und vor 3 Tagen hier diese tolle Community gefunden. Ich habe das Buch an einem Nachmittag verschlungen, und einiges an guten Tipps mitgenommen. Hier ein Bisschen zu mir:
Ich bin Alice, 58 Jahre alt und lebe in Wien. Beruflich falle ich voll in das Cliche, das im Buch erwähnt wird. Erfogreiche Technikerin, sehr gut verdienend. Ich lebe alleine, eigentlich schon fast mein Leben lang und nicht unfreiwillig. Ich habe genug Freunde, ich muss also nicht alleine sein, wenn ich nicht möchte. Daduch hatte ich das Thema der Alhoholbeschaffung, oder Rechtfertigung nie. Ein gscheiter Prosecco und Bouteillenwein ist immer da. Hartes trinke ich nie. Ich bin von Kindheit an mit dem Trinken vertraut. Aber eher auf 'gehobenen' Niveau, wenn man das so sagen kann. In meinem Umfeld wurde Champagner getrunken und edler Wein. Und diese typische Verniedlichung des 'Glaserls' oder 'Flascherls' war gang und gebe. Ich wohne in der bekanntesten Weingegend Wiens, Heurige sind also mein zweites Zuhause. Durch Corona wurde es aber immer mehr. Ich bin 2 Jahre im Home Office (mit sehr sehr viel Arbeit) alleine zu HAuse gesessen und habe plötzlich mit Prosecco so um 16 Uhr angefangen. Dann eben zum Essen einen Wein, das wurde dann am Wochenende oft ein zweites 'Flascherl'. Dann war ich natürlich den Samstag ko und der Tag war verloren. Und am Sonntag bin ich dann meistens auch noch angeschlagen , bzw sauer und frustriert. Und dann war eh schon wieder Montag. Das 'positive' am Wochenende waren also ein paar Stunden 'schöntrinken' am Freitag.Und dann war Corona vorbei , das Verhalten blieb gleich. Es verlagerte sich nur in Restaurants und sonstige Lokale.
Ich habe schon sehr lange darüber nachgedacht aufzuhören. Aber ich hatte immer wieder das dumme Argument ' wie soll das den gehen ohne Alkohol. Essen gehen, Heurger, Parties, Urlaub'. Gerade in Wien entkommt man dem Alkohol kaum, es wird ja als Kultur vermarktet. Mittlerweile kommt mir dieses Argument unglaublich deppert vor. Schmeckt das Essen nur wenn man sich mit Wein dazu einnebelt?, Ist der Strand nur schön mit Vino? Die Geburtstagsfeier ein Erfolg wegen des Alkohols? Eigentlich habe ich mich jetzt 3 Jahre in einem Nebel befunden. Essen gehen ( und dabei viel Wein trinken) war Hauptzeitvertreib. Freitag Nachmittag , juhuuu, jetzt kann ich anfangen zu trinken, also ab auf die Terasse und mit Aperol belohnen. Das wurden 3, 4, dann wieder Wein zum Essen usw usw... Da sich das ganze meist in gehobenen Restaurants, oder bei Freundinnen in deren Villen abspielte, fühlte es sich natürlich nie nach 'saufen' an. Man ist halt ein Genussmensch. Ein depperter halt 😉 Auslöser waren Blutwerte. Leberwert 141 und hohe Entzündungswerte und sehr hohes Ferritin. Ich machte mich schlau was das bedeutet, und auf einmal wurde mir klar: Ich vergifte mich. Das ist kein Genussmittel, das ist pures Gift, und meine Leber ist schon entzündet. Das ist alles noch reversibel, aber wenn ich so weiter mache werde ich nicht viel von meiner Pension ( in 2 Jahren), auf die ich mich schon so freue, haben. Ich bin ja nicht mal mehr fähig 5 Stiegen raufzugehen, ich habe fürchterliche Muskel und Knochenschmerzen. Immer. Ich habe schon leichte Neuropathie. Ich habe 30 Kilo zugenommen. Ich bin kein Genussmensch, ich bin ein Selbstmörder in Raten. Das sass. Und ich trank seitdem nichts mehr. Und dann entdeckte ich das wunderbare Buch von Gaby. Ich bin ein sehr analytischer Mensch ( mein Beruf ist IT Analytikerin ) und das kam mir alles sehr entgegen. Ich verstand die Logik, konnte alles nachvollziehen. Ich besorgte mir also seither alle Nems und heute ist der erste Tag an dem ich alles einnehme. Keinerlei Probleme bisher. Ich habe meine Weinhexe ' Vinocrezia' genannt . Frei nach Lucrezia Borgia, die Gift Mörderin. Ich wohne also nicht mehr alleine. Ich habe jetzt jemand den ich so richtig niedermachen kann. Was für eine wunderbare Idee aus dem Buch. Mir geht es gut. Bisher hatte ich noch kein einziges mal Lust auf Wein. Null. Ich freue mich auf die gesunde, wache, schöne Alice.
Morgen ist Freitag. Normalerweise würde ich eben nach der Firma heimfahren und zu trinken beginnen. Da ich keine Lust ( und Energie) hatte zu kochen, würde ich mir irgendwas liefern lassen. Oder essen gehen. Die Lebensmittel ( und vor allem Wein) würde ich mir auch liefern lassen. Alles no Problem.
Aber morgen werde ich das erste mal seit langem selber in den Supermarkt gehen , und mir lauter leckere Sachen kaufen, Speisen und Getränke ( ich liebe Cranberry juice mit Limettensaft) und Schoki. Und ich werde spazieren gehen. Am Samstag treffe ich mich mit Freunden die alle kaum etwas trinken. Da wird sicher auffallen wenn ich Apfelsaft trinke, aber wenn ich sage ich hab keine Lust auf Alkohol wird das niemanden kratzen. Ich bin draufgekommen, dass ich sehr viele Freunde habe die kaum bis gar nichts trinken. An die werde ich mich erst einmal halten. Meine trink-Freundinnen wissen bescheid. Und ich glaube bei mancher Nachdenklichkeit über ihre eigene Situation herausgehört zu haben. Ich freue mich auf die Reise und bin sicher ich schaffe das, auch wenn es verdammt hart wird. Ich sende auch allen liebe Grüße und gute Vibes aus Wien. Alice
@aliceo toll, dass Du da bist. Du machst es richtig, alles langsam. Schreibe gerne mehr von Dir und behalte die Nems im Auge, sie sind eine Wohltat, wirklich.
LG
Sandra
@aliceo Herzlich willkommen, so schwer ist das alles gar nicht. Ich bin in deinem Alter, und habe vor gut 2 Jahren die Trinkerei nach 40 Jahren täglichem Konsum, mit Hilfe des Konzeptes endgültig eingestellt, ohne jeglichen Suchtdruck oder Ähnliches. So kann es auch gehen. Ich liebe mein neues Leben sehr, das Thema Alkohol ist Geschichte. Viel Erfolg für dich.
Herzlichen Willkommen und danke für deine tolle Vorstellung.
Ich bin kein Genussmensch, ich bin ein Selbstmörder in Raten
Dieser Satz von dir hat mir besonders gut gefallen, als Erkenntnis.
Motivation zum Lesen gibt es hier im Forum genug. Aktuell besonders die Frage der Woche nach den "verlorenen Zipperlein" dürfte dich auch interessieren.
Bis vor über 15 Monaten konnte ich mir auch nicht vorstellen, was ich denn so trinken soll. Zum Essen, zum Chillen, zum Fernsehen, zum Wochenende-einläuten usw.
Die bewusste Umstellung, der bewusste Verzicht hat die Frage für mich nach kurzer Zeit sinnfrei gemacht.
Abgesehen von vielen, vielen "Zipperlein" wie @Gaby unsere körperlichen und geistigen Probleme genannt hat, die nach und nach verschwinden wirst du dich hoffentlich auch über das Purzeln der Pfunde freuen können.
Die bis dato aufgenommenen Kalorien habe ich statt in flüssiger in fester Form zu mir genommen. Also gut gegessen und jede Menge Gummibärchen, vor allem abends. Das geht noch bis heute so. Trotzdem habe ich fast 15 Kilo in den ersten 8 Monaten abgenommen. Seit Nov. letzten Jahres halte ich mein "Traumgewicht" und bin von Gr. 42 in Gr. 36/38 zurückgestuft.
Anmerkung: ich habe zeitgleich mit dem Alkoholstopp meinen Bewegungsdrang (erst bewusst, dann immer mehr automatisch) gesteigert.
Kein schlechtes Gewissen, egal was ich zu mir nehme. Weil nicht nur die leeren Kalorien des Alkohols nicht mehr in meinen Körper müssen, sondern weil dieser auch endlich nachts mit Fettverbrennung beschäftigt ist, statt mit Giftabbau.
Ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg und freue mich auf deinen weiteren Weg.
LG
Marina.
@pinot_16 Ja, mit diesen Zusammenhängen habe ich mich schon lange beschäftigt. In der Theorie bin ich eine Fachfrau 😉 In der Praxis ist dir das nach 1 Flasche Wein alles wurscht.
Ich habe die ganzen körperlichen Probleme ( Zipperlein kann man das nicht mehr nennen, wenn man kaum mehr hatschen kann), auf die Wechseljahre oder die schlechte Einstellung der Schilddrüsenhormone ( habe keine Schildi mehr) geschoben. Alles nur nicht auf meinen Alkoholkonsum. Als ich dann die Symptome von Skorbut gelesen habe, ist mir die Kinnlade runtergefallen. Sogar die Zahnfleischwucherung habe ich. Gott sei dank mag ich sauer, ich liebe das Vitamin C Pulver. Ist mein neues Lieblingsgetränk 😉
Ich habe 3 Sportgeräte in der Wohnung ( Trampolin, Rudermaschine, Crosstrainer), die sollten jetzt dann wieder ordentlich benutzt werden, wenn ich hoffentlich weniger schmerzen habe.
@soberrebel Das freut mich sehr, du klingst sehr entspannt.
Ich habe vor 8 Jahren von einem Tag auf den anderen mit dem Rauchen aufgehört ( als das Verbot in den Lokalen anfing). Es war völlig easy. Ich hoffe sehr dass ich das in diesem Fall auch so hinkriege. Danke für deine guten Wünsche.
@aliceo herzlich willkommen hier, Wienerin - ich bin Steirerin, seit fast 3 Jahren "ohne", nach jahrzehntelangem, manchmal extremen Konsum, oftmalige Buschenschank-Besucherin in der Vergangenheit (drastisch reduziert, obwohl es genug gesunde Säfte gibt ... aber die TrinkerInnen rundum und den Geruch brauch ich nicht) - das Konzept hat mir geholfen, ich hab eine ordentliche Kurve hingelegt und mir gehts gesundheitlich und vor allem nervlich und psychisch WESENTLICH besser jetzt, noch immer zunehmend - trotz ziemlich viel privatem Stress (Mann ist Alkoholiker und will nicht aufhören)
Herzlich willkommen liebe Wienerin - ich bin Niederösterreicherin (allerdings habe ich bis zu meinem 27. Lebensjahr in Wien gelebt) und bin bald 61.
ich habe fürchterliche Muskel und Knochenschmerzen. Immer. Ich habe schon leichte Neuropathie.
Auch mich quälen Schmerzen, von Kopf bis Fuß und leichte Neuropathie. Habe einen hohen Ferritinwert und explodierten Rheumawert, jedoch Entzündungswert normal. Ich bekam MTX verschrieben, das nehme ich ganz sicher nicht ein.
ich nehme seit 4 Monaten die NEMs und hoffe, zu einem wenigstens halbwegs schmerzfreien Leben zu kommen. An manchen Tagen geht es mir ganz gut, an manchen setzen mich die Schmerzen total außer Gefecht.
ich wünsche dir alles Gute für deinen Weg und sende herzliche Grüße 🌼
Sophie
Herzlich willkommen, liebe Wienerin!
Deine Vorstellung hat mir sehr gut gefallen. Tipps und Ratschläge findest du hier viele, die größte Unterstützung bietet sicher Gabys Buch. Einen Tipp möchte ich gern noch beisteuern: Du schreibst, dass du zu wenig Lust zum Kochen hast. Oder Energie?
Seit meinem Ausstieg vor 3 1/2 Jahren (nach 40 Jahren Alkoholsucht) habe ich Kochen für mich als Hobby entdeckt. (Früher musste alles schnell gehen, einfach sein, war eher eine Pflicht als eine Freude) Ich probiere fast täglich neue Rezepte aus und lade mindestens zweimal monatlich Freunde zu einem jahreszeitlichem Menü ein. Natürlich ohne Alkohol. Alkoholsucht verschlingt unheimlich viel Zeit, (besorgen, saufen, besoffen sein, entsorgen), diese gewonnene Zeit will anders genützt sein. Vielleicht wäre das auch etwas für dich?
Auf jeden Fall wünsche ich dir viel Erfolg, du packst das, ich drücke die Daumen.
Liebe Grüße
Isabel





