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Alkoholsucht ist wie ein streunender Hund, den man gefüttert hat. Er zerstört einem das Haus, schleppt Krankheiten ein, macht das Leben zur Hölle und Freunde wenden sich aus Angst oder Ekel von einem ab, da sie mit dem Hund nicht klar kommen. Doch solange er da ist, kann man mit ihm kuscheln und für kurze Zeit seine Probleme vergessen. Morgens, nach dem Aufstehen, wenn man die angefressenen Möbel, den Dreck und das Chaos sieht, sagt man sich, den lasse ich nie wieder rein. Doch spätestens Nachmittags, wenn er wieder an der Tür kratzt und jault, gibt man wieder nach. Man weiß, dass man es nicht sollte, aber dennoch lässt man ihn rein und gibt ihm was zu futtern. Und wenn die Freunde sagen, dass einem der Hund nicht gut tut und man ihm los werden soll, nimmt man ihn in Schutz. Er hat doch sonst niemand und es tut mir doch gut wenn er da ist - redet man sich ein.
Eines Tages hat man sich so an ihn gewöhnt, dass man gar nicht mehr merkt, wie sehr er einem das ganze Leben zerstört.
Hallo liebes Forum und liebe Leidensgenossen und -Genossinnen. Oder sollte ich sagen Erleuchtete!?! So viele Menschen konsumieren jeden Tag etwas, dass sie schwächt, behindert oder im schlimmsten Fall sogar zerstört ohne es zu wissen. Ihr habt das erkannt. Zumindest gehe ich davon aus, dass sich hier niemand anmeldet weil er ja kein Problem hat. 😉
Mein Leben vor ca. 3 Monaten:
Ich bin 44 und habe stark 2/3 meines Lebens getrunken, um nicht zu sagen gesoffen. Sicherlich gab es auch mal kleine Pausen, man muss sich ja zwischendurch mal beweisen, dass man kein Problem hat. In den letzten 10 bis 15 Jahren wurden die Pausen allerdings immer spärlicher. Ich trinke zwar nicht mehr so massiv wie in meiner Jugend, aber das liegt hauptsächlich daran, dass man es doch nicht mehr so gut verträgt. Wo früher ein Vollsuff am nächsten Tag nur minimal Spuren hinterließ, braucht man heute 2 - 3 Tage um den Kater zu verarbeiten. Ich habe mich sozusagen vom Koma-trinker erfolgreich zu Pegel-trinker entwickelt. Was für ein Fortschritt. Natürlich habe ich gemerkt, dass ich was ändern sollte. Der Eine oder Andere kennt das evtl. Man sagt sich morgens "heute trinke ich nichts"! Abends stellt man dann fest "ups, schon wieder 3 Dosen Whisky-Cola getrunken". Naja, dann halt morgen. Aber morgen wirklich!
So ging das ne ganz Zeit lang. Während der Arbeit nie getrunken. Vielleicht abgesehen von einem Sekt, wenn jemand Geburtstag hat. Die eigentliche Sucht kam nach Feierabend. Meisst 3 -4 Dosen Whisky-Cola und ebenso viele Schnäpse dazu. Dann war alles gut. Zumindest scheint es so. Die massiven Magenprobleme kommen vom falschen Essen. Da ist nicht der Alkohol schuld. Soviel trink ich doch gar nicht. Auch die Darmprobleme kommen nicht vom Alkohol. Da ist der viele Kaffee schuld. Oder die Lactose. Oder Gluten. Alles, nur der Alkohol kann es nicht sein 🙄 .
So kam es, dass mich Anfang August meine Leber um ein Gespräch bat. Sie meinte, sie wolle endlich den ihr zustehenden Urlaub. Ansonsten würde sie sich krankschreiben lassen (GGT >600). Da musste ich natürlich reagieren. Wenn die kündigt, hab ich ein Problem.
Also hab ich angefangen, mich zu informieren. Ich hab auch einen dieser Selbsttests (bin ich Alkoholiker) gemacht. Und wie so mancher (einige werden das kennen) hab ich die Antworten immer wieder korrigiert und verschoben, in der Hoffnung das gewünschte Ergebnis zu bekommen. Aber so viel ich auch geschoben hab, solange ich ein bisschen ehrlich war, war das Ergebnis immer problematisch.
Dann habe ich mich weiter informiert und herausgefunden, dass es vielen so geht. Auch das Thema "Testtuning" ist keinesfalls neu. Ich bin nicht der Einzige, der einen Test manipuliert, dessen Ergebnis niemand sieht außer mir selbst.
Somit war klar, ich habe ein Problem. Die Größe lässt sich noch verleugnen, die Tatsache jedoch nicht. Nächster Schritt: ein Trinktagebuch. Man muss ja schauen ob es evtl. gar nicht so schlimm ist. Also App installiert. Eigentlich wollte ich ja schon heute weniger trinken, aber man braucht ja Vergleichswerte fürs Trinktagebuch, da muss ich ja heute nochmal trinken wie immer (es git immer einen Grund zu trinken). Ergebnis: ca. 140 gramm reiner Alkohol täglich. Hmmmm ... das klingt ja gar nicht so viel ... moment ... das ist ja fast ein Kilo pro Woche. Das klingt viel 😲 !!!
Damit stand der Entschluss fest, ich höre auf zu trinken. Einfach mal so. Während ich arbeiten gehe. Quasi nebenbei.
An dieser Stelle, ich gehe davon aus, dass viele in diesem Forum mitlesen ohne etwas zu schreiben, möchte ich von dieser Variante definitiv abraten. Ich hatte und habe einen Neurologen, der mich bei diesen Schritten begleitet hat und den ich seit vielen Jahren kenne (aufgrund Depressionen etc.). Dieser war nicht unbedingt begeistert von der Idee, dass ich es "kalt" machen möchte. Ich hatte hierfür Mittel und Wege um den lebensbedrohlichen Nebenwirkungen eines kalten Entzuges (die es tatsächlich gibt und die nicht zu unterschätzen sind) entgegen zu wirken. Auch hatte ich Notfallpläne und ich der Vergangenheit schon ganz andere "kalte" Entzüge hinter mir. Ich kann nur jedem empfehlen, geht auf einen stationären Entzug.
Die ersten 5 Tage waren alles andere als lustig. Ich konnte mich kaum konzentrieren. Die Zitterei hat nicht begonnen, ansonsten hätte ich das "Experiment" wohl abgebrochen. Ich habe mich in dieser Zeit fast ausschließlich damit beschäftigt, mehr über das Thema zu lesen und mich mit einschlägigen Blogs zu befassen (lasst das meinen Chef nicht wissen 😉 ). Vor allem der Blog "Dates ohne Drinks" hat es mir angetan.
Nach der 2. Woche fühlte ich mich (zu) sicher. Es war ja noch Biergartensaison. Also der 1. nüchterne Ausflug in den Biergarten. Natürlich nur alkoholfreies Bier. Und das war das 1. Problem. Mein Kopf wusste, das ist ohne Alkohol, aber mein Gefühl sagte, du hast was getrunken. Ich hatte somit ein Getränk, das mir vorgaukelte etwas getrunken zu haben obwohl ich nichts getrunken hab. Daran konnte man sich gewöhnen. In der nächsten Zeit trank ich immer mehr alkoholfreies, es half mir beim Suchtdruck (glaubte ich). Bis ich eines Tages den Bus verpasste und extrem Druck hatte. Ein alkoholfreies tuts vollkommen. Nur gab es am Bahnhof kein Alkoholfreies. So entschied ich mich für ein kleines Radler. Ein Radler ist doch kein Alkohol. "Du hast das bisher so gut weggesteckt. das macht doch ein kleines Radler nix!" sagte der Suchtteufel, den ich in diesem Moment nicht erkannte.
In den nächsten Tagen und Wochen kamen dann immer mehr Radler dazu.
und aus Radler wurde ein Bier ...
aus einem Bier wurde ein kleiner Schnaps ...
aus einem kleinen Schnaps wurde ein Bier und ein Schnaps ...
jetzt hat man eh schon ein Bier und einen Schnaps, da kann man auch noch ne Vodka-Lemon-Dose trinken ...
aus 2 mal die Woche wurde 3 mal, 4 mal ...
bis letzte Woche dann nur ein alkoholfreier Tag übrig blieb. Zwar immer nur "kleine Mengen" aber immer mehr (nebenbei bemerkt immer noch mehr als die letzten Jahre)
Dann hab ich letzten Montag doch tatsächlich wieder die 100 gramm Marke geknackt.
STOP
So hast du dir das nicht vorgestellt. Das war anders gedacht. Also nochmal zurück auf Anfang. Ich hatte damals schon den einen oder anderen Blog bei euch gelesen, also hab ich mich einfach mal hier angemeldet und ein bisschen gelesen. Das Buch hab ich heute bestellt und der 2. erste Tag kann kommen.
Ich habe auch vor, euch bei der 2. Reise mitzunehmen. Da ich noch ganz neu bin, weiß ich noch nicht so genau wo ich das reinstellen soll. "30 Tage ..." oder "erzählen sie ..."???
Sooo ... ist nun doch ganz schön lange geworden. Für alle die bis zum Ende gelesen haben hoffe ich, dass es nicht zu langwierig zu lesen war. Es musste einfach mal raus 😊 .
Liebe Grüße und bis bald ...
Hallo und herzlich Willkommen!
Danke für diese tolle Vorstellung – du hast einen richtig tollen witzigen Schreibstil (auch wenn die Tatsache an sich natürlich nicht lustig ist)– weiter so – auch mit deinem Vorhaben! 👍
Melwin, ein herzliches Willkommen hier im Forum. Vielen Dank für Deine tolle Vorstellung, die mich trotz der Ernsthaftigkeit des Themas allein wegen Deines Schreibstils schmunzeln lies. Das mit den Selbsttests, oh ja. Kenne ich. Auch den Selbbeschiss, den man damit treibt. Ich habe mich immer getröstet, wenn es hieß "trinken Sie allein?" Antwort: "Nein" (der Hund war ja immer da gewesen ...) soviel dazu. Wirst Du auch alles im Vorwort des Buches lesen ("Mein morgendliches Murmeltier ist blau").
Vorschlag: Geh es langsam und strukturiert an mit dem Ausstieg. Lies das Buch, auch gerne zweimal (der Infogehalt ist sehr dicht), tummel Dich hier im Forum, fräse Dich durch ältere Beiträge. Du wirst sehr schnell Muster erkennen. Denn Du bist nicht allein. Wir alle kennen das, was Du beschreibst, sehr genau.
Wenn Du Fragen hast - melde Dich gerne!
Beste Grüße
Gaby





