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Angst vs Mut

47 Beiträge
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eos
 eos
(@eos)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 17
Topic starter  

Ein ganz liebes und hoffnungsvolles Hallo an alle hier,

 

ich trage mittlerweile seit vielen Jahren den innigen Wunsch mit mir endlich "frei" zu sein von dieser Droge Alkohol. Versucht habe ich es unzählige Male mich und den Alkohol zu kontrollieren indem ich ein paar Tage nicht getrunken habe und mich dadurch bestätigt fühlte, doch noch nicht ganz schlimm abhängig zu sein. Ein fataler Trugschluss. 

Ich habe mit etwa 16 Jahren angefangen regelmäßig zu trinken, nicht viel und hauptsächlich Weinschorle oder Sekt, aber es gab seither kaum Trinkpausen. Heute bin ich 40 Jahre alt, habe zwei Kinder im Alter von 20 und 16 - allein die Schwangerschaften und Stillzeiten habe ich ohne ausgehalten.  Im Laufe der Zeit begann ich mehr und mehr zu trinken, nicht nur abends sondern auch bereits nachmittags - heute kann ich schon am frühen Morgen das erste Glas Sekt trinken um die übermächtigen Schmerzen, die sich zunehmend mit Scham, Ekel und Hass mischen, nicht mehr ertragen zu müssen. 

Ich wüsste heute nicht mehr wie ich einen einzigen Tag, vermutlich selbst einen halben,  ohne Alkohol überstehen könnte. Währenddessen spiele ich ein andauerndes Versteckspiel mit meinem Umfeld indem ich tagsüber demonstrativ Tee, Kaffee oder Saft trinke wenn jemand in meiner Nähe ist. Dabei weiss ich mittlerweile, dass jeder weiss! 

Ich werde gemocht und geschätzt und kaum jemand spricht mich konkret auf dieses Problem an, aber ich habe angefangen darüber zu sprechen, weil ich diese unfassbar großen Einschränkungen, die diese Sucht mit sich bringt, nicht mehr länger ertragen kann. Ich fühle mich gefangen in meinem eigenen Gefängnis und finde den ersten Schritt nicht. Ich suche nach Suchtkliniken, entsprechenden Ärzten, stelle mir vor, dass ein "reguliertes Trinken" doch möglich sein kann(muss!), recherchiere im Internet und höre mir Berichte über diejenigen an, die es endlich geschafft haben. Nie wieder trinken zu dürfen, ist für mich noch immer ein großer Verlust und der Gedanke nicht mehr trinken zu wollen will sich nicht manifestieren.

Ich weiss, dass dieses Leben, wie ich es jetzt führe ziemlich bald zu Ende sein wird, wenn ich jetzt nicht die notwendigen Schritte einleite und ich habe unfassbar große Angst vor der Schwere der Krankheit und was sie mir bereits angetan hat, wenn ich mich ihr stelle.

 

Ich bitte euch mir zu beschreiben, wie euer erster Schritt war? 

Spreche ich zuerst mit meinem Hausarzt? Rufe ich meine Krankenkasse an? Wende ich mich an die Suchtberatung?  Suche ich selbst eine Suchtklinik? Etc...

Meine größte Angst ist nicht durchzuhalten, wenn ich jetzt beginne diesen Weg zu gehen. Ich wohne in einer Kleinstadt und möchte zum jetzigen Zeitpunkt nicht, dass mein Thema öffentlich wird.

 

Über jede einzelne Antwort und auch gerne über einen direkten Austausch würde ich mich so sehr freuen und ich danke euch schon jetzt!

 

Ganz herzliche und kraftvolle Grüße,

 

Eos

 

 



   
6
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eos
 eos
(@eos)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 17
Topic starter  

Auch heute eine kleine Notiz von mir:

Meistens bin ich guter Dinge, seit einigen Tagen sogar erstaunlicherweise gleich morgens nach dem Aufwachen. Aber die Legitimation zum Trinken breitet sich in diesen "letzten" Tagen kräftig aus. Das macht mir Angst. So als ob ich jetzt noch könnte, dürfte und sollte. Es ist sogar fast so als müsse ich noch etwas zelebrieren, was bald nie wieder geht. Heute Vormittag war ich Rad fahren mit meinem Freund und immer dabei ist Vesper und mindestens 2 Dosen Elephant extra strong (10,5 %) , aber damit nicht genug, denn anschließend ging es in unsere Lieblingsbar und es folgte ein Gin Tonic. Freunde, Familienmitglieder tauchten auf und verabredeten sich für Treffen und Parties in den nächsten Tagen und Wochen. Ich habe weder ab- noch zugesagt, aber die Blicke meines Partners waren abstrafend und auf eine seltsame Weise warnend. Wir reden viel über mein Vorhaben, aber er setzt sich mit diesem Thema nicht hinreichend auseinander. Ich bin gespannt zu lesen, wie eure Erfahrungen sind und waren und ich hoffe einige Antworten auch in der Klinik und der Langzeittherapie zu finden. Mein Leben mit dem Alkohol war meistens ein sehr geselliges, durchaus auch kreatives und beflügelndes. Mein Partner kennt mich nicht ohne Alkohol. Ich habe Angst wie und wer ich ohne ihn bin. Er auch. 

Ist es normal, dass ich mich jetzt noch so sehr über jeden Schluck freuen kann, obgleich ich weiss, dass ich das alles nicht mehr will? NIE mehr will.

Ist es okay sich nochmal mit genau jenen zu verabreden, mit denen ich die tollsten Parties erlebt habe?

 

Ist es notwendig jetzt nochmal so richtig einen draufzumachen? 

 

Ach....

 



   
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gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4314
 

@eos 

Du wärst nicht die erste, die noch mal so richtig zulangt, weil "demnächst ja nicht mehr." Da tobt sich gerade die Weinhexe (oder Biertroll oder wie auch immer) noch mal so richtig, richtig aus. Es ist Sucht, vergiss das nicht.

Notwendig ist es natürlich nicht, Alkohol ist nie notwendig.

Deshalb schrieb ich Dir ja: Trink weiter - aber übertreibe es nicht. Das war im Prinzip schon die Vorwegnahme. Und ich schrieb Dir auch: Mach Dir im Moment einfach nicht zu viel Gedanken. Diese sind eh nicht klar, das meine ich nicht böse. Ich meine damit auch nicht die Promille im Blut, sondern eben das völlig aus dem Gleichgewicht geratene Nervenbotenstoffsystem. Alles, was Du jetzt "denkst" ist nicht klar, hat keinen Bestand und oft auch keine Stringenz.

Sieh einfach nur zu, dass Du die Zeit bis zur Entgiftung halbwegs gut hinter Dich bringst. Steht der Termin denn jetzt ganz fest? Das wären noch neun Tage. Hangel Dich so durch, trink weiter aber nicht zu viel und erwarte nicht von Dir, dass Du jetzt schon Dein Leben danach planen kannst. Und fang nicht an, mit irgendjemandem zu streiten, egal über was. Das tut Dir später nur leid und Du wirst es nicht mehr verstehen.

Sichtfahrt ist angesagt.

Liebe Grüße

Gaby



   
2
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gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4314
 

@eos 

PS: Und was ich Dir auch schon vorher sagen kann: In den letzten Tagen vor der Entgiftung wirst Du wahrscheinlich Angst haben. Nervös sein. Vielleicht macht sich sogar Panik breit. Auch das ist völlig normal.



   
3
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@eos mir ging es ähnlich… lass laufen, war meine Devise.

Dein Leben wird auch ohne Alkohol bunt, stimmungsvoll und lustig.

es ist wie eine Geburt, Du machst alles wieder zum ersten Mal…

das wird schön ☺️



   
3
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eos
 eos
(@eos)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 17
Topic starter  

@gaby_guzek

Ja, es sind neun Tage. Der Termin steht. Dort wird es weder WLAN noch stabiles Handynetz geben. Hoffentlich halte ich das durch ohne hier reinlesen und - schreiben zu können.

Aber all eure mutmachenden Worte nehme ich mit und mit Literatur bin ich bestens eingedeckt. 



   
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@gaby_guzek ich habe mir den Tag der Einlieferung herbeigesehnt!

es war der Tag meiner Erlösung und ich konnte mich fallen lassen….



   
2
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eos
 eos
(@eos)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 4 Jahren
Beiträge: 17
Topic starter  

Nach einer so traurigen Verabschiedung von meiner Tochter und meinem Freund geht es in 2 Stunden los. Ich bin im Moment gar nicht hoffnungsvoll! 

 

Seid gegrüßt! Ich denke an euch, die es schon so weit geschafft haben! 

 

S.



   
2
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@eos Bald hast Du es geschafft... Traurig, weil ungewiss... versuche es als Startschuss zu sehen, für ein neues Leben, ohne Einschränkungen, in Freiheit.

Mit vielen tollen Momenten mit Deiner Tochter und Deinem Freund.

Voller Wärme, Zuneigung, Stolz, Lachen und Freude.

Bald schaust Du zurück und freust Dich über jede Sekunde, die Du diesen Weg eingeschlagen hast.

Du wirst neue Erfahrungen sammeln, andere Menschen persönlich kennenlernen, denen es ähnlich oder sogar genauso geht wie Dir.

Du darfst ab jetzt anfangen Dich vorsichtig zu freuen, oder auch sehr intensiv.

Ich kann Deine Sorge sehr gut nachvollziehen, wirklich.

Nach den ersten 2-3 Tagen schaust Du schon ganz anders in die Welt.

 

Ich denke an Dich, drücke Dir die Daumen.

Schreibe, wenn Du Lust hast.



   
3
AntwortZitat
gaby_guzek
(@gaby_guzek)
Illustrious Member Admin
Beigetreten: Vor 7 Jahren
Beiträge: 4314
 

@eos 

Alles wird gut! Lass Dich einfach fallen in der Klinik. Du wirst umsorgt, man passt auf Dich auf. Und Du kommst begleitet von diesem Zeug los, das Du schon tagsüber in Dich reinschütten musstest, um irgendwie zu funktioniere.

Was für ein großartiges Ziel, was für ein großartiger Tag!

Ich drück Dich

Liebe Grüße

Gaby



   
2
AntwortZitat
(@ninafisch)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 806
 

@eos  ich kann gut verstehen,  dass du ängstlich und traurig bist. Es ist ein grosser Schritt. Ich bin überzeugt, dass du das Richtige tust und ich wünsche dir tolle Gespräche, dass du gut aufgehoben bist und liebe Menschen deinen Weg unterstützen. 

Alles Gute auf deinem weg in die Freiheit. Großartig, dass du es angeht!

Nina 



   
2
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