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Blaubeere möchte ni...
 
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Blaubeere möchte nicht mehr blau sein

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3,281 Ansichten
blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

Huhu, ich bin die Blaubeere. Euch gefunden zu haben, erfüllt mich mit Freude und Hoffnung, denn das Thema Alkohol zieht sich durch mein Leben und durch die Geschichte unserer Familie wie ein roter Faden. Eher wie ein schwarzer Faden 🙁

Ich bin Mitte 50 und berufstätig, habe zwei erwachsene Söhne, die ich schon in der Pubertät darauf aufmerksam gemacht habe, dass sie möglicherweise genetisch bedingt ein hohes Risiko mit sich tragen, alkoholkrank in vierter Generation zu werden. Was die Generationen, die vor 1900 gelebt haben betrifft, gibt es keine Überlieferungen. Meine Söhne haben meine Worte sehr ernst genommen und trinken vielleicht drei oder vier mal im Jahr ein Gläschen.

In meinem Elternhaus war Bier ein Grundnahrungsmittel wie Brot. Aber alle funktionierten und es herrschte keine Gewalt. Ich habe meine ersten Erfahrungen mit Alkohol im Alter von 15 Jahren gemacht. Ich fand es angenehm, unter Alkoholeinfluss nicht mehr so schüchtern zu sein und irgendwie gehörte es damals in meinem Umfeld dazu, 1 oder 2 mal im Monat auf Partys oder in Discos Alkohol zu trinken. Ich habe immer nach Hause gefunden und nie meinen Schlüssel, mein Portemonnaie oder meine Brille verloren :-).

Etwa 20 Jahre lang habe ich unregelmäßig getrunken, mal etwas mehr, mal weniger, abhängig von der Situation und den Personen in meinem Umfeld. Über Alkohol habe ich eigentlich gar nicht nachgedacht, außer, wenn es um andere Familienmitglieder ging. Wenn getrunken wurde, habe ich halt mitgetrunken, wenn nicht, war es mir völlig gleichgültig und ich hatte nach dem Auszug aus dem Elternhaus nur selten Alkohol im Haus.

Problematisch wurde es dann mit Mitte 30, als meine Kinder auf die Welt kamen. Der Alltag mit den Kindern war anstrengend, die Beziehung zu ihrem Vater sehr schwierig, das Geld war extrem knapp (ich ging zeitweise Beeren und Pfandflaschen sammeln, um durchzukommen), es waren keine Großeltern in der Nähe, die mich mal hätten entlasten können. Zwei Jahre habe ich nicht gearbeitet, der Kindsvater sowieso nicht. Es war kein Geld da für Benzin, kein Geld für ein Geschenk, wenn man mal irgendwo eingeladen war, die Gründe für die desolate finanzielle Lage will ich hier nicht erörtern. Die sozialen Kontakte wurden weniger und irgendwann bestand mein tägliches Abendprogramm, wenn die Kinder im Bett waren, aus einem TV-Krimi, 1-2 Gläsern Rotwein und viel Schokolade, alles alleine im Schlafzimmer konsumiert. Vom Vater der Kinder trennte ich mich irgendwann. Dieses Schlafzimmertrinken ging einige Jahre so weiter, aber ich habe immer wieder mal einen Tag oder auch eine Woche Pause gemacht, weil ich diesen Konsum schon bedenklich fand, ich wusste ja, dass in meiner Familie einige Menschen alkoholkrank waren. Der Arzt, dem ich mich anvertraute, meinte: „Im Moment brauchen Sie das eben.“ Als ob der Rotwein eine Medizin wäre, die auch er mir hätte verschreiben können…

Dann lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und die Entwicklung nahm Fahrt auf. Mein Mann trank gerne, oft und damals noch viel. Im Keller gab es eine Sammlung erlesener Weine und anderer alkoholischer Getränke, grenzenlose Verfügbarkeit. Wir glaubten, das Leben zu feiern und fanden auch mitten in der Woche einen Grund, eine Flasche Champagner zu öffnen. Wir besuchten regelmäßig gute Restaurants und es spielte keine Rolle, dass der Wein teurer als das Essen war. Am Wochenende trank ich oft zum Frühstück schon Sekt. Ich denke heute, dass ich mir damit beweisen wollte, dass ich mich selbst wertschätze. Und wollte es sicher auch anderen zeigen, denn ich fand den sozialen Absturz, der mit der Mutterschaft kam, sehr beschämend. „Seht mal, vor ein paar Jahren habe ich Pfandflaschen aus dem Gebüsch geholt und nun trinke ich zum Frühstück Sekt und wenn ich will, auch Champagner!“ In den nächsten Jahren trank ich also, wenn ich nicht gearbeitet habe, oft auch schon morgens, konnte aber die Menge noch kontrollieren. Das heißt, wenn ich morgens trank, konsumierte ich den Rest des Tages nicht. 1/2 Flasche Sekt oder Wein war für mich die Grenze, die ich nur sehr selten überschritt, auch weil ich mich sonst verkatert fühlte.

2020 begann eine neue Ära. Meine Mutter war verstorben und ich trauerte mehr als zwei Jahre sehr intensiv. Dazu kam Corona und eine neue Chefin. Im Homeoffice war ich massiv überfordert. Alle Arbeitsabläufe änderten sich und ich kämpfte mit Hardware und Software. Den Zusammenhalt der Kollegen konnte ich nicht mehr spüren, da man sich ja wochenlang nicht sah. Dazu kam die neue Chefin, die uns wenig feinfühlig zu Höchstleistungen anspornen wollte. Sehr fordernd, alles kontrollierend, reglementierend, protokollierend. Machte man Fehler oder konnte sein Pensum nicht schaffen, war die Ansprache oft so schroff, dass Kolleginnen, auch ich, in Tränen ausbrachen. Dazu kam, dass man rund um die Uhr Mails und Nachrichten bekam, so dass kaum noch zwischen Arbeit und Freizeit trennen konnte. Ich war nur noch erschöpft und hatte das Gefühl, meinen Job jeden Tag schlechter zu machen. Nun konnte ich abends nur noch mit Alkohol oder einem Schlafmittel einschlafen, wenn ich am nächsten Tag arbeiten musste. Oft Alkohol UND Schlafmittel. Aus der halben Flasche Wein oder Sekt wurde immer häufiger eine ganze Flasche, ich konnte plötzlich oft nicht mehr aufhören, bis mir übel und schwindelig wurde. Nicht selten fuhr ich in den letzen zwei Jahren verkatert zur Arbeit, was den ohnehin stressigen Job noch schwieriger machte. Dann breitete sich irgrndwann in meinem Kopf ein Nebel aus, den ich anfänglich auf meine Corona-Infektion zurückführte. Ich hatte so gravierende kognitive Probleme, dass ich auch Alzheimer-Demenz oder einen Tumor befürchtete. Der Neurologe fand im MRT nichts und machte Stress für meine Defizite verantwortlich.

In der Woche im September, als ich zum MRT war, fand ich meinen Bruder in seiner Wohnung verwirrt und teilweise gelähmt zwischen tausenden leerer Flaschen, Kot und Erbrochenen. Der Notarzt brachte ihn ins Krankenhaus. Er war drei Wochen nicht ansprechbar, bekam tagelang andauernde epileptische Anfälle, war psychotisch, konnte nicht mehr schlucken, wurde durch eine Sonde ernährt, die Ärzte haben mich darauf vorbereitet, dass er vielleicht stirbt.

Zu sehen, was dieses Teufelsgift aus ihm gemacht hat, hat mir…. ich weiß gerade nicht, wie ich es ausdrücken kann, was in mir vorging. Ich fing an, mich noch intensiver mit dem Thema Alkohol zu beschäftigen und plötzlich sehe ich alles in einem anderen Licht. Es kommt mir plötlich so absurd vor, dieses teuflische Nervengift in sich hineinzuschütten. Ich wollte unbedingt damit aufhören, hatte aber Angst, auch Krampfanfälle oder eine Psychose zu bekommen. Daher habe ich den Alkohol langsam runterdosiert. Erst mal ein paar Tage nur noch ein kleines Gläschen Wein pro Tag, zum Glück ging das ohne Probleme. Dann habe ich ein paar Wochen nur noch 1 bis 2 mal pro Woche kleine Mengen getrunken. Und siehe da, der Nebel im Gehirn verzieht sich und ich brauche auch kein Schlafmittel mehr. Hatte aber ein paar Mal Suchtdruck. Den habe ich mit viel Essen und scharfen Bonbons in Griff bekommen. Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mich vom Alkohol zu befreien. Ich überlege gerade, ob ich mal die Suchtberatungsstelle kontaktiere oder mich einer Selbsthilfegruppe anschließen soll. Ich spüre, dass der Vorsatz, nicht mehr zu trinken, noch gefestigt werden muss. Ich habe seit 6 Tagen nichts getrunken.

Das war eine laaaaange Geschichte, vielen Dank für eure Zeit und Geduld. Ich freue mich, auf den Austausch mit euch 🙂

Liebe Grüße

Blaubeere



   
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@blaubeere Dein Bericht hat mich sprachlos gemacht, liebe Blaubeere! Ich denke an dich und wünsche dir ganz viel Kraft für alles - und deinem Mann drücke ich ganz fest die Daumen! ❤️🙏🍀



   
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christian
(@christian)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 292
 

@blaubeere Es erfüllt mich mit tiefer Trauer und Mitgefühl zu lesen, wie sich so manche Befürchtung bewahrheitet hat und schon jetzt eine nicht minder schreckliche und kräfteraubende Zukunft, mit ungewissem Ausgang, absehbar ist.
Die Situation ist leider wie sie ist und wie sie sich absolut niemand wünscht. Wir können nur unseren Umgang mit der Situation beeinflussen. Mehr liegt nicht in unserer Macht.

Fasse die nachfolgenden Fragen bitte nicht als Herzenskälte oder mangelndes Mitgefühl auf. Ich versuche nur Themen, den Umgang mit dem Schrecken betreffend, anzusprechen. In der Hoffnung, dass etwas davon für Dich hilfreich ist.

Verfasst von: @blaubeere

er mir am Tag 3 gesagt, dass er mehr Nähe braucht.

Hast Du das Gefühl, dass Ihr die erbetene Nähe in dieser heftigen Zeit lebt? Auch wenn dies eigentlich nur dein Mann beantworten kann, da es sein Wunsch war.

Verfasst von: @blaubeere

Mein Mann sprach davon, dass er sich nun eine Kapsel besorgen muss. Gemeint ist natürlich Sterbehilfe. Eine furchtbare Vorstellung!

Verfasst von: @blaubeere

Ob es Chancen auf Heilung gibt, darüber hat noch niemand mit uns gesprochen. ... aber die Prognose bei Metastasen in Lunge und Leber scheint nicht gut zu sein. Ich befürchte, dass ein längerer Kampf begonnen hat, den man nicht gewinnen kann.

Es ist mir sehr unangenehm Dir diese Frage zu stellen, aber ich will mich vor einem Tabu Thema nicht drücken: Habt ihr jemals über Sterbehilfe gesprochen und eure Haltung dazu abgeklärt? Oder wurde das nie wieder erwähnt? Eventuell auch aus wohlgemeinter Rücksicht aufeinander? Aber auf Kosten von Offenheit, Ehrlichkeit und bedingungsloser Nähe?

Verfasst von: @blaubeere

Es besteht in der nächsten Zeit sicherlich die Gefahr, dass ich mich selbst vernachlässige. Das darf ich aber nicht, denn dann kann sehr bald auch anderen nicht mehr helfen.

Wir haben schon einmal über das Thema gesprochen. Wie gelingt es Dir für Dich zu sorgen? Die aktuelle Krankschreibung hilft sicher etwas, aber trotzdem ist das eine gewaltige Herausforderung in dieser Situation auch an sich zu denken. Diese Achtsamkeit für Dich selbst ist aber unbedingt nötig!

Alles Gute und viel Metta von meiner Seite. 🌻  



   
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lichtkind
(@lichtkind)
Mitglied
Nüchtern: 6 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 590
 

@christian ❤️



   
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@blaubeere Ja, das Leben ist sehr kostbar. Mit dem Bewusstsein, dass es durch Krankheiten noch endlicher wird, steigt es - für mich - im Wert noch mehr an. Vielleicht hört es sich für Dich bescheuert an, tatsächlich habe ich die Zeit sehr intensiv erleben dürfen, Gespräche haben eine neue Qualität erhalten, larifari gab es nicht mehr.

Für mein Empfinden bist Du hier absolut richtig, denn solche Entwicklungen gehören zu unserem Leben, leider. Und je nachdem sind sie mit verantwortlich für unser handeln: Zu trinken oder nicht zu trinken.

Mit dem Schreiben hier im Forum betreibst Du so etwas wie selfcare und das ist immens wichtig. Besonders jetzt.

Es ist schön, dass Du für Deinen Mann da bist und gib ihm auch Raum, alles selber zu verstehen.

Achte gut auf Dich, gönne Dir regelmässig Auszeiten, damit Du weiterhin für ihn da sein kannst. Und der Alltag ist ja auch noch da.

Ich denke an Dich.

Lieben Gruß

Sandra



   
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(@marlina)
Mitglied
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 179
 

@blaubeere Liebe Blaubeere, puh, halleluja, so schnell kann sich alles ändern 🙁 Ich war glücklicherweise noch nie in der Situation. Es ist ja auch so viel, was im Kopf dann zum Thema wird. Beziehung, Krankheitsverlauf, Hoffnung, Organisation des Alltags, etc.

Vielleicht wäre es gut, wenn Ihr Euch zeitnah überlegt, was alles organisiert werden muss, was man bereits jetzt machen kann. Damit, wenn es in den nächsten Wochen mal stressig oder emotional wird, diese Dinge schon erledigt oder angebahnt hat. Ich denke da an so banale Sachen wie Steuererklärung, was weiß ich, so Terminsachen. Möglicherweise gibt es besondere Ereignisse (Geburtstagseinladungen o.ä.), wo man sich jetzt schon um Karten/Geschenke kümmern kann. Dann natürlich auch so wichtige Themen wie Vorsorgevollmacht und vor allen Dingen Patientenverfügung, falls noch nicht erledigt. Hast Du Zugriff auf alle Papiere, Konten, usw. Es schadet sicherlich auch nicht, sich schon mal nach einem Pflegedienst umzuhören. Wo ich wohne, gibt es kaum freie Kapazitäten. Daher ist es möglicherweise nicht verkehrt, schon mal Erkundigungen einzuholen. Dann weiß man, wo man am ehesten Chancen hat, und ob die Chemie stimmt.

Das sind so Dinge, die mir ad hoc einfallen. Manches hört sich jetzt vielleicht blöd an, aber ich hoffe, Du kannst trotzdem etwas mit anfangen. Außerdem hilft es ggfs., das Hirn in dieser Richtung arbeiten zu lassen 😉

Ich wünsche Euch viel Kraft - achte auf Dich. Ich habe in einer Folge des Podcasts "Tanzen kann man auch auf Brause" eine schöne Metapher gehört. Sinngemäß: Dem Piloten muss es gutgehen, sonst kann er nicht für seine Passagiere sorgen.

Liebe Grüße

 



   
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crazy2610
(@crazy2610)
Mitglied
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 1027
 

@blaubeere

Auch ich möchte dir meinen Zuspruch ausdrücken und dir meinen tiefsten Respekt und mein Mitgefühl kundtun.

Es ist gut wenn du diese Situation jetzt nüchtern und klar im Kopf durchlebst - ich kenne beides mit und ohne Alkohol durch die Angst, den Schmerz, die Überforderung und auch wenn uns der Alkohol vorgaukelt, für einige Stunden könnte man das alles vergessen, es kommt im nüchternen Zustand viel heftiger wieder, noch größer noch unlösbarer erscheinend.

Ich hoffe du findest täglich ein paar wenige Minuten in denen du dich zentrieren und spüren kannst - nur dich.

Alles Liebe Crazy

 



   
1
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forevergreen
(@forevergreen)
Mitglied
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 320
 

Liebe Blaubeere,

es ist schlimm - man hat sich das ja alles anders vorgestellt! Ich hoffe ganz sehr, dass Ihr beide das gut übersteht und das es nicht all Eure Kraft kostet.

Aber vielleicht ein kleiner Trost. Meine Mutter ist im Alter von 55 Jahre schwer an Darmkrebs erkrankt und musste einen künstlichen Darmausgang bekommen. Der Kampf war lang und anstrengend, aber nun ist sie 89, altersgemäß und durch die Krankheit natürlich beeinträchtigt, aber nicht verbittert. Sie hatte mit meinem Vater, der sie aufopferungsvoll gepflegt hat, noch sehr schöne Jahre, sie sind gereist und haben am Leben teilgenommen. 

Pass gut auf Dich auf. Liebe Grüße von Conny

 



   
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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

Ihr Lieben, ich danke euch von Herzen für eure Anteilnahme und zahlreichen Nachrichten, die ich gerade nicht alle einzeln beantworten kann. Sehr hilfreich, wie ihr die unterschiedlichen Aspekte beleuchtet, vieles ist mir nach dem Lesen noch lange durch den Kopf gegangen. Mein Mann und ich haben auch vier Fälle von Darmkrebs in der Familie, alle konnten die Krankheit überwinden, sind aber auch alle  früher zum Arzt gegangen als mein Mann. Ich habe mir auf youtube einige Vorträge über neue Krebstherapien angeschaut und bin überrascht, wie viel sich da in den letzten Jahren getan hat. Mehr als die Hälfte aller neu in Europa zugelassenen Medikamente sind Mittel gegen Krebs! Vor 5 -10 Jahren wäre ein fortgeschrittener Krebs mit Metastasen ein Todesurteil gewesen, aber heute gibt es eine Chance auf Heilung oder zumindest darauf, eine weitere Ausbreitung zu verhindern, quasi mit einer Dauertherapie in eine chronische Krankheit umzuwandeln. Ich trau mich gerade wieder, optimistisch zu denken 😊. Gestern hat mein Mann den Port eingesetzt bekommen und morgen wird zum ersten Mal die chemische Keule geschwungen bzw. irgendeine Infusion verabreicht. Zu der Chemo kommt ja noch die Immuntherapie. Jetzt heißt es erst einmal Daumen drücken, dass die Nebenwirkungen nicht allzu heftig sein werden. Oft werden sie wohl erst im Laufe der Zeit richtig schlimm, nicht gleich zu Beginn. 

Ja, leider muss ich mich auch mit organisatorischem Kram beschäftigen. Ich muss gestehen, dass ich mich bislang aus vielem rausgehalten habe und mein Mann auch viele Entscheidungen gern allein getroffen hat. Etwas peinlich, aber von den einfachsten Sachen habe ich keine Ahnung, z.B. wie man die Heizung abstellt oder wo meine Sommerreifen eingelagert sind 🙄. Aber man wächst ja mit seinen Aufgaben. Aber wenigetens weiß ich, wo die Patientenverfügung/ Vorsorgevollmacht liegt. In der Klinik hat man schon gebeten, sie vorzulegen. In meiner Patientenverfügung sind mein Mann und mein Bruder eingetragen, da muss ich auch noch mal ran…

Liebe Grüße!



   
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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

Ihr Lieben, nach 4 Monaten ist ein Update mehr als überfällig. Ich veruche mich ausnahmsweise kurz zu fassen, sollte langsam schlafen.

Ich habe tatsächlich nun fast 7 Monate keinen Tropfen Alkohol getrunken. Bin ganz schön stolz.

Mein Mann macht immer noch Chemo, leider ist der Erfolg nicht wie erwartet. Leber und Lunge: leichte Verbesserung. Darm: auf dem CT nach 6 Chemozyklen kein Erfolg sichtbar. Dann zusätzlich Antikörpertherapie. Aktuell Chemopause wegen der Nebenwirkungen. Es geht ihm schlecht. Er hat starke Schmerzen. Ist aber immer noch nicht bereit sich operieren zu lassen. Donnerstag geht die Chemo weiter. Das Miteinander ist sehr schwierig geworden. Er ist sehr dünnhäutig, ich fühle mich oft zurückgewiesen. Ich habe mich sehr zurückgezogen, weil es oft Streit gibt.

Ich mache seit ein paar Wochen wieder eine Psychotherapie. Da ich längere Zeit krankgeschrieben war, habe ich viel über mich nachgedacht und in mich hineingehört. In der ersten Sitzung hat die Psychotherapeutin mir nach ca. 30 min gesagt, dass sie auf ADHS tippt. Die Tests haben den Verdacht bestätigt. Das muss ich erst einmal verdauen. Langsam setzt sich das Puzzle zusammen. Dieses Teil hat noch gefehlt. Völlig normal, dass ich Alkohol so gut fand.  Je mehr ich mich informiere, desto mehr Dinge fallen mir auf, die vermutlich Mit ADHS zusammenhängen. Vermutlich wäre mir einiges im Leben erspart geblieben, hätte man das ein paar Jahrzehnte früher festgestellt. Das macht mich abwechselnd traurig und wütend.

 

Zum 1.08. wechsel ich endlich denn Arbeitsplatz und muss meine furchtbare Chefin nicht länger ertragen. Aktuell läuft eine Wiedereingliederungsmaßnahme und ich arbeite nur an 2 Tagen pro Woche.

So, das wars erst einmal. Liebe Grüße und gute Nacht 😴 

Werde die Tage unbedingt lesen, was es bei euch neues gibt 👂



   
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forevergreen
(@forevergreen)
Mitglied
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 320
 

@blaubeere Das klingt alles schwierig, um so mehr ist zu bewundern, dass Du durchhältst, meine Hochachtung. Zwei Gedanken kamen mir - wie schade, dass man sich als Paar in heiklen Lebenssituationen oft noch das Leben zusätzlich schwer macht, aber das ist völlig wertungsfrei, denn ich bin da auch nicht besonders gut, eher streng als fürsorglich:(

Und außerdem finde ich, Du solltest nicht traurig oder wütend über die Vergangenheit sein. Sie hat Dich zu der starken Person gemacht, die Du jetzt bist. Ich denke auch oft, ich hätte auch eher drauf kommen können, all die vernebelten Jahre... aber es ist müßig und macht nur bitter.



   
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