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Blaubeere möchte ni...
 
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Blaubeere möchte nicht mehr blau sein

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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

Huhu, ich bin die Blaubeere. Euch gefunden zu haben, erfüllt mich mit Freude und Hoffnung, denn das Thema Alkohol zieht sich durch mein Leben und durch die Geschichte unserer Familie wie ein roter Faden. Eher wie ein schwarzer Faden 🙁

Ich bin Mitte 50 und berufstätig, habe zwei erwachsene Söhne, die ich schon in der Pubertät darauf aufmerksam gemacht habe, dass sie möglicherweise genetisch bedingt ein hohes Risiko mit sich tragen, alkoholkrank in vierter Generation zu werden. Was die Generationen, die vor 1900 gelebt haben betrifft, gibt es keine Überlieferungen. Meine Söhne haben meine Worte sehr ernst genommen und trinken vielleicht drei oder vier mal im Jahr ein Gläschen.

In meinem Elternhaus war Bier ein Grundnahrungsmittel wie Brot. Aber alle funktionierten und es herrschte keine Gewalt. Ich habe meine ersten Erfahrungen mit Alkohol im Alter von 15 Jahren gemacht. Ich fand es angenehm, unter Alkoholeinfluss nicht mehr so schüchtern zu sein und irgendwie gehörte es damals in meinem Umfeld dazu, 1 oder 2 mal im Monat auf Partys oder in Discos Alkohol zu trinken. Ich habe immer nach Hause gefunden und nie meinen Schlüssel, mein Portemonnaie oder meine Brille verloren :-).

Etwa 20 Jahre lang habe ich unregelmäßig getrunken, mal etwas mehr, mal weniger, abhängig von der Situation und den Personen in meinem Umfeld. Über Alkohol habe ich eigentlich gar nicht nachgedacht, außer, wenn es um andere Familienmitglieder ging. Wenn getrunken wurde, habe ich halt mitgetrunken, wenn nicht, war es mir völlig gleichgültig und ich hatte nach dem Auszug aus dem Elternhaus nur selten Alkohol im Haus.

Problematisch wurde es dann mit Mitte 30, als meine Kinder auf die Welt kamen. Der Alltag mit den Kindern war anstrengend, die Beziehung zu ihrem Vater sehr schwierig, das Geld war extrem knapp (ich ging zeitweise Beeren und Pfandflaschen sammeln, um durchzukommen), es waren keine Großeltern in der Nähe, die mich mal hätten entlasten können. Zwei Jahre habe ich nicht gearbeitet, der Kindsvater sowieso nicht. Es war kein Geld da für Benzin, kein Geld für ein Geschenk, wenn man mal irgendwo eingeladen war, die Gründe für die desolate finanzielle Lage will ich hier nicht erörtern. Die sozialen Kontakte wurden weniger und irgendwann bestand mein tägliches Abendprogramm, wenn die Kinder im Bett waren, aus einem TV-Krimi, 1-2 Gläsern Rotwein und viel Schokolade, alles alleine im Schlafzimmer konsumiert. Vom Vater der Kinder trennte ich mich irgendwann. Dieses Schlafzimmertrinken ging einige Jahre so weiter, aber ich habe immer wieder mal einen Tag oder auch eine Woche Pause gemacht, weil ich diesen Konsum schon bedenklich fand, ich wusste ja, dass in meiner Familie einige Menschen alkoholkrank waren. Der Arzt, dem ich mich anvertraute, meinte: „Im Moment brauchen Sie das eben.“ Als ob der Rotwein eine Medizin wäre, die auch er mir hätte verschreiben können…

Dann lernte ich meinen jetzigen Mann kennen und die Entwicklung nahm Fahrt auf. Mein Mann trank gerne, oft und damals noch viel. Im Keller gab es eine Sammlung erlesener Weine und anderer alkoholischer Getränke, grenzenlose Verfügbarkeit. Wir glaubten, das Leben zu feiern und fanden auch mitten in der Woche einen Grund, eine Flasche Champagner zu öffnen. Wir besuchten regelmäßig gute Restaurants und es spielte keine Rolle, dass der Wein teurer als das Essen war. Am Wochenende trank ich oft zum Frühstück schon Sekt. Ich denke heute, dass ich mir damit beweisen wollte, dass ich mich selbst wertschätze. Und wollte es sicher auch anderen zeigen, denn ich fand den sozialen Absturz, der mit der Mutterschaft kam, sehr beschämend. „Seht mal, vor ein paar Jahren habe ich Pfandflaschen aus dem Gebüsch geholt und nun trinke ich zum Frühstück Sekt und wenn ich will, auch Champagner!“ In den nächsten Jahren trank ich also, wenn ich nicht gearbeitet habe, oft auch schon morgens, konnte aber die Menge noch kontrollieren. Das heißt, wenn ich morgens trank, konsumierte ich den Rest des Tages nicht. 1/2 Flasche Sekt oder Wein war für mich die Grenze, die ich nur sehr selten überschritt, auch weil ich mich sonst verkatert fühlte.

2020 begann eine neue Ära. Meine Mutter war verstorben und ich trauerte mehr als zwei Jahre sehr intensiv. Dazu kam Corona und eine neue Chefin. Im Homeoffice war ich massiv überfordert. Alle Arbeitsabläufe änderten sich und ich kämpfte mit Hardware und Software. Den Zusammenhalt der Kollegen konnte ich nicht mehr spüren, da man sich ja wochenlang nicht sah. Dazu kam die neue Chefin, die uns wenig feinfühlig zu Höchstleistungen anspornen wollte. Sehr fordernd, alles kontrollierend, reglementierend, protokollierend. Machte man Fehler oder konnte sein Pensum nicht schaffen, war die Ansprache oft so schroff, dass Kolleginnen, auch ich, in Tränen ausbrachen. Dazu kam, dass man rund um die Uhr Mails und Nachrichten bekam, so dass kaum noch zwischen Arbeit und Freizeit trennen konnte. Ich war nur noch erschöpft und hatte das Gefühl, meinen Job jeden Tag schlechter zu machen. Nun konnte ich abends nur noch mit Alkohol oder einem Schlafmittel einschlafen, wenn ich am nächsten Tag arbeiten musste. Oft Alkohol UND Schlafmittel. Aus der halben Flasche Wein oder Sekt wurde immer häufiger eine ganze Flasche, ich konnte plötzlich oft nicht mehr aufhören, bis mir übel und schwindelig wurde. Nicht selten fuhr ich in den letzen zwei Jahren verkatert zur Arbeit, was den ohnehin stressigen Job noch schwieriger machte. Dann breitete sich irgrndwann in meinem Kopf ein Nebel aus, den ich anfänglich auf meine Corona-Infektion zurückführte. Ich hatte so gravierende kognitive Probleme, dass ich auch Alzheimer-Demenz oder einen Tumor befürchtete. Der Neurologe fand im MRT nichts und machte Stress für meine Defizite verantwortlich.

In der Woche im September, als ich zum MRT war, fand ich meinen Bruder in seiner Wohnung verwirrt und teilweise gelähmt zwischen tausenden leerer Flaschen, Kot und Erbrochenen. Der Notarzt brachte ihn ins Krankenhaus. Er war drei Wochen nicht ansprechbar, bekam tagelang andauernde epileptische Anfälle, war psychotisch, konnte nicht mehr schlucken, wurde durch eine Sonde ernährt, die Ärzte haben mich darauf vorbereitet, dass er vielleicht stirbt.

Zu sehen, was dieses Teufelsgift aus ihm gemacht hat, hat mir…. ich weiß gerade nicht, wie ich es ausdrücken kann, was in mir vorging. Ich fing an, mich noch intensiver mit dem Thema Alkohol zu beschäftigen und plötzlich sehe ich alles in einem anderen Licht. Es kommt mir plötlich so absurd vor, dieses teuflische Nervengift in sich hineinzuschütten. Ich wollte unbedingt damit aufhören, hatte aber Angst, auch Krampfanfälle oder eine Psychose zu bekommen. Daher habe ich den Alkohol langsam runterdosiert. Erst mal ein paar Tage nur noch ein kleines Gläschen Wein pro Tag, zum Glück ging das ohne Probleme. Dann habe ich ein paar Wochen nur noch 1 bis 2 mal pro Woche kleine Mengen getrunken. Und siehe da, der Nebel im Gehirn verzieht sich und ich brauche auch kein Schlafmittel mehr. Hatte aber ein paar Mal Suchtdruck. Den habe ich mit viel Essen und scharfen Bonbons in Griff bekommen. Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, mich vom Alkohol zu befreien. Ich überlege gerade, ob ich mal die Suchtberatungsstelle kontaktiere oder mich einer Selbsthilfegruppe anschließen soll. Ich spüre, dass der Vorsatz, nicht mehr zu trinken, noch gefestigt werden muss. Ich habe seit 6 Tagen nichts getrunken.

Das war eine laaaaange Geschichte, vielen Dank für eure Zeit und Geduld. Ich freue mich, auf den Austausch mit euch 🙂

Liebe Grüße

Blaubeere



   
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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

Liebe Leute im Forum, 

ich muss mir hier mal was von der Seele schreiben. Ich fürchte, es werden sehr schwere Zeiten auf mich zukommen. Und ich bin froh, dass ich seit knapp 8 Wochen keinen Alkohol getrunken habe, denn mit Alkohol würde ich das nicht packen und vermutlich noch viel mehr trinken. Eigentlich ist es schon schlimm genug, dass mein Bruder im Herbst fast an Delir/Covid/Enzephalitis gestorben ist, einen großen Teil seines Verstandes verloren hat und nun viel Hilfe benötigt. Er hat weder Frau noch Kinder und mein Mann und ich sind die einzigen, die ihm zur Seite stehen. Aber das steht ja schon an anderer Stelle hier im Thread.

Der eine oder andere hat vielleicht gelesen, dass unsere Silvesterparty wegen der gesundheitlichen Probleme (Diarrhö) meines Mannes ins Wasser gefallen ist. Nun muss ich aber sagen, dass er mit einigen Unterbrechungen schon seit circa 14 Jahren Blut im Stuhl hat. Solange kennen wir uns noch gar nicht. Mir hat er das jahrelang nicht erzählt. Er war immer jemand, der sich nicht gerne mit dem Thema Gesundheit beschäftigt hat. Zum Arzt ging er nur äußerst selten, und wenn doch, erzählte er nur das in seinen Augen absolut notwendige. Mein Mann arbeitete sehr viel und die Arbeit war ihm immer wichtiger als die Gesundheit. Irgendwann dachte er sich, wenn es Darmkrebs gewesen wäre, hätte er schon längst tot sein müssen und deshalb kann es eigentlich nur etwas harmloses sein. Vor circa zwei Jahren kam Durchfall dazu. Der Arzt vermutete Medikamente gegen seinen etwa zur gleichen Zeit entdeckten Diabetes als Ursache und doktorte ewig lange an der Dosierung herum, wechselte auch das Medikament, aber ohne Erfolg. Irgendwann wurde mein Mann auch aufgefordert, eine Stuhlprobe abzugeben, was er aber monatelang vor sich hergeschoben hat. Innerhalb von etwa 3 Jahren hat er 25 kg abgenommen, die ersten 10 kg sahen noch vorteilhaft aus, danach aber einfach nur krank. Von Hosengröße 34 auf 28, Model „Skinny“ und da ist noch Luft drin, weil er fast gar keine Muskeln mehr an Gesäß und Oberschenkeln hat. Mein Mann meinte, er hätte aufgrund der Ernährungsumstellung abgenommen, weil er die Cola und den Zucker im Kaffee weggelassen hat. Das habe ich nie geglaubt, denn bei seinem Alkoholkonsum konnte er eigentlich nicht ins Kaloriendefizit gelangen. In andere Defizite sehr wohl. Naja, seit ein paar Monaten trinkt er deutlich weniger, weil sein Körper es anscheinend nicht mehr will. Seit ca. 1 Jahr wechseln Verstopfung und Durchfall ab und er wird von Bauchschmerzen und üblem Druck gequält. Zeitweise ist das Ausscheiden von Kot so schwierig und schmerzhaft, als müsse er ein Kind gebären. Es scheint offensichtlich, dass es eine Engstelle im Darm gibt. Lebensqualität ist da nicht mehr viel. An manchen Tagen kann er wegen des Durchfalls das Haus nicht verlassen. Wenn wir dann doch mal irgendwo hinfahren, müssen wir die Unternehmung oft sehr plötzlich abbrechen, um das heimatliche Klo aufzusuchen. Auch ist seine Nacht oft nach 3-4 Stunden vorbei, dann geht das Abführen weiter oder der Schlafanzug muss gewechselt werden. Die Winde sind so übel, dass es oft kaum möglich ist, sich gemeinsam in einem Raum aufzuhalten. Nun hat er doch endlich eine Stuhlprobe abgegeben und vor acht Tagen das Ergebnis bekommen: sehr, sehr viel Blut im Stuhl und er soll ganz, ganz schnell zur Darmspiegelung. Dafür macht er am Montag einen Termin. Am Montag, weil das mein freier Tag ist und ich auch bei der Terminabsprache anwesend sein soll. Zwar haben wir noch keine Diagnose, aber eigentlich sind wir ganz sicher, dass es Darmkrebs ist. Seine Mutter und seine Oma waren auch beide daran erkrankt. Er hat sich für einen Krankenhausaufenthalt schon einige Schlafanzüge bestellt und auf meine Empfehlung hin GABA, da er ja ein Polytoxikomane ist und das in einer Klinik schon allein aus diesem Grund sehr hart wird. Ich hab ihm empfohlen, sich vorher runterzutrinken. Natürlich haben wir auch Angst, dass es schon längst gestreut hat und gar nicht mehr operiert werden kann. Auch ein Stoma ist für ihn eine unerträgliche Vorstellung.

Es ist sehr schwer auszuhalten, zu wissen, da muss was schlimmes sei, aber nicht zu wissen, was genau. Ich habe große Angst, ihn zu verlieren, Angst vor einer ganz schweren Zeit und auch Angst, irgendwann allein zu sein und nicht zurechtzukommen. Aber irgendwie bin ich auch froh, dass jetzt endlich was passiert, dass das endlich ans Tageslicht kommt, vielleicht auch noch geheilt werden kann oder zumindest für eine Zeit durch Medikamente die Lebensqualität noch verbessert werden kann.

Obwohl wir beide noch keine 60 sind, fiel es mir schon kurz nach unserer Heirat vor 10 Jahren schwer, mir eine gemeinsame Zukunft vorzustellen. Ich habe mich immer als Witwe gesehen 😔 Er war vor mir schon mal verheiratet und hat mit dieser Frau zwei Kinder. Manchmal erzählte er mir von dieser turbulenten Zeit. Ich habe ihm kurz nach unserer Heirat mal gesagt: „Mit dieser Frau hattest du das Leben, mit mir hast du das Sterben.“

Danke für euer Ohr ❤️

 

 



   
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cairni
(@cairni)
Mitglied
Nüchtern: 4 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 2352
 

@blaubeere Liebe Blaubeere, es schmerzt das zu Lesen und ich kann mir einigermaßen vorstellen, wie hilflos Du Dich fühlen musst.

Es mag sein, dass es in der Zukunft sehr schwer für ihn, für Dich werden wird. Wie es wirklich werden wird, kannst Du noch nicht wissen. Oft kommt es ganz anders, als wir es uns denken. Was ich damit sagen möchte: Versuche so gut es geht im JETZT zu bleiben. Versuche so gut es geht in den schönen Momenten Kraft zu tanken. Versuche so gut es geht Dir nicht jetzt schon große Angst zu machen.

Auch weiß ich, wie herausfordernd es sein kann.

Du hast eine große Chance, Deinem Mann so nahe zu sein, wie nie zuvor. Denn durch die nächste Entwicklung könntet ihr viel mehr auf den Punkt (des Lebens, Eurer Liebe/Zuneigung, eurer Gegenwart) kommen. Das kann so sehr bereichernd sein.

Ich schreibe Dir das, nachdem ich zwei Nächte im Hospiz verbracht habe, weil meine Freundin es sich gewünscht hat und ich ihr im Vorfeld angeboten habe. Wir sind uns so nahe gekommen, in einem direktem Austausch, ohne drumherum zu reden, so dass wir uns gegenseitig bedanken konnten, für alles, was wir uns in den letzten Monaten gegeben haben. Ein echtes Geschenk, von dem ich so so so viel gelernt habe ❤️ 

Und wenn ich ganz genau Deinen Bericht lese, steht darin, dass Dein Mann sich für diesen Weg entschieden hat. Er hätte ja bereits vor längerer Zeit sich anders verhalten können und hat es nicht getan. Vielleicht kannst Du versuchen, Dir diesen Gedanken immer wieder bewusst zu machen, denn Dein Mann ist alt genug und wir tragen die Verantwortung für unser Handeln.

Ich schicke Dir liebe Grüße, wenn Du magst eine Umarmung und mache Dir hier gerne Luft, schreibe.

Sandra



   
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christian
(@christian)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 292
 

@blaubeere Es erschüttert mich und macht mich betroffen diese Geschichte von Dir zu lesen. Die Angst vor der Zukunft mit all den noch nicht absehbaren Herausforderungen kann ich nachvollziehen und hätte ich genauso.

Es war eine mutige und kluge Entscheidung deine Geschichte hier zu teilen und nicht alleine damit zu bleiben. Sehr klug. Und ich will Dir sagen, warum ich das meine:

Vor einigen Jahren hat eine liebe, alleinstehende Freundin die Diagnose Krebs bekommen. Schulmedizinische Behandlung mit Chemo/Bestrahlung und den Nebenwirkungen. Sie hat sich während der schweren Zeit 13 Krieger/-innen (ihre Worte, man könnte auch Freund/-innen sagen) an die Seite gestellt und sie ersucht während dieser Zeit unterstützend an ihrer Seite zu stehen. Und da ging es nicht um praktische Dinge, sondern darum ihre Angst, Verzweiflung, Hoffnung, Schmerzen, Erlebnisse teilen zu können. Meist genügten ein paar Telefonate, ein "wie geht's dir?", manchmal ein Besuch (den sie selten wollte) um den emotionalen Berg etwas abladen zu können und damit Erleichterung zu erfahren. Die Vereinbarungen die sie zu Beginn der Behandlung abschloss, waren für sie hilfreich und auch für die 13 Menschen, die ihre Aufgabe kannten und damit nicht hoffnungslos überfordert waren und sich vielleicht deshalb zurückgezogen hätten. Es ist so wichtig sich auch in seinem Schmerz wahrgenommen zu fühlen!

Vielleicht kann dieses Forum ein Krieger, eine Kriegerin an deiner Seite sein. Und vielleicht fallen Dir auch Menschen in deiner Umgebung ein, die Du um ihr Ohr und ihre Aufmerksamkeit für die nächste Zeit bitten kannst.

Ich wünsche Dir alles Gute und viel Kraft.



   
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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

@cairni Danke, liebe Sandra für dein Mitgefühl und deine hilfreichen Worte. Du bist ja gerade sehr nah dran an diesem Thema. Stimmt, es ist jetzt viel besser in der Gegenwart zu bleiben als in Gedanken irgendwelche Horrorszenarien zu durchleben. Es ist wahr, dass mein Mann sich so entschieden hat. Unsere Mitmenschen hatten oft wenig Verständnis dafür, dass ich seinen ungesunden Lebenswandel einschließlich Arztvermeidung so gelassen (zumindest äußerlich) hingenommen habe, aber ich war der Meinung, jeder hat ein Recht auf Krankheit. Er wollte lieber kürzer und intensiver leben als mit Verzicht länger. Er hat gegessen, getrunken und geraucht was ihm geschmeckt hat, egal ob gesund oder ungesund. Ich habe ihn damals nicht als Asket kennengelernt und trotzdem „ja“ gesagt, also dürfte ich jetzt nicht aus den Wolken fallen. Aber man denkt ja auch an solche Leute wie z.B. Helmut Schmidt, der es nicht geschafft hat, sich totzurauchen, und hat ein bisschen Hoffnung, der Gatte könnte auch so einen Wunderkörper haben.

Ich wünsche auch dir viel Kraft bei der Begleitung deiner Freundin.



   
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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

@christian Danke, lieber Christian, dass du diese Geschichte erzählt hast. 13 ist übrigens meine Glückszahl. Ich wüsste zwar nicht, ob ich wirklich 13 Kriegerinnen an meiner Seite hätte, da ich ziemlich zurückgezogen lebe und u.a. aufgrund des Alkoholkonums einige Beziehungen vernachlässigt habe, aber wenn es auch nur halb so viele sind, hilft das sicherlich sehr. Ja, ich spüre, dass es jetzt wichtiger ist denn je, die Nähe zu Menschen zu suchen. Ich stimme dir zu, dass auch das Forum so ein Krieger sein kann. Ich lese ja viel mit und staune immer wieder, wie sehr einige Menschen hier auf den anderen eingehen. Da kommen nicht nur so abgedroschene Floskeln sondern man merkt, dass man sich gedanklich intensiv mit den Problemen des anderen beschäftigt und vieles nachfühlt. Mag zum Teil auch daran liegen, dass fast alle hier nüchtern sind. Wenn man sich in der Stammkneipe ausheult, heult bestimmt jemand mit, aber der wird sich am nächsten Tag kaum erinnern.



   
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christian
(@christian)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 292
 

@blaubeere Unterschätze die Güte des Menschen nicht. Würdest Du jemanden abweisen, der Dich ersucht: "Es kommen schwierige Zeiten auf mich zu. Können wir einmal die Woche telefonieren und Du hörst mir nur zu? Ich will keine Tipps und keine Ratschläge. Nur zuhören und dass Du mir am Ende sagst, dass ich das gut und richtig mache."?

Du darfst Dich anderen zumuten. Das ist dein Recht.

Vollkommen richtig: Menschen unter Drogeneinfluss sind als Stütze nicht geeignet. Die Qualität des Forums hast Du schon selbst beschrieben. Da gibt es für mich nichts hinzuzufügen.



   
2
AntwortZitat
blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

@christian da hast du ins Schwarze getroffen. Das hat vor einiger Zeit meine Therapeutin versucht, mir einzuhämmern: 

1. Es gibt viel mehr hilfsbereite Menschen, als ich denke.

2. Ich muss auf die Leute zugehen und um Hilfe bitten.

Gut, dass du mich daran erinnerst.



   
2
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(@alex7)
Mitglied
Nüchtern: 3 jahre
Beigetreten: Vor 3 Jahren
Beiträge: 676
 

liebe blaubeere, hier werden am Montag ganz ganz viele Daumen für dich und deinen Mann gedrückt sein, das verspreche ich dir. 

Versucht, wenn ihr mögt, die Zeit bis dahin zu füllen, sodass die Gedanken daran vielleicht ein wenig weichen können. Ich wünsche und schicke euch ganz viel Kraft.

Liebe Grüße an euch beide



   
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blaubeere
(@blaubeere)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 114
Topic starter  

@alex7 Danke, mir wird ganz warm ums Herz 🥺



   
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(@ausgeschiedenes-mitglied)
Mitglied
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 5128
 

@blaubeere Liebe 💕Blaubeere,  dein erschütternder Bericht ist traurig und macht mich sprachlos und ein ganz kleines Bisschen ärgerlich.  Diesen Werdegang muss man beim Stand der heutigen Wissenschaft eigentlich nicht gehen.  Aber darüber zu urteilen steht mir nicht zu und fasse es bitte nicht so auf. Wir haben ja Jahrzehnte lang unserem Körper mit dem Saufen auch an seine Grenzen gebracht.  Ich drücke deinem Mann die Daumen ✊ für eine weiche Landung und dir ganz viel Kraft für die Dinge,  die eventuell kommen können.  Ich drücke dich ganz ganz fest 😘🤗 

Kerstin 



   
1
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