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Moin aus Hamburg,
Andy, 53, adipös, schrecklich aussehend, unehrlich und verlogen sucht: Suchtfreiheit zum Mitreisen...
Der schräge Einstieg offenbart meine offensichtlichsten Mängel (Nein, der Name und das Alter sind ok). Mangel an Selbstwert mit Kompensationsdruck in allen Süchten welche die Mund-Hirnschranke nicht aufhält. Zuviel von allem essbaren sowie vorzugsweise trockenem Roten ab 13%. Seit rund 20 Jahren. Single aus frust nach der letzten Beziehung - seit 18 Jahren. Offensichtlicher Zusammenhang reiner Zufall. Noch immer Single, weil jetzt Sucht der neue Partner ist. Und treu war ich immer. Unabwendbares Ergebnis bis hierhin: 216kg fleischgewordene Unansehnlichkeit mit Bluthochdruck wogegen die im Schnitt zwei Flaschen Cabernet Sauvignon auch nicht geholfen haben. Null Bewegung weil jeder Schritt eine Mühsal ist, dafür lieber noch schick essen. Achja und natürlich saufen. Aber nie vor 18h. Nja, ausser am Samstag. Da gern auch schon mal früher. Aber nie vor 15 Uhr. Das machen nur die Süchtigen... dachte ich. Dachte ich das wirklich? Bin ich nicht gerade über die 12 leeren Flaschen gestolpert die ich in der letzten Woche vernichtet habe. Könnte da was nicht stimmen mit mir?
Nur eben noch kurz warten bis es dunkel ist - dann schnell zum Auto und die leeren Flaschen entsorgen fahren. Aber nicht im Container um die Ecke. Da fahre ich lieber 7km zu einem Andern. Nicht weil ich beim Entsorgen nicht von möglichen Gassigehern aus der Nachbarschaft gesehen werden möchte (Hallo, nein nicht was sie denken, das hat sich über Sommer angesammelt, dann schönen Abend noch). Keinesfalls. Sondern weil der Container 7km weiter gleich auf dem Parkplatz des Dealers meines Vertrauens stand. Praktisch, denn so konnte ich die beiden soeben geleerten 6er-Träger (extra aus Filz bei Amazon bestellt - da schlagen die Flaschen nicht so gegeneinander wenn man seinen Wochenvorrat heimlich des Nachts aus dem Auto ins Haus schleift) direkt wieder von ihrer jämmerlich anmutenden Leere befreien und mich von der Befürchtung, die Tage nichts zum saufen zu haben. Chips und Süsses, etwas Alibigemüse und Obst (wobei Chips und Süsses eher das Alibi waren weil ich ja für eine Party einkaufe - nicht jetzt für mich allein natürlich) und ab in die Dunkelheit nachhause. Dort dann kurz Überblick verschaffen. Will mir ja die akustischen Vorüberlegungen (Filzträger) nicht durch einen visuellen Lapsus zunichte machen. Niemand zu sehen, dann flott geschmeidig Beute ins Haus hieven und erstmal zu Luft kommen. Bewegung für mich anstrengend. Und damit das auch so bleibt wird dann Salzgebäck und ein "Fläschchen" vor den Fernseher gezerrt und der Abend hernach feierlich in die Betäubung geritten. Wieder einmal. Süchtig? Quatsch, ich Sauf nie vor 18 Uhr. Am Abend mal ein, zwei (zuletzt immer zwei) Fläschchen. Ausser wenn ich mal besonders gut drauf war an einem Samstag wo 15Uhr das neue werktägliche 18 Uhr war. Da war mir die Zeit mit zwei Buddeln Vino bis zum Schlafengehen zu lang. Die entstandene Lücke konnte ich aber pflichtbewusst mit einer dritten Flasche füllen. Kein Problem. Und der fehlende Kater am nächsten Morgen war der Beweis: nicht süchtig. Passt noch Alles.
Bis, ja bis ich an einem Tag plötzlich heftige Luftnot bekam. Ich stieg ins Auto ein und mich überkam plötzlich das extrem beängstigende Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. So heftig dass ich direkt wieder aussteigen musste und mich erstmal in ein Position bringen die mir das Atmen erleichtert hat. Zuhause erstmal Blutdruck gemessen, war aber im Rahmen der üblichen Werte. Den Tag über ging es dann. Aber am Abend wieder so ein beklemmendes Gefühl, panikattackenartig. Im stehen verflog die Atacke wieder und ich bekam es mit der Angst zu tun. Wie im Fettpanzer gefangen ohne Chance diesem zu entkommen. In diesen Panikmomenten fand ich mich auch am Folgetag wieder und mein Gedanke war: wenn Du jetzt den Notarzt rufst und er dich ins Krankenhaus einweist bist Du fällig. In demselben Moment hab ich, von der Panik im Klammergriff, entschieden nichts mehr zu saufen und sofort anzufangen meine Ernährung auf Normalmass zu reduzieren. Und noch in dieser Nacht eine Maschine Unterhosen, Socken und T-Shirts zu waschen - falls doch die Einweisung ins KH kommt wollte ich vorbereitet sein...
Das war vor genau einer Woche und einem Tag. 7,6 Kg sind auf der Waage schon als Verlust zu vermelden und der Alkohol ist weggeblieben. Die Panikattacken haben mich noch die ersten Tage begleitet um ja nicht an Fressen oder Saufen zu denken. Aber seit 2 Tagen sind die noch nicht wieder aufgetreten.
Meine Panik und Patric Heizmann im Interview mit Gaby Gutzek führten mich auf das Buch Alkohol adé welches ich dann sogleich auf den Kindle lud und zu lesen begann. Toll, ich fühlte sofort dass es für mich geschrieben war. Das Buch hab ich bis zu dem Guzek-Protokoll gelesen und mich gestern hingesetzt um sämtliche Nahrungsergänzungsmittel zu bestellen. Insgesamt 450,- für Pillen und Pulver hat mich erstmal umgehauen. Aber Moment mal - 150 EUR fürs Saufen und nochmal soviel fürs Fressen, für nur eine Woche, das hat mich irgendwie nie umgehauen... Das Suchtgehirn muss umlernen merke ich. Eine heute erstmals aufkommende Unruhe (eine Freundin hat ihren Geburtstag gefeiert, es floss Alkohol aber zum Glück an mir vorbei) schreibe ich mir gerade mit diesem Text vom Leibe und hoffe es bis zum Eintreffen der NEMs durchzuhalten.
So, das sollte jetzt nur mal eine knappe Notiz zu mir sein damit ihr in etwa wisst wer ich so bin.
Liebe Grüße und gute Nacht, Euer Andy
Moin, moin, lieber Andy,
ein sehr herzliches Willkommen hier im Forum und Danke für Deinen tollen Text, Deine Vorstellung.
Ich bin sicher, Du hast ja bereits verstanden, woher Deine Panikattacken kamen und auch der Heißhunger auf Chips & Co.
Auch 200 Kilo können schwinden, alles nur eine Frage der Zeit. Zeit hast Du jetzt. Zeit, Dich mit dem zu beschäftigen, was Dir gut tut. Glückwunsch zum Entschluss, abstinent zu leben.
Fühl Dich wohl hier bei uns. Bei Fragen sind wir hier jederzeit für Dich da.
beste Grüße
Gaby
Super, dass Du mit uns kommst, auf unserem Weg in die Freiheit 😊
herzlich willkommen!
Herzlich willkommen, Andy ! Sehr plastisch, ehrlich und eindringlich hast du deinen Kampf mit dem Alkohol und deinen Ausstieg beschrieben. Dass du weitermachst und nach und nach erfährst, wie herrlich und befreiend das Leben ohne Alkohol ist, das wünsch ich dir von Herzen.
Hi Andy, coole Vorstellung, willkommen hier!
Schön, dass Du durch das Video zu uns gefunden hast, das hab ich mir so gwünscht, dass es noch möglichst viele Leute anspricht...
Der Anfang ist gemacht, jetzt heißt es, am Ball Bleiben.
LG, Josefin.
@gaby_guzek Danke und Fragen kommen sicher noch mehr auf. Heute bin ich schon wieder etwas ruhiger. Zum einen ist der Geburtstag vorbei und zum Anderen kommen heute die ersten NEMs. Leider die so ersehnten GABA/Glycin Sticks noch nicht....
LG von Andy
@harley Danke, naja, der Text hier war wohl das Ehrlichste in den letzten Jahren. Viel Lügen um den Alkoholkonsum zu verschleiern bis hin zu Ausreden warum ich mich mit Freunden und Familie nicht treffen kann. In diesem Jahr hatte ich dazu schon zweimal einen positiven Coronatest bemüht um Verabredungen noch absagen zu können. Und das ganz ohne einen Test gemacht zu haben...
LG Andy
@soberrebel Danke, das hoffe und glaube ich auch
LG, Andy





