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Ich bin seit ca. 4 Wochen Mitglied im Forum und möchte mich heute gerne vorstellen. Es ist heute bereits mein zweiter Forumsbeitrag, der erste war in der ZEIT, die bei ZEIT+ einen guten Beitrag zur Alkoholkrankheit hatte (drei mittlerweile abstinent lebende Betroffene erzählen von ihrer Alkohol“karriere“) und ich habe dort vom Konzept von Alkohol adé im Kommentar berichtet und wie es mir hilft und mich unterstützt. Ich bin selbst baff erstaunt, dass die gedankliche Basis des ‚Alkohol adé‘-Konzepts (Alkoholismus ist eine Stoffwechselkrankheit und nicht zwingend eine psychische Krankheit) für mich DER Schlüssel ist, mit dem ich die Tür zum Alkohol und damit zu einer mir schadenden Lebensführung so viel leichter zuschließen konnte, als ich es mir vorher ausgemalt hatte.
Es zeigt mir auch, dass alles seine Zeit braucht. Ich kenne das Buch Alkohol adé schon seit über einem Jahr, hatte darin kurz geblättert und es wieder zu gemacht. Da war ich noch mitten in meiner aktiven Suchtphase. Da wollte ich gar nicht aufhören. Ich erkannte zwar schon längst, dass ich ein Problem habe, schwankte aber zwischen Bockigkeit (Ich höre nicht auf! Dazu trinke ich Alkohol auch zu gerne!) und Verzweiflung (Ich schaffe das eh nicht! Ich bin zu schwach! Ich bin zu blöd!).
Ich bin 52 Jahre alt, verheiratet und erhalte Erwerbsminderungsrente. Letzteres, weil ich von einem sehr stressigen Job, in dem ich wie der chinesische Tellerdreher mehrere Projekte gleichzeitig wuppte und außer arbeiten – und dann irgendwann dann auch dabei trinken – nichts anderes mehr tat. Von 9 Uhr morgens bis Mitternacht im Büro und dann noch zu Hause am Küchentisch weitergemacht. Irgendeine Vorlage, ein Businessplan, eine Analyse musste immer noch gemacht werden. Mein Chef sprach mich 2011 ganz offen darauf an, ob ich ein Alkoholproblem hätte und schickte mich zu einer Ärztin, die mich in eine Klinik zum Entzug einwies. Ich war damals überhaupt nicht so weit, zu verstehen, welche inneren Prozesse bei mir ablaufen, ich war emotional total überfordert und so war es klar, dass ich schon am Tag nach der Entlassung wieder trank. Alkoholsucht hatte ich für mich noch nicht verinnerlicht. Ich ging dann in eine weitere Klinik, die mir mein Chef sogar bezahlte, da es sich um eine sündhaft teure Privatklinik handelte, die ich mir nicht leisten konnte. Sie war es aber auch wert: Die Oberbergklinik im Weserbergland. Einzeltherapie, Gruppentherapie etc. Danach war ich zwei Jahre abstinent, bis ich wieder in alte Muster fiel. Damals ging auch meine Depression in eine tiefe Phase und ich war nicht mehr arbeitsfähig. Mein Leben war dunkel und tieftraurig, ich konnte keine Freude mehr empfinden und zog mich komplett zurück. Nur trinken, das konnte ich noch.
Und wie beim ersten Mal nahm mich 2014 mein Chef beiseite und zeigt mir das Stoppschild. Er sorgte dafür, dass ich wieder in eine Klinik ging. Danach fiel ich in eine ganz tiefe Depression und war mehrere Monate in zwei Kliniken, darunter auch die Hochgratklinik im Allgäu, die Depression und Sucht behandelt. Dort kam ich auch mit den Anonymen Alkoholikern und ihrem Konzept in Kontakt, da das 12-Schritte-Programm einer der Behandlungsschwerpunkte der Klinik ist. Offen gesagt, ich halte davon nicht viel. Ich gebe meine Verantwortung nicht an eine „höhere Macht“ ab und ich kann auch nicht ewig Anderen zuhören, wenn sie von ihren Problemen berichten, wenn ich dazu nicht auch etwas sagen darf. Themenzentrierte Diskussion finde ich gut, nicht aber diese ritualisierten Runden voller Monologe. Ich habe aber gesehen, wie das Konzept anderen geholfen hat. Und jeder findet eben seinen Weg. Meiner war es nicht.
Seit 2011 machte ich Psychotherapie, die dann 2014 nach den erneuten Klinikaufenthalten ambulant verstärkt wurde. Da ich ja immer nur gearbeitet hatte, konnte ich zu Hause keinen Tagesrhythmus aufbauen. Alles überforderte mich. Ich weiß nicht, wie oft ich Anläufe brauchte, um die Waschmaschine mit Wäsche zu befüllen und dann anzumachen. Und dann es nicht schaffte, sie wieder auszuräumen. Mir ging es so schlecht, dass ich überhaupt keine Lust auf Alkohol hatte. Das war wenigstens das Gute in der damaligen Zeit. Nach einem Jahr in dieser ‚Nicht Fisch, nicht Fleisch-Zeit‘ lernte ich in einem Zeitfenster von neun Monaten, in denen ich an einer doppeltblind durchgeführten Studie zu einem neuen Depressionsmittel teilnahm, meinen heutigen Ehemann kennen. Ich war dauerhaft abstinent und fühlte mich jetzt auch das erste Mal so richtig wohl in meiner Haut. Mir war klar, dass ich einer der Teilnehmer bin, die das Mittel und nicht das Placebo erhalten haben, was sich später dann auch als richtig herausstellte. Ich muss dazu sagen, dass ich bis dahin 45 Jahre allein durchs Leben gestapft bin. Schon als Teenager war mir klar, dass ich nie eine Beziehung führen würde. Ich wollte Abitur machen, studieren, einen tollen Job und mein Geld selbständig verdienen und wirklich NIE abhängig von einer anderen Person sein. Das war für mich ein Glaubenssatz, den ich auch nie hinterfragt habe. Mit Hilfe der Therapien habe ich meine Probleme mit meinem Vater (er natürlich – Achtung Klischee – funktionierender Alkoholiker zeit seines Lebens) aufgearbeitet, meine Art zu leben aber als gesetzt angesehen. Nun ja, damit hatte sich mein festzementiertes Bild von mir als alleinstehende Frau in Luft aufgelöst. Und alles hätte so schön sein können. Aber dann kam langsam und schleichend der Alkohol wieder ins Spiel. In dem Maße, wie die Depression zurückwich, kam der Alkohol wieder auf die Bühne. Da mein Mann gar nicht trinkt, trank ich heimlich. Was zu Beginn ja kein Problem war, da er tagsüber im Büro war und ich zu Hause. Mit Corona kam ab März 2020 die Zeit des Homeoffice – übrigens bis jetzt. Da wurde die Heimlichkeit natürlich Pflicht. Ich trank auch anfangs nicht so viel, bin eh Spiegeltrinkerin. Und der Spiegel war lange eher niedrig. 1 Flasche Sekt über den ganzen Tag verteilt. Dann irgendwann 1,5 Flaschen und dann 2 Flaschen bis zuletzt dann 3 Flaschen. Mir wurde irgendwann im Januar klar, dass ich mich jetzt entweder zu Tode trinke (denn ich bildete mir nicht nur ein, dass meine Leber allmählich den Geist aufgeben wird) oder ich es nochmal versuche, den Alkohol aus meinem Leben zu schmeißen. Ich hatte es ja schon mal geschafft, damals aber vor dem Hintergrund der schweren Depression. Und natürlich fiel meinem Mann auf, dass ich trinke. Gleich bei unserem ersten Treffen hatte ich ihm erzählt, dass ich keinen Alkohol trinke, da ich alkoholkrank bin. Da er aber kein Suchtmensch ist, kann er das Wesen der Sucht auch nur rudimentär versuchen zu begreifen. Er ist Pragmatiker durch und durch und so haben wir die Optionen diskutiert. Mir war klar, dass ich nicht in eine Klinik gehen werde. Ich habe das alles mitgemacht und kenne mich – mittlerweile bezweifle ich einen Erfolg für mich, der aus einem Klinikaufenthalt resultiert. Da gehe ich vorne rein und hinten wieder raus. Wenn ich in noch einer Gesprächsrunde sitzen muss, trinke ich allein schon, um mich dafür zu belohnen, es hinter mich gebracht zu haben. Klinik also nur, wenn alles andere nicht helfen sollte – als letzte Möglichkeit aber in der Hinterhand. Damit stellte sich die Frage, welche anderen Möglichkeiten es denn überhaupt gibt. Mein Mann erwähnte Medikamente. Er meinte, es müsse sicherlich Alkoholiker geben, die letztendlich vom Alkohol losgekommen sind, ohne dass sie täglich zu Gruppensitzungen pilgern. Ich muss gestehen, dass in all den Kliniken genau einmal ein Betroffener erzählte, dass er Tabletten genommen hat, die ihm helfen sollten, das Suchtgefühl zu unterdrücken. Er hatte jedoch das Mittel genommen und zusätzlich dazu getrunken. Was natürlich kontraproduktiv ist. Sonst nada – nie von einer medikamentösen Unterstützung gehört.
Wir sind also gemeinsam zu meiner Hausärztin. Die schaute mich mit großen Augen an und meinte, da hätte sie keine Ahnung. Ich solle doch zu meiner Neurologin, die sei ja auch meine Psychotherapeutin. Die könnte das sicherlich verschreiben. Und so war es auch. Sie hat mir Campral verschrieben. Da saß ich dann zu Hause und lies die Schachtel erstmal zwei Wochen unangetastet im Schrank. Innerlich brauchte ich auch die zwei Wochen, um loszulassen und mich gedanklich vorzubereiten. Und dann fing ich Mitte März an. Morgens die ersten beiden Tabletten. Kein Suchtdruck. Bisher hatte ich wirklich rund um die Uhr getrunken. Also auch nachts, wenn ich aufwachte. Meine Lieblingszeit war es, nachts zwischen drei und vier Uhr aufzustehen und gemütlich auf dem Sofa das erste Glas Sekt zu nuckeln. Durch mein relativ starkes RLS (Restless Legs Syndrom; es ging 2014 los, als ich begann, Antidepressiva einzunehmen und ging leider nicht weg, als ich die Einnahme Jahre später beendete) kann ich eh nicht lange schlafen. Mittags die nächsten beiden Tabletten. Kein Suchtdruck. Abends die letzten zwei Tabletten. Nicht der Hauch eines Suchtdrucks. Erfreutes Erstaunen. Wahnsinn!
Am darauffolgenden Tag begann ich, mich nochmal in die Materie einzulesen. Hatte ja jetzt Zeit (da nicht ständig mit der Beschaffung von Sekt abgelenkt) und einen klaren Kopf. Ich sichtete, was ich in der Vergangenheit so an Büchern auf meinem Kindle zu Alkohol gekauft hatte. Dann, wenn ich im Suff mal wieder loskommen wollte, am nächsten Tag dann aber natürlich nicht reingeschaut hatte. Es ging also um eine Bestandsaufnahme. Und siehe da, ich hatte unter anderem das Buch Alkohol adé. Hatte mir genau vor einem Jahr mein Chef empfohlen. Er ist, anders als ich (es bisher war), ein absoluter Nahrungsergänzungsmittelfan und hatte mir damals von GABA, Niacin und Vitamin D vorgeschwärmt. Daher hatte ich das Buch. Witzig. Damals hatte ich es natürlich überhaupt nicht wirklich wahrgenommen. Jetzt aber schaute ich rein und las es in einem Rutsch durch. Und in dem Buch wird das Medikament Campral erwähnt. Dass es im Grunde aus zwei Bestandteilen besteht: einer größeren Menge Kalzium und der Aminosäure Taurin. Mehr nicht. Und damit machte es BUMM! bei mir im Kopf. Der berühmte HEUREKA-Effekt. Ich merkte ja an mir selbst, dass es stimmt. Das Konzept funktioniert offensichtlich. Und damit bestellte ich mir die NEMS, ging nochmal zu meiner Ärztin, schilderte ihr meine Erkenntnis und sie befürwortete das Vorgehen. Sie bat mich sogar, ihr nähere Infos zuzusenden, da ich natürlich nicht die einzige Frau bin, die bei ihr in Behandlung ist, die ein Alkoholproblem hat. Das alles hat mich bestärkt. Ich nehme jetzt seit zwei bis drei Wochen die NEMs wie vorgeschlagen und mir geht es damit sehr gut. Ich empfinde Freude am Leben, falle morgens mit Energie aus dem Bett und bin ausgeglichen und stabil. Da ich meinen Sekt oft auch genossen habe, denke ich ab und an in manchen Situationen noch an ihn bzw. an das Gefühl, das er ausgelöst hat. Aber mit dem Wissen, was da alles in meinem Oberstübchen an biochemischen Vorgängen abläuft, wenn ich wieder Alkohol trinke, fällt es mir jedenfalls bis jetzt relativ leicht, darauf zu verzichten. Ich nehme dann manchmal ein GABA Stick und belohne mich damit.
So, das war jetzt aber eine lange Vorstellung. Sorry, wenn ich mal anfange, dann fließt es quasi raus aus mir. Ich danke denen, die es bis hierhin geschafft haben, fürs Mitlesen. Herzliche Grüße, Toscanelly
@soberrebel Danke, Danke:-) Es ist so toll für mich mit euren Posts und Kommentaren hier im Forum zu sehen, dass es tatsächlich funktioniert. Und damit fühle ich mich nicht mehr so allein. Eine schöne Erfahrung. Herzliche Grüße, Toscanelly
Lieber Rumpel, es ist doch immer wieder erstaunlich, wie oft sich doch die Wege gleichen. Ich dachte wirklich, total naiv, dass die bisherigen Wege, die ich gegangen bin (und es waren ja nicht wenige), um den Alkohol aus meinem Leben zu schmeißen, die einzig möglichen sind. Dass es da nichts anderes mehr gibt und nachdem der übliche und quasi als DIN-Norm bezeichnete Weg mit den üblichen Selbsthilfegruppen nichts für mich ist, muss ich meine Alkoholkrankheit dann eben ganz allein mit mir ausmachen. Ein echtes Dilemma, für das ich im Grunde über Jahre keinen Ausweg sah und erst jetzt mit ganzer Kraft nochmal einen Anlauf gewagt habe. Und siehe da, es kommt so viel Gutes auf mich zu und es ist so, als habe ich das passende Eckchen für mich gefunden.
Ich kann mich noch an eine Therapie bei der Integrativen Suchtberatung der Caritas 2011 erinnern. Zwei junge Therapeutinnen, natürlich ohne persönliche Suchterfahrung, die von oben herab auf uns arme Sünder blickten. Diese unterschwellige Stimmung, die mir und auch den anderen Teilnehmern zu verstehen gegeben hat, dass wir zu schwach sind, dass wir nur ganz tief fallen müssen, damit man uns wieder aufhilft und dann wird alles gut, das hat mich so abgestoßen. Und wenn es nicht klappt, dann sind wir daran schuld. Haben uns nur nicht genug bemüht. Und ich Dödel habe brav alles mitgemacht. Damals lagen meine Nerven auch noch richtig blank und manche Sitzungen waren wie ein Spießrutenlauf. Als ich dann einen Rückfall hatte und nach einiger Zeit das auch gestand (ich fühlte mich gemaßregelt, wie ein Grundschüler, der mal wieder alles falsch gemacht hat, so dass ich den Rückfall zuerst verschwieg), hieß es, ich könnte nicht mehr an der Therapie teilnehmen. Und ich kann mich noch erinnern: Ich schaute die Therapeutin an und meinte, nur: Echt jetzt? Ich bin draußen? Sie bejahte. Und ich weiß noch: Genau in dem Moment fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Ich war so froh, da nicht mehr hin zu müssen. Das war noch die Zeit, da habe ich einfach alles mitgemacht und gar nicht hinterfragt, ob das auch für mich geeignet ist, ob ich das sinnvoll finde. Ich machte alles mit und dachte, das muss so sein und dann wird es auch helfen. Machen ja alle so. Dann ist das eben auch so. Und bei mir dauert es eben länger oder es liegt an mir, dass es nicht klappt. Pustekuchen. Ich hatte die zwei Damen total vergessen. Sie sind mir gestern auf einmal wieder eingefallen. Denn die eine meinte beim Abschied mit ganz sorgenvoller Miene, dass ich es allein sicher nicht schaffen würde und ich daher irgendwann einfach wiederkommen würde. Und ich war mir damals schon ganz sicher, dass ich dort auf keinen Fall mehr auftauchen würde. Einfach gruselig.
Für mich ist es, wie auch bei Dir und den zahlreichen anderen Forumsmitgliedern, das Konzept von Gaby und Bernd, das bei mir angedockt hat. Es passt wie angegossen zu mir und ich bin zuversichtlich, dass es auch dauerhaft so bleibt. Und selbst wenn ich einen Rückfall haben sollte, von dem ich gar nicht ausgehe, wüsste ich jetzt immer, mit welcher Hilfe ich es schaffe, erneut die Finger vom Alkohol zu lassen.
Liebe Grüße, Toscanelly
Liebe Emski, besten Dank für Deine lieben Worte. Ja, die Osterfeiertage waren schön und auch trocken. Zum Glück trinkt mein Mann ja gar keinen Alkohol, so dass wir keinen zu Hause in irgendwelchen Schränken gebunkert haben. Und meine Mutter, die in der Etage unter uns wohnt, liebt ihren Likör. Der reizt mich so gar nicht. Da gerate ich erst gar nicht in Versuchung. Und glücklicherweise macht es mir nichts aus, andere beim Trinken zu sehen. Da ich eh nur heimlich und damit alleine getrunken habe, ist das kein Trigger für mich. ich trinke jetzt literweise Tonic Water in allen Geschmacksrichtungen und das gerne noch mit einem kleinen Spritzer vom alkoholfreien Bitter von Monin.
Übrigens hast Du recht, mein Chef ist tatsächlich der Hammer. War er schon immer. Er handelt nach dem Motto: Wenn es ein Problem gibt, packt man es an, um es zu bewältigen. Wenn nötig auch in mehreren Anläufen, falls die ein oder andere Lösung nicht so wirkt wie vorher gedacht. So haben wir es seit 2005, als ich bei ihm begonnen habe, immer in der Zusammenarbeit gehalten und so hat er auch meine Alkoholkrankheit betrachtet. Mir selbst fiel das nur schwer und ich kam gar nicht so schnell auf der persönlichen Ebene mit. Denn na klar, mir ging es ja schlecht. Ich habe zwar funktioniert, was die Joberfordernisse anging, aber ich selbst blieb auf der Strecke. Und hatte natürlich den notwendigen Abstand nicht - wie auch? Da kam eben viel zusammen. Ich arbeite übrigens für spezielle Aufträge auf Minijobbasis immer noch mit ihm zusammen.
Herzliche Grüße
Toscanelly
Danke. Ich fühle mich auch sehr willkommen.:-)
Beste Grüße, Toscanelly
Danke. 🙂 ich fühle mich im Forum ganz lieb willkommen geheißen.
2 Jahre ist ein toller Erfolg. Ich hoffe, dass ich das auch schaffe. Ich habe mir vorgenommen, regelmäßig zu posten, wie es mir geht, welche Hindernisse ich wie überwunden habe und wie ich mein Leben ohne Alkohol wieder für mich entdecke. Allein das klare Bewusstsein und die Wachheit, mit der ich gerade durch den Tag stapfe. Einfach schön.
Herzliche Grüße, Toscanelly
Läuft bei Dir 😀 Einfach klasse. Nochmal Glückwunsch! Zu Deinen Fragen
Restless Legs
Die sind letztlich ja Symptom eines Dopaminmangels (deshalb ja das Levadopa). Die Kette der Dopaminsynthese ist: Phenylalanin --> Tyrosin --> L-Dopa --> Dopamin. Durch das L-Dopa liefert man dem Körper also quasi die alllerletzte Stufe vor dem Dopamin. Nun ist die Frage, warum er nicht selbst ausreichend selbst davon produziert.
Erklärung 1: Ihm fehlen die Bausteine dazu. Das kann die zu Grunde liegende Aminosäure sein (vom Grundsatz her also Phenylalanin). Frage: Nimmst Du die ein und wenn ja, wieiviel davon und wann am Tag?
Erklärung 2: Es fehlen die sogenannten Cofaktoren. Also Nährstoffe, die die körpereigene Synthese von Dopamin überhaupt erst ermöglichen (etwa, weil sie wiederum Bestandteil von wichtigen Enzymen sind, die diese chemischen Prozesse anschieben). Cofaktoren für die Dopaminsynthese sind: Vitamin C, Zink, Kupfer, Eisen, Magnesium, Vitamin B6 (von letzterem die chemisch aktive Form, das p5p).
Wenn Du es ganz genau wissen willst, dann kannst Du diese Nährstoffe (auch den Phenylalaningehalt) im Blut checken lassen. Ich wage leider nur vorher zu sagen, dass Deine Hausärztin damit heillos überfordert sein wird. Es sei denn, sie hat Lust, sich da mal einzulesen. Allein die Bestimmung von p5p statt dem konventionellen Vitamin B6 malt 99 Prozent aller Ärzte ein Fragezeichen ins Gesicht.
Noch wilder würde es werden, wenn Du sie bitten würdest, die Aktivität der Tyrosin-Hydroxylase zu bestimmen. Das ist das Enzym, das gebraucht wird, um Tyrosin in Dopamin umzuwandeln. Der klasssische Schulmediziner kennt nur "Enzym kaputt" (dann Patient krank, hat Phenylketonurie) oder "Enzym funktionert, Patient gesund." Dass so ein Enzymsystem auch Graustufen hat, gehört für die meisten Ärzte schon in den Bereich Märchen. Aber so schwer ist das eigentlich gar nicht zu verstehen. Es gibt "faule" Enzymsysteme, die funktionieren halt schon, nur nicht flott.
Nach Auffassung der Nährstoffmedizin ist die Lösung dazu: Überschwemme das System mit den nötigen Cofaktoren (also den Helfer-Nährstoffen), damit die faulen oder zahlmäßig zu gering vertretenen Enzyme wenigstens ordentlich arbeiten können.
Nach meiner bescheidenen Meinung ist dies eine Erklärung dafür, warum viele RLS-Betroffene davon berichten, dass es ihnen mit Magnesiummengen viel besser geht, die andere Menschen sehr zuverlässig 24/7 in die Porzellanabteilung verbannen würden.
Dann wäre da noch das Vitamin D. Wobei der Name "Vitamin" ja eigentlich irreführend ist, es ist ein Hormon. Vitamin D reguliert quasi den Dopaminhaushalt. Ist so eine Art "An-Aus-Schalter." Wenn da was fehlt, ist das auch schwierig. Den D-Spiegel zu bestimmen, das kriegt Deine Hausärztin bestimmt hin.
Somit hast Du jetzt eine Liste von Dingen, die Du bestimmen lassen kannst. Ich hoffe, Deine Ärztin zieht mit.
Leberwert
Ich möchte Dir keine Angst machen, davon bin ich weit entfernt. Ich würde allerdings die Leber-Sonografie machen. Wenn sie Dir schon angeboten wird, mach es. Es ist ein Irrglaube, dass eine Leber gesund ist, wenn der Gamma GT passt. Es gibt (leider) alkoholisch geschädigte Lebern, bei denen zeigt sich das nicht an diesem Wert. Geh hin und lass gucken.
Nebenbei: Die aminosäure-ähnliche Substanz N-Acetylcystein wird nicht nur sogar in der Intensivmedizin eingesetzt, um geschädigte Lebern zu retten. Sie kurbelt gleichzeitig auch die Dopaminproduktion an (stimuliert die dopaminproduzierenden Zellen). Klingt wie ein echter Kumpel für Dich :-).
Liebe Grüße
Gaby
Zum Restless Legs Syndrom kann ich gerne schildern, wie es sich bei mir ausgeprägt hat und wie ich jetzt damit umgehe.
Das Restless Legs Syndrom ist eine weit verbreitete Krankheit. Aber nahezu unbekannt. Die Bezeichnung für die Krankheit gibt es erst seit Mitte der 90er Jahre. Viele haben sie, ohne dass sie behandlungsbedürftig ist. So war es auch bei mir. Ich hatte schon als Zwanzigjährige, sobald ich mich hinlegte, an manchen Tagen ab und an Krämpfe in den Beinen. Dann habe ich die Beine ein wenig hin und herbewegt oder kurz gymnastische Bewegungen im Bett vollführt und dann war das unangenehme Gefühl weg und tauchte auch nicht mehr auf.
Das änderte sich dann im August 2014, nachdem ich 4 Monate Citalopram eingenommen hatte, ein Medikament gegen Depressionen. Ich wusste erst gar nicht, was es ist, das ich da habe, denn das Dumme ist, dass mit den unangenehmen Gefühlen in den Beinen etwas Weiteres einhergeht: der mangelnde bzw. gestörte Tiefschlaf. Es ist heute noch so, dass ich mich manchmal hinlege, einschlafe und exakt 20 Minuten später aufwache mit den Beschwerden in den Beinen. Dann stehe ich auf, bewege mich, gehe wieder ins Bett, schlafe irgendwann ein und wache prompt 20 Minuten nach dem Einschlafen wieder auf. Usw. usw. usw. Bis dann die Tabletten wirken und manchmal kann das eben dauern.
Ich war im August 2014 nach einer Woche ein nervliches Wrack, da ich gar nicht mehr in die Tiefschlafphase kam. Ich konnte sogar am Ende nicht mehr Auto fahren, weil ich mich nicht mehr konzentrieren konnte. Mit den Nerven am Ende und heulend saß ich dann bei meiner Therapeutin, die zum Glück auch Neurologin ist. Sie gab mir Levodopa, das ist im Grunde Dopamin. Das wirkte sofort gegen die Krämpfe und ich konnte schlafen. Den sog. Dopamin-Test macht man immer bei Verdacht auf das Restless Legs Syndrom. Viele Betroffene werden von ihren Hausärzten zum Orthopäden oder woandershin geschickt oder bekommen Schlaftabletten verschrieben. Irgendwann wird dann hoffentlich das RLS diagnostiziert. Es ist eine chronische neurologische Krankheit. Was sie auslöst, woher sie kommt und warum bei ihr die gleichen Medikamente (aber in viel geringerer Dosis) wirken, die auch gegen Parkinson eingesetzt werden, das weiß man noch nicht. Ich bin im RLS-Verband Mitglied und erhalte regelmäßig die aktuellen Infos aus Wissenschaft und Forschung. Leider machen die Pharmafirmen eher einen großen Bogen darum und auch die Fachärzte, also die Neurologen, beschäftigen sich nicht sehr intensiv damit. Klar, unter den neurologischen Krankheiten gibt es schwerwiegendere Formen. Dennoch ist die Krankheit bei manchen Betroffenen sehr stark ausgebildet. Vom Verband kenne ich tatsächlich Erzählungen über Mitglieder, die sich umgebracht haben.
Mithilfe der Medikamente habe ich es halbwegs gut im Griff. Wie gesagt, die wirken nicht immer so, wie man es gerade braucht und wann man es sich wünscht. Ich musste schon mal aus dem Kino oder aus der Oper, weil ich nicht mehr sitzen konnte und meine Sitznachbarn mit meinem Herumhampeln genervt habe. Ich habe mir angewöhnt, die Beschwerden gelassen anzunehmen und mich nicht hineinzusteigern. Alles andere ist auch kontrakproduktiv. Also stehe ich nachts auf, puzzle, lese, laufe herum - sobald ich etwas anderes mache, als ruhig zu liegen, verfliegen die unangenehmen Beschwerden. Nun habe ich das Glück, dass ich als Erwerbsminderungsrentnerin nicht jeden Morgen regelmäßig früh aufstehen muss, um dann 8 Stunden im Büro zu arbeiten. Das schließe ich für mich aus. Nach einer bestimmten Zeit wäre ich am Ende. Ich habe das Glück, dass ich mir mein Leben rund um meine Krankheit herum ausrichten kann. Das weiß ich sehr zu schätzen.
Die Krankheit ist übrigens in der Regel vererbt. Und als ich im weiteren Familienkreis davon berichtet hatte, kam von allen Seiten die Aussage: "Ja, klar, das kenne ich. Habe ich auch. Ach was, das ist eine Krankheit?" Viele Tanten von mir haben RLS und bei meiner 86jährigen Mutter, von der ich es habe, ist es erst im letzten Jahr wirklich "ausgebrochen". Vorher hatte sie keine Probleme damit. Mittlerweile muss auch sie Medikamente dagegen nehmen.
Wenn ich also heute in eine Klinik müsste, würde ich mir ein Einzelzimmer nehmen. Habe deswegen extra so eine Zusatzversicherung abgeschlossen. Ich mache sonst alle Bettnachbarn mit meinem nächtlichen Gehampel und den Verrenkungen im Bett und dem häufigen Aufstehen verrückt. Mein Mann ist glücklicherweise ein Tiefschläfer und hat sich längst daran gewöhnt, dass ich manchmal die Nacht zum Tag mache.
Also, alles in allem lebt es sich ohne RLS deutlich besser. Da es aber keine fortschreitende Krankheit ist, so wie beispielsweise das Parkinson damals bei meinen Großeltern, bin ich ganz demütig und denke mir immer: Hätte schlimmer kommen können.
So, das war einmal ein Rundumschlag zu RLS. Falls Du noch weitere Fragen hast, bitte gerne stellen. Oder gehörst Du auch zu den Betroffenen?
Herzliche Grüße
Toscanelly
Nachtrag zu möglichen Laborwerten
Ich habe eben noch mal nachgedacht. Vielleicht lässt Du auch mal das Transferrin und die Transferrinsättigung bestimmen. Das sind auch Werte zum Thema Eisen. Transferrin ist quasi der Eisentransporter. Also so eine Art Auto, das das Eisen im Körper dahin bringt, wo es gebraucht wird im Stoffwechsel. Ist der Spiegel zu niedrig ("zu wenig Autos da"), kann das Probleme machen. Dann ist das Ferritin (also der Wert des gespeicherten Eisens) zwar in Ordnung - nur kommt es nicht dorthin, wo es gebraucht wird.
Dazu gehört dann auch die Messung der Transferrinsättigung. Da wird quasi geschaut, wieviel Eisen die Transporter überhaupt mit sich tragen. Kann auch sein, dass es genügend Transferrin gibt, - das aber gar nicht genügend Eisen "laden" kann. Das beispielsweise geschieht bei stillen Entzündungen im Körper, diese verhindern die Beladung des Transferrins.
Beides (zu wenige Transporter/Transferrin oder eine zu niedrige Transferrinbeladung/Transferrinsättigung) kann einen sogenannten funktionellen Eisenmangel hervorrufen. Bedeutet: Du hast zwar genug davon im Körper (Ferritinwert ist ok) - nur verwerten kann es der Körper nicht. Das ist dann genau so, wie als wäre gar kein Eisen da.
Beide Werte (Transferrin und Tranferrinsättigung) sind jetzt keine so exotischen Laborwerte, da sollte Deine Hausärztin mitmachen können.
Liebe Grüße
@toscanelly danke für Deine Ausführung.
beruflich hatte ich mit dem Thema Schlaf zu tun und als eine Störung mit schwerwiegenden Folgen gilt RLS.
leider habe ich für meine Begriffe nie auszureichende Antworten gefunden, woher und was dagegen zu tun ist.
Du hast mir tatsächlich ein paar Antworten geliefert!
Frage: Kann Dein Bett sich positiv auswirken, also worauf Du schläfst?
Matratze eher fest? Lattenrost?
oder hast Du Dir darüber nie Gedanken gemacht.
interessant, dass Du schon mit 20 damit zu tun hattest und das die Krankheit vererbbar ist wusste ich auch nicht.
welche Auswirkungen fehlender Tiefschlaf hat ist mir dafür umso mehr bekannt.
Hat Alkohol Deinen Zustand verschlechtert? In Bezug auf RLS oder hat es Dich betäubt?
sorry, hab noch nie jemanden persönlich fragen können …
lieben Gruß
Liebe Gaby,
meine Güte, seit zwei Monaten liegen meine Laborergebnisse in der Ecke und sagen mir natürlich nichts, da ich mich damit überhaupt nicht auskenne. Jetzt will ich aber doch gerne wissen, was sie bedeuten und ob manche Werte zu hoch, zu gering oder genau richtig sind.
Aber zuerst zur Lebersonografie: Ich war dann – nach Deinem Rat – bei der Lebersonografie. Gut, dass ich es gemacht habe. Jetzt habe ich schwarz auf weiß, dass alles perfekt ist. Sie ist nicht alkoholgeschädigt. Es heißt da: keine fokalen Läsionen der Leber, kein Anhalt für chronischen Leberparenchymschaden. Auch die Nieren und die Milz sind schick und schön. Mir ist da auf der Liege beim Ultraschall ein Riesenstein vom Herzen gefallen. Ich hatte ja doch Bammel. Der Arzt schaute auch ganz erstaunt ob der Überweisung wegen Abklärung ob Zirrhose vorliege. Komisch fand ich aber schon, wie er reagierte, als ich sagte, dass mein Gamma-GT Ende Februar bei 476 lag und Anfang Mai dann bei 90 und ich meinte, die schnelle Verbesserung der Werte liege bestimmt am N-Acetylcystein, das ich nehme. Hat er nicht verstanden. Warum ich das denn nehmen würde, fragte er. Na, wegen der entgiftenden Wirkung auf die Leber, so ich daraufhin. Seine überraschte Reaktion hat mich wiederum total überrascht. Muss er doch kennen, dachte ich. War jedenfalls ein seltsamer Moment und hat mir gezeigt, dass die Ärzte wirklich nicht gewohnt sind, dass ihre Patienten selbst mit NEMs unterstützend mitwirken. Komisch….
Hier meine Werte von Mai:
(Referenz-/Zielbereich im Folgenden mit RZB abgekürzt)
Eisen (SE) 59 RZB: 33-193
Transferrin i.S. (SE) 231 mg/dl RZB: 200 – 360
Transferrinsätttigung (SE) 18 % RZB: 16 – 50
Vitamin B 6 (Pyridoxal u. -phosphat) (SE) >250 µg/l RZB: 8.7 – 27.2
Vitamin D 3 (25-OH) II (ECLIA) (SE) 58.0 ng/ml RZB: 20 – 70 (anzustrebender Zielbereich: >30 ng/ml)
Vitamin C (Ascorbinsäure) (SE) 6.5 mg/l RZB: 4 – 15
Kupfer i.S. (SE) 1456 µg/l RZB: 650 – 1650
Magnesium i.S. (SE) 0.96 mmol/l RZB: 0.66 – 1.07
Zink i.S. (SE) 1420 µg/l RZB: 600 – 1200
So, was habe ich an NEMs genommen? Ich habe mich genau an die NEMs laut Deinem Protokoll gehalten. Nur den Abendcocktail mit Tryptophan, Melatonin und h5p5 hatte ich damals noch nicht. Den nutze ich erst so seit 1,5 Monaten. Aus dem Abendcocktail hatte ich von Beginn an nur Magnesium mit 300 mg am Abend genommen- zu den 100 mg aus dem Multivitaminkomplex tagsüber sind das also insg. 400 mg Magnesium am Tag.
Übrigens, mein RLS ist besser geworden. Nicht weg, das nicht, aber schon besser. Die Anzahl der schlimmen nervigen Abende ist gesunken und die Anfälle sind insgesamt kürzer. Liegt vielleicht wirklich an den NEMs. Da würde ich gerne mehr ausprobieren. Wenn Du einen Rat oder Vorschläge hast, gerne her damit.
Im Grunde nehme ich auch jetzt noch die NEMs aus erstem und zweitem Monat, da ich am Anfang in meinem Eifer gleich mal eine Riesen-Packung Arginin oder auch N-Acetylcystein gekauft habe. Das einzige, was gerade ausläuft, weil es zur Neige geht, ist B1.
Ehrlich gesagt, geht es mir so Bombe, dass ich Angst habe, dass ich das wieder verliere, wenn ich die NEMs aufhöre zu nehmen. Wahrscheinlich irre, ist aber so. Sollte ich jetzt also etwas absetzen, weil es dann doch besser wäre, dann bitte sagen.
Bin gespannt, was Du zu den Werten sagen wirst. Für mich sind sie böhmische Dörfer….
Danke dir und liebe Grüße, Toscanelly





