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Ich bin seit ca. 4 Wochen Mitglied im Forum und möchte mich heute gerne vorstellen. Es ist heute bereits mein zweiter Forumsbeitrag, der erste war in der ZEIT, die bei ZEIT+ einen guten Beitrag zur Alkoholkrankheit hatte (drei mittlerweile abstinent lebende Betroffene erzählen von ihrer Alkohol“karriere“) und ich habe dort vom Konzept von Alkohol adé im Kommentar berichtet und wie es mir hilft und mich unterstützt. Ich bin selbst baff erstaunt, dass die gedankliche Basis des ‚Alkohol adé‘-Konzepts (Alkoholismus ist eine Stoffwechselkrankheit und nicht zwingend eine psychische Krankheit) für mich DER Schlüssel ist, mit dem ich die Tür zum Alkohol und damit zu einer mir schadenden Lebensführung so viel leichter zuschließen konnte, als ich es mir vorher ausgemalt hatte.
Es zeigt mir auch, dass alles seine Zeit braucht. Ich kenne das Buch Alkohol adé schon seit über einem Jahr, hatte darin kurz geblättert und es wieder zu gemacht. Da war ich noch mitten in meiner aktiven Suchtphase. Da wollte ich gar nicht aufhören. Ich erkannte zwar schon längst, dass ich ein Problem habe, schwankte aber zwischen Bockigkeit (Ich höre nicht auf! Dazu trinke ich Alkohol auch zu gerne!) und Verzweiflung (Ich schaffe das eh nicht! Ich bin zu schwach! Ich bin zu blöd!).
Ich bin 52 Jahre alt, verheiratet und erhalte Erwerbsminderungsrente. Letzteres, weil ich von einem sehr stressigen Job, in dem ich wie der chinesische Tellerdreher mehrere Projekte gleichzeitig wuppte und außer arbeiten – und dann irgendwann dann auch dabei trinken – nichts anderes mehr tat. Von 9 Uhr morgens bis Mitternacht im Büro und dann noch zu Hause am Küchentisch weitergemacht. Irgendeine Vorlage, ein Businessplan, eine Analyse musste immer noch gemacht werden. Mein Chef sprach mich 2011 ganz offen darauf an, ob ich ein Alkoholproblem hätte und schickte mich zu einer Ärztin, die mich in eine Klinik zum Entzug einwies. Ich war damals überhaupt nicht so weit, zu verstehen, welche inneren Prozesse bei mir ablaufen, ich war emotional total überfordert und so war es klar, dass ich schon am Tag nach der Entlassung wieder trank. Alkoholsucht hatte ich für mich noch nicht verinnerlicht. Ich ging dann in eine weitere Klinik, die mir mein Chef sogar bezahlte, da es sich um eine sündhaft teure Privatklinik handelte, die ich mir nicht leisten konnte. Sie war es aber auch wert: Die Oberbergklinik im Weserbergland. Einzeltherapie, Gruppentherapie etc. Danach war ich zwei Jahre abstinent, bis ich wieder in alte Muster fiel. Damals ging auch meine Depression in eine tiefe Phase und ich war nicht mehr arbeitsfähig. Mein Leben war dunkel und tieftraurig, ich konnte keine Freude mehr empfinden und zog mich komplett zurück. Nur trinken, das konnte ich noch.
Und wie beim ersten Mal nahm mich 2014 mein Chef beiseite und zeigt mir das Stoppschild. Er sorgte dafür, dass ich wieder in eine Klinik ging. Danach fiel ich in eine ganz tiefe Depression und war mehrere Monate in zwei Kliniken, darunter auch die Hochgratklinik im Allgäu, die Depression und Sucht behandelt. Dort kam ich auch mit den Anonymen Alkoholikern und ihrem Konzept in Kontakt, da das 12-Schritte-Programm einer der Behandlungsschwerpunkte der Klinik ist. Offen gesagt, ich halte davon nicht viel. Ich gebe meine Verantwortung nicht an eine „höhere Macht“ ab und ich kann auch nicht ewig Anderen zuhören, wenn sie von ihren Problemen berichten, wenn ich dazu nicht auch etwas sagen darf. Themenzentrierte Diskussion finde ich gut, nicht aber diese ritualisierten Runden voller Monologe. Ich habe aber gesehen, wie das Konzept anderen geholfen hat. Und jeder findet eben seinen Weg. Meiner war es nicht.
Seit 2011 machte ich Psychotherapie, die dann 2014 nach den erneuten Klinikaufenthalten ambulant verstärkt wurde. Da ich ja immer nur gearbeitet hatte, konnte ich zu Hause keinen Tagesrhythmus aufbauen. Alles überforderte mich. Ich weiß nicht, wie oft ich Anläufe brauchte, um die Waschmaschine mit Wäsche zu befüllen und dann anzumachen. Und dann es nicht schaffte, sie wieder auszuräumen. Mir ging es so schlecht, dass ich überhaupt keine Lust auf Alkohol hatte. Das war wenigstens das Gute in der damaligen Zeit. Nach einem Jahr in dieser ‚Nicht Fisch, nicht Fleisch-Zeit‘ lernte ich in einem Zeitfenster von neun Monaten, in denen ich an einer doppeltblind durchgeführten Studie zu einem neuen Depressionsmittel teilnahm, meinen heutigen Ehemann kennen. Ich war dauerhaft abstinent und fühlte mich jetzt auch das erste Mal so richtig wohl in meiner Haut. Mir war klar, dass ich einer der Teilnehmer bin, die das Mittel und nicht das Placebo erhalten haben, was sich später dann auch als richtig herausstellte. Ich muss dazu sagen, dass ich bis dahin 45 Jahre allein durchs Leben gestapft bin. Schon als Teenager war mir klar, dass ich nie eine Beziehung führen würde. Ich wollte Abitur machen, studieren, einen tollen Job und mein Geld selbständig verdienen und wirklich NIE abhängig von einer anderen Person sein. Das war für mich ein Glaubenssatz, den ich auch nie hinterfragt habe. Mit Hilfe der Therapien habe ich meine Probleme mit meinem Vater (er natürlich – Achtung Klischee – funktionierender Alkoholiker zeit seines Lebens) aufgearbeitet, meine Art zu leben aber als gesetzt angesehen. Nun ja, damit hatte sich mein festzementiertes Bild von mir als alleinstehende Frau in Luft aufgelöst. Und alles hätte so schön sein können. Aber dann kam langsam und schleichend der Alkohol wieder ins Spiel. In dem Maße, wie die Depression zurückwich, kam der Alkohol wieder auf die Bühne. Da mein Mann gar nicht trinkt, trank ich heimlich. Was zu Beginn ja kein Problem war, da er tagsüber im Büro war und ich zu Hause. Mit Corona kam ab März 2020 die Zeit des Homeoffice – übrigens bis jetzt. Da wurde die Heimlichkeit natürlich Pflicht. Ich trank auch anfangs nicht so viel, bin eh Spiegeltrinkerin. Und der Spiegel war lange eher niedrig. 1 Flasche Sekt über den ganzen Tag verteilt. Dann irgendwann 1,5 Flaschen und dann 2 Flaschen bis zuletzt dann 3 Flaschen. Mir wurde irgendwann im Januar klar, dass ich mich jetzt entweder zu Tode trinke (denn ich bildete mir nicht nur ein, dass meine Leber allmählich den Geist aufgeben wird) oder ich es nochmal versuche, den Alkohol aus meinem Leben zu schmeißen. Ich hatte es ja schon mal geschafft, damals aber vor dem Hintergrund der schweren Depression. Und natürlich fiel meinem Mann auf, dass ich trinke. Gleich bei unserem ersten Treffen hatte ich ihm erzählt, dass ich keinen Alkohol trinke, da ich alkoholkrank bin. Da er aber kein Suchtmensch ist, kann er das Wesen der Sucht auch nur rudimentär versuchen zu begreifen. Er ist Pragmatiker durch und durch und so haben wir die Optionen diskutiert. Mir war klar, dass ich nicht in eine Klinik gehen werde. Ich habe das alles mitgemacht und kenne mich – mittlerweile bezweifle ich einen Erfolg für mich, der aus einem Klinikaufenthalt resultiert. Da gehe ich vorne rein und hinten wieder raus. Wenn ich in noch einer Gesprächsrunde sitzen muss, trinke ich allein schon, um mich dafür zu belohnen, es hinter mich gebracht zu haben. Klinik also nur, wenn alles andere nicht helfen sollte – als letzte Möglichkeit aber in der Hinterhand. Damit stellte sich die Frage, welche anderen Möglichkeiten es denn überhaupt gibt. Mein Mann erwähnte Medikamente. Er meinte, es müsse sicherlich Alkoholiker geben, die letztendlich vom Alkohol losgekommen sind, ohne dass sie täglich zu Gruppensitzungen pilgern. Ich muss gestehen, dass in all den Kliniken genau einmal ein Betroffener erzählte, dass er Tabletten genommen hat, die ihm helfen sollten, das Suchtgefühl zu unterdrücken. Er hatte jedoch das Mittel genommen und zusätzlich dazu getrunken. Was natürlich kontraproduktiv ist. Sonst nada – nie von einer medikamentösen Unterstützung gehört.
Wir sind also gemeinsam zu meiner Hausärztin. Die schaute mich mit großen Augen an und meinte, da hätte sie keine Ahnung. Ich solle doch zu meiner Neurologin, die sei ja auch meine Psychotherapeutin. Die könnte das sicherlich verschreiben. Und so war es auch. Sie hat mir Campral verschrieben. Da saß ich dann zu Hause und lies die Schachtel erstmal zwei Wochen unangetastet im Schrank. Innerlich brauchte ich auch die zwei Wochen, um loszulassen und mich gedanklich vorzubereiten. Und dann fing ich Mitte März an. Morgens die ersten beiden Tabletten. Kein Suchtdruck. Bisher hatte ich wirklich rund um die Uhr getrunken. Also auch nachts, wenn ich aufwachte. Meine Lieblingszeit war es, nachts zwischen drei und vier Uhr aufzustehen und gemütlich auf dem Sofa das erste Glas Sekt zu nuckeln. Durch mein relativ starkes RLS (Restless Legs Syndrom; es ging 2014 los, als ich begann, Antidepressiva einzunehmen und ging leider nicht weg, als ich die Einnahme Jahre später beendete) kann ich eh nicht lange schlafen. Mittags die nächsten beiden Tabletten. Kein Suchtdruck. Abends die letzten zwei Tabletten. Nicht der Hauch eines Suchtdrucks. Erfreutes Erstaunen. Wahnsinn!
Am darauffolgenden Tag begann ich, mich nochmal in die Materie einzulesen. Hatte ja jetzt Zeit (da nicht ständig mit der Beschaffung von Sekt abgelenkt) und einen klaren Kopf. Ich sichtete, was ich in der Vergangenheit so an Büchern auf meinem Kindle zu Alkohol gekauft hatte. Dann, wenn ich im Suff mal wieder loskommen wollte, am nächsten Tag dann aber natürlich nicht reingeschaut hatte. Es ging also um eine Bestandsaufnahme. Und siehe da, ich hatte unter anderem das Buch Alkohol adé. Hatte mir genau vor einem Jahr mein Chef empfohlen. Er ist, anders als ich (es bisher war), ein absoluter Nahrungsergänzungsmittelfan und hatte mir damals von GABA, Niacin und Vitamin D vorgeschwärmt. Daher hatte ich das Buch. Witzig. Damals hatte ich es natürlich überhaupt nicht wirklich wahrgenommen. Jetzt aber schaute ich rein und las es in einem Rutsch durch. Und in dem Buch wird das Medikament Campral erwähnt. Dass es im Grunde aus zwei Bestandteilen besteht: einer größeren Menge Kalzium und der Aminosäure Taurin. Mehr nicht. Und damit machte es BUMM! bei mir im Kopf. Der berühmte HEUREKA-Effekt. Ich merkte ja an mir selbst, dass es stimmt. Das Konzept funktioniert offensichtlich. Und damit bestellte ich mir die NEMS, ging nochmal zu meiner Ärztin, schilderte ihr meine Erkenntnis und sie befürwortete das Vorgehen. Sie bat mich sogar, ihr nähere Infos zuzusenden, da ich natürlich nicht die einzige Frau bin, die bei ihr in Behandlung ist, die ein Alkoholproblem hat. Das alles hat mich bestärkt. Ich nehme jetzt seit zwei bis drei Wochen die NEMs wie vorgeschlagen und mir geht es damit sehr gut. Ich empfinde Freude am Leben, falle morgens mit Energie aus dem Bett und bin ausgeglichen und stabil. Da ich meinen Sekt oft auch genossen habe, denke ich ab und an in manchen Situationen noch an ihn bzw. an das Gefühl, das er ausgelöst hat. Aber mit dem Wissen, was da alles in meinem Oberstübchen an biochemischen Vorgängen abläuft, wenn ich wieder Alkohol trinke, fällt es mir jedenfalls bis jetzt relativ leicht, darauf zu verzichten. Ich nehme dann manchmal ein GABA Stick und belohne mich damit.
So, das war jetzt aber eine lange Vorstellung. Sorry, wenn ich mal anfange, dann fließt es quasi raus aus mir. Ich danke denen, die es bis hierhin geschafft haben, fürs Mitlesen. Herzliche Grüße, Toscanelly
Herzlich willkommen und vielen Dank für deine Beiträge. Deine Erfahrungen mit den Kliniken und Therapien kenne ich auch. Deine Beiträge mit dem RLS bringen ganz neue Einsichten in mein Leben. Seit über 30 Jahren besuche ich kein Kino, kein Konzert oder sonst eine Veranstaltung, bei der ich ruhig sitzen muss. Ich kann auch sehr schlecht zu zweit schlafen wegen der Unruhe.
Ich danke dir nochmals für die tollen Beiträge, die mir auf meinem Weg ein gutes Stück weiter helfen.
Das sieht doch alles schon mal gut aus. Allerdings
- Eisen hat noch ganz viel Luft nach oben. Da das unmittelbar mit dem RLS zu tun hat, würde ich - hätte ich diese Werte und RLS - da was machen. Da das mit Tabletten oder Tropfen oft sehr lange dauert (geht, dauert halt) könntest Du mal drüber nachdenken, ob Du Dir Eiseninfusionen gönnst. Das ist ne reine Privatleistung, klar. Aber es geht dafür super schnell. Es gibt viele Ärzte, die das anbieten und sogar ganze "Eisenzentren" in Deutschland.
- Vitamin C hat auch noch Luft nach oben
- Bei Zink und Kupfer würde ich mal auf die Bremse treten. Die Werte sind top, aber Du musst aufpassen, dass sich die Relation der beiden Werte zueinander nicht verschiebt. Das hätte dann wiederum einen negativen Einfluss auf den Neurotransmitterstoffwechsel
- sind Calcium und Kalium bestimmt worden?
- es gibt Berichte, dass Niacin einen positiven Einfluss auf das RLS hat. Ist das bei Dir mit am Start?
Liebe Grüße, freut mich, dass es Dir so gut geht!
Gaby
Liebe Gaby,
danke Dir für Deine Rückmeldung.
Der Tipp mit der Eisenfusion ist gut – den werde ich umsetzen. Ich bin nächsten Monat eh bei meiner Neurologin. Bei ihr werde ich das anleiern. Ihr Fachgebiet ist – welch Glück – RLS, daher renne ich bei ihr da offene Türen ein, da bin ich ganz sicher.
Vitamin C werde ich erhöhen.
Zink & Kupfer nehme ich eigentlich gar nicht extra. Warum da die Werte so hoch sind, ist für mich ein Rätsel. Zink nehme ich, wie ich gerade sehe, nur mit den zwei täglichen Tabletten des Multikomplexes auf. Das sind insgesamt 25 mg Zink. Und Kupfer ist da laut aufgeklebtem Inhaltszettel gar nicht dabei. (Und auch nicht beim Vitamin B-Komplex; die anderen NEMs bzw. Mineralstoffe sind ja „rein“, da ist nichts anderes dabei, jedenfalls nach deren Inhaltsübersicht). Ich habe gerade mal geschaut, in welchen Lebensmitteln Kupfer verstärkt enthalten ist. Ich esse weder Leber noch Innereien, auch kaum Schalentiere, wenig Nüsse, trinke dafür aber mindestens 1 Liter Schwarztee am Tag. Das sollte aber doch nicht die hohen Werte erklären. Und ich trinke sehr viel Tonic Water. Aber da ist Chinin drin, kein Kupfer… Also das wundert mich jetzt. Ob unsere Wasserrohre, die das Trinkwasser zu uns zum Wasserhahn leiten, eventuell zu alt und daher belastet sind? Ich trinke meinen Tee nämlich mit Leitungswasser zubereitet. Hm. Seltsam. Ich werde mal sehen, ob ich das überprüfen lassen kann. Bis dahin werde ich mir jetzt stilles Wasser in Flaschen holen und damit den Tee zubereiten. Besser ist besser.
Calcium und Kalium wurden bei dem Blutwert nicht berücksichtigt. Die Mitarbeiterin meiner Hausärztin war eh schon mit meiner Liste total überfordert. Ich will Anfang Oktober nochmal alles checken lassen, auch weil ich wissen will, ob die Leberwerte dann ganz im Normalbereich angekommen sind. Und dann bin ich auch auf den Kupferwert gespannt, wenn ich Leitungswasser jetzt mal meide und dafür stilles Wasser aus Flaschen nehme. Und beim Zink überlege ich, ob es nicht eh besser ist, jetzt nur noch eine Tablette des Multikomplexes am Tag zu nehmen und nicht mehr zwei. Dann wären es nur 25 mg Zink pro Tag.
Niacin nehme ich in Tablettenform 6 x 500 mg, 50 mg sind in den beiden Multikomplextabletten und 100 mg in dem Vitamin B-Komplex. Da komme ich derzeit auf 450 mg am Tag. Wenn ich nur eine Multikomplex pro Tag nehmen würde, wären es dann 425 mg. Vielleicht liegt es also sowohl am Magnesium als auch am Niacin, dass das RLS tatsächlich besser geworden ist. 😀 😀
Liebe Grüße, Toscanelly





