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Vorweg, ich schreibe diese Zeilen hier (leider) nicht nüchtern.
Also, ich heisse Sven, bin 45 und komme aus Lübeck. Bin schon seit ca. 1998 Alkoholiker.
Seit ca. 10 Jahren "mittelgradig depressiv". Seit 2012 ALG 2 Empfänger. Alleinlebend, ledig, keine
Kinder und keine Freunde.
Habe schon mehrere Entgiftungen und zwei Langzeitherapien hinter mir.
Bin zur Zeit ambulant angebunden bei der Suchthilfe und vom Jobcenter aus in einem
beruflichen Integrationsprojekt.
Antidepressiva ( Sertralin 100 mg, 1 x tägl. ), sowie Blutdruckmedikamente ( Ramipril 5 mg, 1 x tägl. )
und Pantoprazol für den Magen ein, wegen meiner Gastritis.
Mein derzeitiges "Leben" ist das krasse Gegenteil vom gesunden Leben. Ich sitze fast ( zu 90 % ) den ganzen
Tag vor dem PC, ernähre mich von Fertiggerichten, rauche 30 Zigaretten am Tag und saufe abends dann
so meine 10 Flaschen Bier ( 0,5 l ).
Tja, eigentlich ein Wunder, das ich noch lebe...
Und oft frage ich mich dann wütend: "Warum mache ich diesen ganzen Scheiss?"
Wieder und wieder, mein Gott, wach doch endlich mal auf!
Warum ich saufe? Langeweile, Gleichgültigkeit, Mutlosigkeit, Ängste, Ignoranz ( Selbstlüge ), Depression.
Ich fühle mich gefangen in meinem eigenen "Gefängnis" mit Ziel ins Ungewisse. Doch ich weiss, das es so nicht weitergehen kann und ich es ( eigentlich ? ) auch nicht will.
Deswegen bin ich hier.
@generatoroperatordestroyer Oha, das ist ja ein ganz hübsches Päckchen, was Du da mit Dir rumträgst ... willkommen hier im Forum!
neues Ziel - neues Glück! Herzlich Willkommen. 🙂
Herzlich willkommen. Das klingt heftig bei dir und ich hoffe, du findest die Unterstützung die du brauchst und kämpfst dich zurück ins Leben.
Viel Kraft!
@generatoroperatordestroyer - du sprichst es eh schon ziemlich deutlich aus: du musst da raus! Und das geht. Schritt für Schritt. - Und es geht leichter, wenn du hier erzählst, wann du welche Schritte machst. Wie es dir geht damit. auch wenn du manchmal vielleicht stolperst, strauchelst, gar fällst. Aufstehen und weitermachen ... wir hier versuchen das alle (und dass es keine lockere Partie ist, wissen wir auch!) _ Ich hätte da übrigens den (glaube ich) passenden Song für dich: Johnny Cash: Rusty Cage ...
Deswegen bin ich hier.
Ein herzliches Willkommen, Sven.
Nun - der beste Grund überhaupt, hier zu sein, oder? Den ganzen Mist nicht mehr zu wollen. Zu ahnen - nein: Zu wissen! - dass das Leben doch so vieles mehr bietet.
Aber: Wie den Anfang finden? Klar. Die Frage kennen wir alle. Mich würden zunächst zwei Dinge interessieren:
- wie viele Versuche hast Du denn unternommen bislang? Also, wie sahen die aus? Entzug in der Klinik? Daheim? Langzeit? Was machst Du bei der Suchthilfe, wo Du angebunden bist, wie Du schreibst?
- und (wie soll es anders sein?) würde ich gerne natürlich wissen, ob Du Dir schon mal unser Buch zu Gemüte geführt hast. Denn da steht die Erklärung zu vielem drin, was Du vielleicht derzeit noch Deiner "Psyche" zuschreibst.
Ansonsten: Ich bin ganz sicher, dass auch Du den Weg da raus schaffen kannst. Wir sind alle gerne hier, Dir zu helfen, Dich zu ermutigen und zu unterstützen.
Wäre schön, wenn Du Zeit findest, die Fragen oben zu beantworten
Viele liebe Grüße, fühl Dich wohl hier, schön, dass Du da bist!
Gaby
Vielen herzlichen Dank für eure lieben Worte. Sorry, wenn ich hier erst nach einem guten halben Jahr jetzt erst antworte - hatte mich seitdem hier nicht mehr eingeloggt.
@harley: habe den Weg zwar vor Augen und habe da auch schon meine Fußstapfen, doch damit ich aus meinem Päckchen schon mal einen schweren
Stein raus werfen kann für den nächsten Schritt... bekanntlich ist der Weg das Ziel.
@krokodil: Ja, der Song von Johnny Cash trifft es ganz gut 😉 Geduld zu
haben ist eine meiner Schwächen. Immerhin versuche ich so gut es geht es
geht, mich meinen Schwächen zu stellen und sogar in meinen Schwächen auch eine Stärke sehen - auch wenn es mir weniger gelingt. Zum Glück bin ich eine
hartnäckige Persönlichkeit, die sich nicht so leicht unterkriegen lässt - was ebenso auch kein anderer nötig hat.
@cairni: vielen Dank. Und glücklich zu sein - empfindet und erlebt jeder Mensch
ja anders - ist eine Sache, inwiefern man sich selbst in liebevoller Art und Weise
( und damit seine Mitmenschen ) begegnet und fühlt. Unser Verstand würde jetzt wieder sagen, es begreift 😉
@ninafisch: danke für deine motivierenden Worte. Ich weiß, das ich diese Kraft
in mir habe, nur ist der "Schlüssel" das Problem...
@gaby_guzek: Vielen Dank für die angebotene Hilfe. Und ich möchte auch gerne helfen. Bezüglich meiner Therapieerfahrung: Ich habe vieles gelernt, über mich
selber und natürlich auch über Sucht. Das ist sinnvoll und das hat mich weitergebracht - in der Theorie zumindest. Und dann kommt der Alltag.
Und das aus der stationären Therapie bricht dann zuhause zusammen wie ein Kartenhaus. Mir war von vorn herein klar, das nach der Klinik im Alltag die
Herausforderung liegt, trocken zu bleiben und habe entsprechend in der Klinik schon Vorbereitungen getroffen: Ambulante Nachsorge, Ambulante häusliche
Betreuung durch die Suchthilfe, Ambulante Psychotherapie, Selbsthilfegruppe und
Teilnahme ( seitens meiner Fallmanagerin vom Jobcenter, da ich ALG II Empfänger bin ) an einem beruflichen Integrationsprojekt für Menschen mit psychischer Behinderung.
So gesehen habe ich einen wöchentlichen relativ vollen Terminkalender, der mir auch Tagesstruktur gibt und zu
80% nehme ich auch die Termine wahr ( ich fühle mich zu diesen Terminen zwar nüchtern... )
All die Termine nehme ich ernst und ich merke, das es mir auch was bringt.
Auch meinen eigenen Haushalt bekomme ich regelmässig selber hin.
Jedoch sage ich an keiner Stelle, das ich einen Rückfall hatte. Ich sage mir dann,
was bringt das, ich weiss doch, das dann irgendwann kurze Zeit später ich
wieder einen Rückfall baue usw.
Ich weiss, das sich das völlig widersprüchlich klingt und eine Selbstlüge ist.
Dennoch habe ich das Gefühl, das wenn ich trotz allem diese Hilfen nicht
annehmen würde und nutze, ich mittlerweile obdachlos wäre und auf der Strasse leben würde.
Es mag sein, das ich "therapiemüde", oder "therapieresistent" geworden bin.
Ich saufe also sozusagen zwischen den Terminen, die ich dann obengenannt habe.
Den Kampf gegen Alkohol kann kein Alkoholiker gewinnen - doch er kann
Frieden mit den Alkohol schliessen. Der Alkohol ist wie ein schlafender Drache
in deinem Gehirn, es ist also sinnvoll das du eine Ausbildung als Drachendompteur
machst, um den Drachen ( Alkohol ) zu zähmen, ihn mit Respekt begegnest, ihm gestatten, da zu sein - jedoch nicht die Kontrolle über dich zu übernehmen und Feuer speit. Es ist besser den Drachen ( die Alkoholsucht ) friedlich schlafen zu lassen. Auch ein "alkoholfreies" Bier, oder ein Malzbier kann ihn erwecken.
Dementsprechend finde ich es wichtig, sich nicht unbedingt zu sagen, ich bin alkoholkrank, sondern, ich möchte ein Mensch sein, der zufrieden abstinent leben möchte.
Für mich zu wissen, wie ich mit meiner Erkrankung nachhaltig umgehe, mit all meinen Fehlern die ich gemacht habe unter Alkoholeinfluss. Und es fällt mir heute noch schwer, mir selber zu verzeihen und auch mir selber zu vertrauen.
Mir selber zu vertrauen, nicht im Supermarkt in das Bierregal zu greifen.
Mich selber zu lieben, mir selbst bewusst zu sein.
Ich weiss, das ich es niemals garantieren kann, nüchtern bis ans Lebensende zu bleiben - ignoriere ich doch all zu oft, durch den Alkohol betäubt meinen eigenen
Wunsch nach ungetrübten und natürlichen Wohlbefinden.
Liebe Grüsse,
Sven.





