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Ein Leben ohne Lüge...
 
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Ein Leben ohne Lügen

5 Beiträge
5 Mitglieder
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71 Ansichten
(@bergwacht)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 7 Monaten
Beiträge: 44
Topic starter  

Hallo zusammen,

ich lese schon eine ganze Zeit mit und finde das Konzept dieser anonymen Gruppe gelungen und sehr hilfreich. Viel Mut und Kraft konnte ich bereits aus Erfahrungen und den Lebensgeschichten Betroffener für mein eigenes alkoholfreies Leben schöpfen. Zudem ist das Schreiben für mich von großer Wichtigkeit und ein wertvoller Teil meiner Therapie geworden. Ich habe mich nun mal daran gemacht, hier ein paar (mehr) Zeilen über mich aufzuschreiben.

Ich bin 60 Jahre alt und lebe seit nunmehr 22 Monaten abstinent. Dieser Weg war von Höhen und Tiefen geprägt. Zuletzt war ich an einem Punkt voller Ausweglosigkeit und unerträglichem Leidensdruck angekommen. Aber alles der Reihe nach.

Der erste Kontakt mit Alkohol muss mit 14 Jahren gewesen sein. Damals sehr zögerlich, eher zurückhaltend. Ehrlich gesagt, hat er mir damals nicht wirklich geschmeckt. Man gewöhnte sich daran und schon bald war es selbstverständlich, das ganze Wochenende benebelt zu sein. Das zog sich mit Regelmäßigkeit über die Lehrzeit bis in den ersten Job. Im weiteren Verlauf des Berufslebens fieberte ich zunehmend dem Feierabend entgegen und der Ideenreichtum Trinkgelegenheiten zu schaffen, war unerschöpflich. Schon bald hatte der Alkohol für mich eine Funktion übernommen: Man konnte damit entspannen und Probleme betäuben. Ob Stress im Alltag oder familiäre Verluste - der Alkohol war mein Tröster und mein Rettungsboot, das Mittel zum Zweck. Mein Konsum hatte sich im Laufe der Jahre allmählich auf das Niveau eines massiven Spiegeltrinkers gesteigert. Nach außen hin funktionierte ich bestens, denn mein errichtetes Lügengerüst verschleierte die tatsächliche Abhängigkeit perfekt.

Ereignisse oder Veränderungen wie eine neue Arbeitsstelle oder die feste Beziehung, später die Heirat, der Hausbau oder die Geburt der Kinder waren zwischendurch immer wieder Anlass, meinen Konsum zu überdenken und sogar Abstinenzversuche zu unternehmen. Jedoch gewann der Alkohol über kurz oder lang wieder die Oberhand, sodass ich mit 42 Jahren auf ärztliches Drängen meine erste Entgiftung machte. Zu einer empfohlenen Langzeittherapie wollte oder konnte ich mich damals noch nicht durchringen. Eine gewisse Erleichterung spürte ich schon, alles überstanden zu haben, dennoch fühlte sich die erworbene Nüchternheit für mich ziemlich fremd an.

Gut ein Jahr hielt ich den Alkohol aus meinem Leben fern, doch in meinen Gedanken tauchte er immer wieder auf. Eine Mischung aus Unachtsamkeit, Naivität oder Leichtsinn machte es möglich, dass der Alkohol wieder an Bedeutung gewann. Fast unbemerkt erlangte er mit der Zeit wieder die Oberhand über mein Leben. Ich errichtete wieder eine Fassade und trank heimlich. Den Rückfall einzugestehen, ließ mein damaliges Ego nicht zu. Da ich trotz allem meinen Verpflichtungen nachkam und nach außen hin funktionierte, blieb die Sucht mein toxisches Geheimnis. Innerlich war ich von einer unfassbaren Traurigkeit, von Selbstzweifeln und Scham zerrissen. Mein Selbstvertrauen war im Keller. Ich hasste mich und mein Leben.

Ende 2023 wollte und konnte ich so ein Leben nicht mehr führen. Jeder Tag war eine unendliche Qual. Ich spürte, dass mein Körper diese immense Belastung nicht länger aushalten würde und mein Kartenhaus ins Wanken geriet. Mein desolater Zustand wurde immer offensichtlicher - es gab nichts mehr zu leugnen. Letztendlich blieb nur noch der Weg in die Klinik.

Dort machte ich mit 58 Jahren meine zweite Entgiftung. In dieser Zeit gab es wohl diesen einen Moment, in dem die Weichen neu gestellt wurden. Meine Sichtweise war eine andere geworden. Ich wollte mich nicht weiter unter das Joch des Alkohol stellen, sondern den Weg in ein alkoholfreies Leben gehen. Eine Entscheidung, die ich diesmal aus innerer Überzeugung traf. Es war ein regelrechter Befreiungsschlag. Mir war mittlerweile bewusst geworden: Ich versuchte, mit dem Alkohol Probleme zu bekämpfen, die ich ohne ihn gar nicht gehabt hätte. Ich begann mein Leben umzukrempeln, raus aus den alten Mustern. Dieser Prozess war natürlich alleine nicht zu bewältigen. In vielen Situationen in der Vergangenheit ist meine liebe Frau an ihre Grenzen gestoßen und dennoch stand sie zusammen mit meiner Familie seit dem ersten Tag hinter mir. In all meinen schweren Stunden haben sie mir geholfen und den Rücken gestärkt.

Inzwischen habe ich eine Langzeittherapie gemacht, gehe regelmäßig in eine Selbsthilfegruppe und nutze die Suchtberatung. All diese Bemühungen haben es möglich gemacht, den Alkohol nicht nur aus meinem Alltag, sondern auch aus meinem Kopf zu verbannen.

Auf meinem nüchternen Weg habe ich schon ein Stück zurückgelegt und möchte noch so viel mehr weitergehen. Einen Weg in Klarheit, voller Lebensfreude und Selbstbestimmung. Ich genieße seitdem jeden Tag, ohne Lügen und schlechtes Gewissen, kann wieder in den Spiegel schauen und mich jederzeit um meine Familie, meine Freunde und um meine Hobbys kümmern. Da ich jetzt mit dem Thema meiner Alkoholvergangenheit sehr ehrlich umgehe, erfahre ich immens viel Zuspruch und Unterstützung von außen. Heute lebe ich meine Abstinenz ganz bewusst, sehe das als ein großes Geschenk an. Es macht mich so unglaublich dankbar, dass ich diese Chance bekommen habe und wünsche das jedem der sich in einer ähnlichen Situation befindet. Ergreift die helfenden Hände, die man euch entgegenstreckt.

Es lohnt sich: Alles Gute und Schöne wird wieder möglich.

Viele Grüße und alles Gute für euren Weg

 



   
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harley
(@harley)
Ich unterstütze Alkohol adé
Beigetreten: Vor 6 Jahren
Beiträge: 2660
 

@bergwacht Es ist schon erstaunlich, was man dem eigenen Körper so antut – obwohl es ohne das Nervengift deutlich besser ist. Ich wünsche Dir alles Gute!

 

 

---

@lagertha, @natarie, @baileys23  @ulli1962 



   
2
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lagertha
(@lagertha)
Mitglied
Nüchtern: 2 jahre
Beigetreten: Vor 5 Jahren
Beiträge: 151
 

@bergwacht herzlich Willkomen, das ist ein sehr reflektierten Text den du da geschrieben hast.Diese Reflexion die du zeigst kommt nicht von heute auf morgen.da bist du für durch tiefe Täler gegangen.der Leidensdruck muss gross genug sein,damit man diesen Weg mit voller Überzeugung gehen kann. Ich denke du bist auf jeden Fall auf den richtigen Weg,auch wenn er sehr holprig war für dich und voller Steine. Meinen Respekt hast du. Und last but Not least, alkohol ist dein Sanitäter in der Not,alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot,alkohol ist das Drahtseil auf dem du stehst,alkohol ist das Schiff mit dem du untergehst.( Grönemeyer) ganz liebe grüsse lagertha



   
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AntwortZitat
birgitta
(@birgitta)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 602
 

Herzlich Willkommen Berwacht,

ergreifend und berührend geschrieben! Vieles kommt mir sehr bekannt vor. 

Viel Freude im Forum wünscht Dir Birgitta



   
2
AntwortZitat
(@natarie)
Mitglied
Nüchtern: 1 jahr
Beigetreten: Vor 2 Jahren
Beiträge: 186
 

@bergwacht 

Herzlich willkommen und vielen Dank für den offenen Einblick in Deine Geschichte.

Viel Erfolg und alles Gute für Deinen weiteren Weg!

Liebe Grüße, Natarie



   
2
AntwortZitat
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