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Hallo,
ich bin weiblich, 49 Jahre im Januar geworden und komme aus einer Kleinstadt im Norden. Selbstständiger Haushalt, einziges Kind, Arbeit hatte immer einen hohen Wert, Zuneigung war vorhanden. "Dorfjugend" bezeichnet oft etwas abwertend das Aufwachsen meiner Generation und vielleicht kann sich der Eine oder Andere davon ein Bild im Kopf malen: Eltern feiern gerne, Wein gehört zum Alltag, ab 14 zur Konfirmation das erste Glas Sekt (vorher glaube ich nicht - doch, ich hab als Kleinkind mal die Überbleibsel von der Party meiner Eltern ausgetrunken, während die noch geschlafen haben... wer weiß, wie Alkohol funktioniert, schlägt jetzt bereits die Hände über den Kopf zusammen!), die ersten Partys auf dem Dorf, der erste Schädel, Schützenfeste. Den ersten Filmriss hatte ich mit 19. Fast schon spät, bei der Vorgeschichte. Was, du trinkst nichts? Stell Dich nicht so an.
Vielen wird so ein Satz bekannt sein.
Ich wurde entschieden das elterliche Unternehmen zu übernehmen, richtete meinen gesamten Fokus und Ausbildung darauf aus. Fachhochschulreife etc, alles vorhanden. Ich wurde zu einem "angesehenen" Mitglied der Stadt, man warb um mich in Politik, in der Wirtschaft. Überall gab es immer was zu trinken.
Durch viele Weiterentwicklungen gaben wir kontrolliert und zum Wohle meiner Eltern das Familienunternehmen 2005 auf. Ich wurde mit einer Unternehmensberatung selbstständig, und das auch ganz erfolgreich. Allerdings viele Abende in Hotelzimmern, allein, viele Abende mit Kollegen in "Partystimmung" und inzwischen mit Kontrollverlust. Peinlich. Abschütteln. Es geht weiter. Hin und wieder kamen leise Anmerkungen von engen Freunden, ob alles ok ist. Na klar, was willst Du?
Tja, und dann im Feb. 2010 mein Zusammenbruch. Mit Abstimmung des Hausarztes eine Woche zur Entgiftung. Danach wollte ich meinen Verpflichtungen weiterhin nachkommen, denn ich konnte mich nicht einfach zurückziehen, ich musste Aufträge erfüllen. Ich schaffte es auch, trotz einsamer Abende in Hotelzimmern nüchtern zu bleiben.
Im November 2010 kam ich nüchtern in den Hansenbarg bei HH und es wurde mit viel Überwindung eine der besten Zeiten meines Lebens. Wahrlich ein Geschenk, auch wenn ich es vorher nicht glauben wollte.
Alleine so viele Menschen kennenzulernen, denen es genauso ging wie mir, machte es mir einfacher.
Auch wenn viele Geschichten sich sehr zu meiner abgegrenzt haben.
So musste ich auch ertragen, dass ein Vergewaltigungsopfer mich weinend anschrie, warum ich angefangen habe zu trinken, ich hätte doch alles gehabt... es ist mir sehr in Erinnerung geblieben.
Es gibt bei mir genauso die Gründe, die mich zum Weitertrinken gebracht haben, wie bei jedem anderen auch. Sie sind mir bekannt.
Ich habe in dieser Zeit tolle Menschen kennengelernt. Leider begleiten mich die Meisten nicht mehr, sie sind rückfällig geworden und ich es passte nicht mehr.
Dennoch gibt es immerhin noch 3 Menschen, wo wir weiterhin Kontakt halten. Mal mehr und mal weniger. Mit und ohne Rückfall. Verlässlich.
Inzwischen habe ich den Job gewechselt. Bin angestellt bei einer Firma, deren Produkte ich schon immer geliebt habe. Leider passieren auch dort Wandlungen, mit denen ich teilweise nicht gut umgehen konnte. Weitere Veränderungen kamen in mein Leben. Meine Mutter (77) erkrankte massiv an Demenz, ein wahrhaftig anstrengender Prozess, wir pflegen sie noch zu Hause. Immer wieder habe/hatte ich massiven Stress mit meinem Vater (83), Altersstarrsinn und im letzten Jahr haben 3 Todesfälle mein Leben bestimmt von Menschen, die mir teilweise sehr viel bedeutet haben oder deren Abwicklung ich als "Auftrag" erhalten habe.
Der Teufel hat mich schon 2 Jahre vorher, in meiner Selbstsicherheit, eingeholt. Ich hab das Thema Rückfall für mich nicht angenommen, sogar ausgeschlossen. Im Urlaub, Griechenland, entspannt zum Essen ein Glas Wein - wie schön...
Irgendwann habe ich gedacht, was im Urlaub funktioniert, funktioniert doch auch zu Hause...
Jo.
Als dann die ersten massiven Stolpersteine mir vor die Füsse kullerten, war es ein leichtes, wieder einzusteigen. Man mag es nicht glauben, es war mir noch nicht einmal bewusst. Ich hatte komplett aus dem Auge verloren, dass ich alkoholkrank bin.
Der Kreis schloss sich.
Auch mein Weg über Yoga konnte den Ausbruch zwar verzögern, aber nicht stoppen. Was sagt mein Lehrer immer: Yoga ist keine Therapie.
Allerdings ein wichtiger Baustein.
2020 war zu Beginn ein tolles Jahr: Die ersten 3 Monate waren sensationell inklusive eines 3,5 Wochen Aufenthaltes in Indien!!!!
Ich kam zurück und wurde von Corona "überrascht" und habe die Welt nicht mehr verstanden.
(die Toten kamen in dieser Zeit)
Teilweise habe ich lethargisch im homeoffice im Bett gelegen, bewegungsunfähig.
Am Ende habe ich selbst einen SChlussstrich gezogen: Ich will wieder über meinen Körper, mein Denken und Handeln verfügen. Ich habe einen Brief an meinen Hausarzt geschrieben. 1,5 Tage später hatten wir ein Telefonat. Ich habe mich angemeldet zum qualifizierten Entzug und warte auf den Anruf, dass ich kommen darf (die sie voll zur Zeit!!), ein Gespräch mit meiner Firma hat stattgefunden und ich darf mich über volle Rückendeckung freuen (wir wolle die "Alte" zurück) und auch die Betreuung meiner Mutter konnte ich regeln.
So, ziemlich viel, habe gerade das Gefühl, ich habe mir viel von der Seele geschrieben.
Wer Fragen hat, gerne melden.
Liebe Grüße
Ursprünglich hatte ich angenommen, dass ich mich erst wieder aus der Klinik melde. Allerding war der Tag so harig...
Wo ich mich oute, wird mir entgegengebracht: Ich verstehe Dich sogar, bei Deiner letzten Zeit...
Das will ich gar nicht hören.
Ja, die letzten Monate waren scheiße. Dass weiß ich.
Und einerseits finde ich das Verständnis für meine Situation ja auch total toll.
Aber mein Rückfall hat nicht in den letzten Monaten begonnen. Sondern viel früher. Durch meinen Leichtsinn. Es ging mir zu gut. Vor 3 Jahren, Urlaub, WEin zum Essen... das war die Falle. Ich hätte es besser wissen müssen.
Bezahlen durfte ich es in den letzten Monaten bzw. jetzt.
Heute war es sehr anstrengend: Meine Mutter wollte unbedingt die Trauerfeier von Prinz Phillip sehen. Alles lief glatt.
Und mit einem Mal schwenkt alles um, sie will zu ihrem Kind.
"Mama, ich sitz vor dir"... nein, warum tust Du mir das an? Was habe ich Dir getan? Ich will zu meinem Sohn..
Ich weiß, dass ich der "letzte Versuch war", vor mir sollte ein Sohn geboren werden, es war leider eine Totgeburt. Alles kommt jetzt hoch.
Es ist sehr schwer.
@cairni Oh Mensch, Demenz bei einem geliebten Menschen ist grausam, vor allem weil es nicht zu ändern ist. Ich wünsche Dir Kraft dafür.
Nachsatz: Es ist schwer zu begreifen, dass die Mutter einen nicht mehr erkennt. Es ist eine Frage von Zeit, wann wir die Pflege nicht mehr leisten können, und sie ins Heim muss. Muss, damit wir, mein Vater und ich, wieder leben können. Vor vielen Jahren habe ich ihr versprochen, zu ihr zu stehen.
Wir hatten die Alzheimer/Parkinson-Erkrankung meines Großvaters hinter uns. Meine oma starb an Altersdemenz und Krebs.
Wir haben uns klaren Auges zugesagt, mit Patientenverfügung, Testament, Generalvollmacht, was geschehen soll, im Fall der Fälle.
Das jedoch tatsächlich zu erleben ist hardcore.
Diese Frau hat nichts mehr mit meiner Mutter zu tun. Ich bin zu ihrer Mutter geworden. Heute Mittag hat sie sich in die Hose gemacht. Sie neu anzuziehen, aufzubauen, ist echt krass. Dann am späten Nachmittag der Zusammenbruch von ihr, dass nichts mehr geht.
Ich hab Tabletten, die ich ihr geben kann, dennoch bleibt das ja bestehen, was sie gesagt hat.
Ich tue alles für sie.
Aber ich bin am begreifen, dass meine Kraft zu Ende geht.
Jetzt im Moment sowieso, wo ich weiß, dass mein "Tag Null" vor der Tür steht.
Und es wird ja weitergehen.
Wenn ich aus der Entgiftung zurück bin.
Mit klarem Kopf, und dennoch wird es weitergehen.
Lichtblick ist wirklich unser Hund, der sich so massiv darstellt: Jetzt bin ich dran.
Und tatsächlich sprechen mich Menschen an, das ich Yoga weitervermittel, wie toll das ist...
Nur zur Zeit kann ich das nicht, brauche meine Energie wirklich für mich.
Obwohl ich es sehr genossen habe, Menschen Yoga weiterzugeben, auch wenn es bei mir erst absolut in den Anfängen war.
Aber wenn ich mit mir nicht im Reinen bin, kann ich nicht die Kuschelwolke weitergeben. Auch wenn es so nicht ist. (Thema Kuschelwolke)
Und ich bin sehr ehrlich: Ich habe mich in den letzten Wochen runtergesoffen.
Ich halte mich fast nur noch aufrecht, bis ich Dienstag endlich in die Klinik komme. Wahrscheinlich werde ich denen zusammenbrechen.
Wenigstens esse ich wieder.
Vielen Dank, dass ihr mich ertragt. Das ich schreiben kann. Das tut ziemlich gut.
@cairni Ich hatte das in der Familie, die Schwiegermutter meiner Schwester. Die sie schließlich ins Heim gegeben haben, weil es nicht mehr zu leisten war, was sie alles in ihrer dazu noch vorhandenen Hyperaktivität anstellte. Von außen mag man da über einzelne Aktionen schmunzeln, was aber nur zeigt, dass man keine Ahnung hat wie es denen geht, die dem ununterbrochen ausgesetzt sind. Es ging nicht anders. Nach kurzer Zeit im Heim schmiss sie meinen Schwager aus dem Zimmer, weil sie schließlich auf ihren Sohn warte. Sie war nicht davon zu überzeugen, dass er es war ... auch darüber schmunzeln die Außenstehenden. Für meinen Schwager war das weniger witzig.
@harley Danke für
Un
Deine Antwort. Es ist vergleichbar mit einer kleinen Hölle.
Anders lässt es sich nicht beschreiben.
Und sie ist bei mir so lieb, und man kann es kaum glauben, dass es umbricht. Und dann : bämm!!!!
Von jetzt auf gleich.
Ich bin mir über den Ablauf sehr bewusst..
Und ich nehme Abschied, jedes Mal, wenn wir uns sehen
Und es kommen mir unschöne Gedanken, die ich nicht niederschreiben möchte, für die ich mich schäme und die ich gar nicht will
@all
Heute früh auf der Hunderunde habe ich eine wichtige Entscheidung getroffen: Ich habe einen Freund, den ich aus der Nachsorge kenne, gefragt, ob er mich in die Klinik fährt. Er hätte nein sagen dürfen, denn er weiß ja, dass ich nicht nüchtern bin.
Er hat ja gesagt und "freut" sich. Das freut mich wirklich. Auch wenn ich den Moment mir hersehne, habe ich auch Angst.
Eigentlich wollte ich selber fahren. Allerdings traue ich es mir im Moment nicht mehr zu. Bin wie in Watte gepackt "Fog, Nebel des Grauens"...
Wenn ausgerechnet jetzt ein Unfall passieren würde, es wäre für mich kaum auszuhalten.
Wie wird es sein, wie fühlt es sich an?
Trotz meiner Erinnerung an damals, bin ich doch sehr nervös.
Angst lässt es gut beschreiben.
Pragmatisch:
Die Wäsche ist gewaschen und wartet auf das Verpacken in die Tasche.
Ich weiß, dass mein Laptop mitkommt (ich will schreiben!) und meine Yogamatte. Meine Ohrstöpsel sind wichtig (ich hasse schnarchen!) und ich möchte meine Kopfhörer nicht vergessen.
Was ich alles noch zu erledigen habe, für meine Eltern, damit die nächsten 14 Tage alles läuft, habe ich im Blick.
Der Hund kommt morgen Mittag zu Bekannten, die sich liebevoll um ihn kümmern, solange meine Mutter in der Tagespflege ist.
Ganz wichtig: Die Wohnung wird zu meiner Rückkehr clean sein. Alles, was mich an Alkohol erinnert, wird weg sein, alles wird sauber sein, Bett frisch bezogen, ich weiß nicht, was sonst noch.
Ich habe angefangen, das Buch zu lesen und bereits beim Vorwort zog sich eine Augenbraue nach oben: Der Hinweis, dass kein Zusammenhang mit Scientology besteht, sorgt für ein Bauchkrampfen. Tatsächlich bin ich da sehr empfindlich, habe vor Jahren mich intensiv gegen diese Sekte positioniert.
Aufgrund meiner Vorbildung sind mir die Themen um Vitamine, Aminosäuren und co. nicht unbekannt, und kann was damit anfangen.
Das tatsächlich auch diese fürchterliche Sucht dazu massiv benutzt wird um Geld zu verdienen, dieser Gedanke fällt mir schwer, auch wenn er für mich inzwischen sehr logisch geworden ist.
Menschen mit Rückenschmerzen geht es ähnlich: Da leben ja ganze Industriezweige davon, oder eben auch die psychische Seite.
Ok, der Vergleich hinkt etwas, aber: Es gibt sehr viele Rücken-op`s, die nicht notwendig sind.
Krankenhäuser müssen auch ihren Profit haben... leider... es geht oft nicht mehr alleine um die Genesung des Patienten.
Der Gedanke tut mir persönlich gerade weh, weil ich diese Abhängigkeit hasse.
Dass die Werbeindustrie natürlich davon profitiert, ist mir bewusst. Damit abgefunden habe ich mich bestimmt nicht, glaube allerdings, dass ich damit inzwischen ganz gut umgehen kann. Vor allem, nachdem ich selber dort etwas mitaktiv war.
Das Alkoholismus eine körperliche Erkrankung ist, ist für mich noch nicht ganz klar, bin allerdings auch noch nicht weit fortgeschritten im Buch.
Zu viele Nebenkriegsschauplätze 🙂
An all die Vitamine und Co glaube ich. Werde sie bestellen.
Und ich denke, dass ich Euch, Gaby und Deinen Mann auch als Sparringspartner haben möchte. Das ich das Coachingprogramm buchen werde.
Da es vermutlich eingespielte Videos sind, werde ich das Programm zum Ende meiner Entgiftung buchen.
Ein guter Gedanke: Ich habe vor ein paar Tagen die letzte Bestellung für Rotwein bei Amazon aufgegeben. Mein Vorrat wird reichen, bzw. im Anschluss entsorgt. Gut geplant 😉
Ich wünsche allen einen schönen Sonntag.
Die Sonne scheint.
@cairni Bei uns geht bei dem Thema nicht nur eine Augenbraue nach oben ... die gießen in die Leute gern Vitamin B3, also Niacin, aus unterschiedlichsten Gründen in Hochdosis rein. Erschien uns besser, gleich drauf hinzuweisen, dass wir mit der Bande nichts zu tun haben. Schließlich darf von denen niemand seine angebliche "Kirche" verleugnen.
Da es vermutlich eingespielte Videos sind, werde ich das Programm zum Ende meiner Entgiftung buchen.
Guten Morgen, liebe cairni,
Das Coachingprogramm besteht im Wesentlichen aus einer Tagesaufgabe, Texten mit Zusatzinformationen und einem Podcast, der ein wenig Stoff zum Nachdenken bietet. Dazu wird ein Video verlinkt, mal von uns selber, mal auch sehr gute Dokus, Interviews etc zum Thema Alkoholsucht.
Vom Ablauf und Inhalt her würde das besser in Deine Anfangszeit passen, also mit dem Klinikaufenthalt. Muss ja nicht gleich von Tag eins an sein, da bist Du erstmal mit dem körperlichen beschäftigt. Aber ich glaube schon, dass das Coaching da zeitlich besser aufgehoben ist.
Ansonsten: Deine Nerven liegen blank, an allen Ecken. Ich möchte Dich hiermit virtuell in den Arm nehmen und Dir sagen: Ein großer Teil davon ist der Effekt des SchXXX Alkohol. Niemand bestreitet, wie bitter Deine Situation ist und mir tut das auch in der Seele weh zu lesen. Gleichzeitig aber macht der Alkohol das alles noch viel unerträglicher und schlimmer, auch wenn er doch verspricht, genau das Gegenteil zu tun.
In wenigen Stunden endet dieses Karussell. Dann stehst Du im Mittelpunkt. Dann kümmerst Du Dich mal nur und ausschließlich darum, wieder gesund zu werden. Das darfst Du, das steht Dir zu, das bist Du wert. Die Welt dreht sich trotzdem weiter.
Viele liebe Grüße Dir
Gaby
"Ein großer Teil davon ist der Effekt des SchXXX Alkohol. Niemand bestreitet, wie bitter Deine Situation ist und mir tut das auch in der Seele weh zu lesen. Gleichzeitig aber macht der Alkohol das alles noch viel unerträglicher und schlimmer, auch wenn er doch verspricht, genau das Gegenteil zu tun." Gaby
Ich bin mir inzwischen dessen sehr bewusst. Spirale Alkohol.





