Du bist nicht angemeldet als Gast hier –
und kannst deshalb nur einen kleinen Teil des Forums sehen.
Hier kannst Du Dich kostenlos und anonym anmelden!
Auch von mir eine kleine Vorstellung: Ich bin Birgitta, 65 Jahre, seit fast 3 Monaten alkoholfrei lebend und bei Gaby im Coaching. Ich hatte immer wiederkehrende Trinkpausen und Rückfalle in meinem Leben.
In einer schlaflosen, unruhigen und alkoholgeschwängert-verkaterten Nacht, stiess ich auf Gabys Bücher. Nahm am nächsten Morgen den Kontakt zu ihr auf, bestellte die NEMs und liess den Alkohol stehen. Seitdem haben sich meine Lebenskarten noch einmal ganz neu gemischt! Ich bin sehr glücklich wieder zu alter Aktivität, Neugier, Selbstbewusstsein und Lebensfreude gefunden zu haben
Ich freue mich hier unter Gleichgesinnten zu sein, Probleme und Ärgernisse zu teilen, aber auch die Fortschritte zu feiern!
Viele Grüsse, Birgitta
@birgitta Hallo liebe Birgitta, Mit Deinem Post hast Du mich sehr angesprochen und ich möchte sagen, dass ich mich in Deinen Erkenntnissen selbst beschrieben sehe. Du hast diese Gedankenabläufe, dieses Funktionsmuster so trefflich wiedergegeben! Ich werde demnächst 65, und habe mich in letzter Zeit gefragt:wie konnte es nur dazu kommen, dass ich so lange und dermaßen meine Wahrnehmung angezweifelt habe. Wenn man seit der Kindheit wiederholt zu hören bekommt: kannst Du nicht normal sein wie andere Leute, hör auf so kompliziert zu denken, du siehst Gespenster! Zeitweise hatte ich wirklich das Gefühl ein Alien zu sein. Eine Überanpassung und eine Angst mich mitzuteilen waren die Konsequenzen. Gespenster habe ich nie gesehen, aber mit Blindheit geschlagen bin ich nicht. So wie Du liebe Birgitta, setze auch ich mich mit meiner Wahrnehmung und den dazugehörigen Emotionen auseinander, was für eine dauernde Abstinenz von großer Wichtigkeit ist. Ich bin Dir sehr dankbar für dieses Thema, wie immer so sensibel und klar niedergeschrieben! Ich gratuliere Dir von Herzen zu 7 Monate Nüchternheit, Deiner Introspektion und den damit verbundenen Weg. In wahrhaftiger Verbundenheit 🌻🍂🙋♀️ Mina
Liebe Mina, dankeschön für Deine Worte! Ich habe vermutet, das es Dir ähnlich ergeht.
Ich bin selber richtig erschrocken, dass es sooooo lange dauern musste, bis bei mir die Erkenntnis kam. Zumal es sich ja, richtig eingesetzt, eher um eine Begabung als eine Behinderung handelt. Ich kann eine Erklärung nur in den, in unserer Generation noch üblichen Erziehungsmethoden und unserer Selbstmedikation durch Alkohol finden.
Wie ein Alien fühle ich mich heute auch noch oft. Mir fehlen diesbezüglich Ansprechpartner. Das macht oft einsam, wer möchte schon mit "komplizierten, merkwürdigen", nicht nachvollziehbaren Gedanken nerven. Andererseits habe ich, seit ich damit selbstbewusst umgehe, in den letzten Tagen oft Lob für meinen "richtigen und guten Riecher" bekommen. Da ging es aber um Finanzen. Hier wird das Thema ironischerweise sofort anerkannt, sogar ein bisschen bewundert.
Ich freue mich zu lesen, das auch Du diese Entdeckung an Dir selber gemacht hast und nun anders mit Deiner Begabung, vielleicht herausfordernder, damit umgehen kannst. Wir schauen mal, wie wir uns weiterentwickeln, vielleicht schälen sich ja noch mehr unvorhersehbare Zwiebelschalen unserer Psyche ab? Ich finde 65 ist ein tolles Alter, mit den vielen neuen Erkenntnissen und dem neuen Körpergefühl in der frisch erworbenen Nüchternheit wird es nochmal richtig spannend.
Ganz herzliche Grüsse, Du Liebe und einen guten Wochenstart, Birgitta
@birgitta Danke für Deine mitmachenden Worte. Es ist beruhigend zu spüren, dass man mit dieser Veranlagung nicht alleine ist. Worte des Verständnisses sind für mich wie Oasen in der Wüste. Eine Erquickung die stärken und Kraft spenden. Weisst Du Birgitta, auch ich bin jetzt schon öfters dankbar für diese Begabung und empfinde sie nicht mehr wie ein Stachel. Gehen wir unseren Weg im Vertrauen weiter mit offenen Augen und Ohren und eines Tages wird uns dieses Anders sein wie ein Segen vorkommen. Auch Dir wünsche ich eine gute Woche!🙏🏾🙋♀️Mina
Hallo Birgitta,
herzlichen Glückwunsch zur magischen 7 (meine Lieblingszahl), ich brauch nur noch 4 Wochen dafür 😀
Mit dem nüchternen ersten Jahr ist es wohl wie in einem Trauerjahr, z.B. nach einer Trennung nach langjähriger Partnerschaft. Man erlebt dann eben alle Dinge einmal „ohne“. Muss sich evtl neu orientieren, umdenken.
Ich finde aber auch, das lässt mich aufmerksam bleiben, dieses „okay, Weihnachtsmarkt, was hast du mir zu bieten ohne das Teufelszeug“.
Auf einen neuen schönen Tag mit klarem Kopf!
Liebe Grüße
Tani
Dankeschön Tani, ja das Jahresrad muss wohl erst mal komplett drehen, ganz erstaunlich. Viel Erfolg für Dich, schön zu lesen, wie wir hier alle weitermachen 😀 🤗
Langsam hat sich bei mir im Dezember der 8te Monat ohne Alkohol in mein Leben geschoben. Diesmal etwas unbemerkt, weil sich doch vieles in mir an den nüchternen Alltag gewöhnt hat.
Deshalb heute ein paar ,hoffentlich mutmachendende, Zeilen zu einem Thema, das mich einige Monate schwer beschäftigt hat:
Das Gewicht
In den ersten alkoholfreien Tagen ging ich völlig unbefangen an das Thema heran. Mein Mind Set folgte der vermeintlichen Weisheit : " Alkohol hat viele Kalorien. Wenn Du ihn nicht mehr konsumierst, wirst Du einiges an freiem Kalorienüberschuss haben. Du wirst Dein Gewicht halten und Abnehmen wird ein Leichtes werden."
Leider war dem ganz und gar nicht so... Natürlich habe ich in den ersten Tagen Wasser verloren. Aber alte Kampf blieb erst einmal. Im Gegenteil, völlig unerwartete und bislang unbekannte Heisshungerattacken begannen mich überfallen. Ich, die ich raffinierten Zucker jahrelang gemieden hatte, bekam plötzlich unstillbaren Hunger auf Süsskram und konnte meine Sucht oft kaum im Zaum halten.
Heute begreife ich die physiologischen Zusammenhänge und verstehe, dass mein alkoholgewöhntes Organsystem quasi auf Entzug war, da ihm der viele vergorene Fruchtzucker im Alkohol entzogen worden war. Auch das ein durch jahrelangen Raubbau geschwächtes System, das eigene Überlebensstrategien entwickeln musste, nicht innerhalb von ein paar Tagen oder Wochen umzustellen ist, habe ich erst durch gelebte Erfahrung lernen müssen.
Mich dieser natürlichen Reaktion des Körpers liebevoll hinzugeben war für mich keine Option. 3 Wochen nach meinem letzten Glas Wein fand meine Hochzeit statt. Um perfekt ins Hochzeitskleid zu passen habe eine der bekannten Proteinshake-Diäten gemacht. Eine unglaubliche Anstrengung, weil der Körper die Pfunde einfach nicht hergeben wollte. Trotzdem gelang es mir nicht nur ins Kleid zu passen, sondern auch die gewünschten eleganten Zentimeter Luft, die zwischen Presswurstlook und Taille-Umschmeichelen entscheiden, abzunehmen.
Nach der Hochzeit ging der Kampf weiter, trotz Gabys NEM-Tipps kämpfte ich täglich und frustriert mit der Waage. Ein Kneifen der Hose oder ein Wechsel der Konfektionsgrösse kam nicht in Frage. Die Gewichtsschwankungen waren für mich nicht durchschaubar, sondern rätselhaft und sehr beängstigend.
Im Nachhinein meine ich, mit mehr Geduld und Selbstliebe hätte ich mir manchen Stress ersparen können.
Erst im entspannten Wohnmobilurlaub, die Donau entlang, im 6ten Monat bemerkte ich Veränderungen. Obwohl ich so mancher Leckerei der traditionellen Wiener Kaffeehauskultur nicht widerstehen konnte, begann sich mein Körper umzubilden.
Die Taille formte sich neu und schlank, der Heisshunger lies nach. Tage, in denen es relativ viel zu Essen gab folgten Tage, an denen ich nicht viel Hunger hatte und wenig ass. Der Körper nahm den natürlichen Rhythmus an, von dem ich jahrzehntelang nur geträumt habe. Nach 6 Wochen zu Hause angekommen hatte ich, trotz genussreicher Ausflüge in die österreichisch-ungarische Küche kein Kilo zugenommen.
Inzwischen kann ich mich auf mein System verlassen. Die alten Klamotten passen und sehen lässig aus. Der Wasserverlust im Gesicht hat mir ein paar neue Falten beschert, aber das ist altersentsprechend.
Mein Resümee: Ich denke, ich kann inzwischen den fundierten Rat geben, sich nicht von den Gewichtszunahmen und Süsskramgelüsten der ersten Monate erschrecken zu lassen. Hier tut ein liebevoller Umgang mit sich selber gut! In den ersten 3 Wochen nach dem Nüchtern werden eine recht einseitige Diät zu machen, war ein bisserl wahnsinnig. Hier entschuldigt mich einzig, dass ich voll auf Hochzeitsmodus eingestellt war.
Der Rat, den man hier im Forum öfter findet, das sich nach ca. 6 Monaten alles einspielt, hat sich für mich als absolut richtig erwiesen. Es ist gut hier ins Vertrauen zu gehen, denn in den ersten Wochen und Monaten hat man im Grunde erst mal genug mit sich selbst zu tun.
Vielleicht kann ich mit diesem Text, über den ein oder anderen Gewichtsfrust hinweghelfen.
In diesem Sinne, herzliche Grüsse, Birgitta
@birgitta Vielen Dank! Das macht mir gerade Hoffnung, dass es mit meiner Gesundheit doch noch bergauf gehen könnte. Und die Heißhungerattacken weniger werden🙈.
@pony Ja, es soll auf jeden Fall Hoffnung machen!! Mich hat das teilweise ganz verrückt gemacht. Leider war der einzige Schlüssel zu diesem Thema bei mir Geduld. Die wünsche ich Dir 🌺
Freiheit
Fast 10 Monate sind seit dem letzten Glas vergangen! Diese Zeit war intensiv, aufregend, fordernd und bereichernd. Seit einigen Tagen spüre ich, das sich etwas ändert. Alles hat sich eingespielt, das Leben ohne Alkohol ist selbstverständlich geworden, eine grosse Leichtigkeit hat Einzug erhalten.
Natürlich gab es auch Prüfungen, wie das monatelange Warten auf die umfassende Krebsdiagnose meines Mannes. Glücklicherweise stellte sich heraus, dass es keine Metastasen gibt , sonder lediglich eine Operation mit nachfolgender Reha geplant werden muss. Immer wieder flackerten in diesen Wochen alte Ängste bei mir auf. Da war die Sorge um den Mann, aber auch Angst, meine neuen Projekte nicht zu schaffen. Die Furcht vor der gerade bewältigten Fahrangst wurde wieder lebendig, Gedanken um Einsamkeit und Überforderung.
Komischerweise musste ich kein einziges Mal das Verlangen auf ein Glas Wein als Problemlöser oder Helfer verdrängen. Meine bewährten Gewohnheiten für die Seele, den Geist, brachten unerwartet viel Stabilität. Die langen Spaziergänge mit dem Hund, das Achtsamkeitstraining um das täglich erstellte Tages- und Kraftfoto, das Schreiben im Forum. Nähe und Offenheit mit meinen Mitmenschen, Verbundenheit in tiefen Gesprächen, aber auch Sport, Lachen und Spass haben mich aufgemuntert und getragen. Ich habe auch nicht aufgehört, mich in meine Zukunft zu versetzen, aktiv zu sein, zu planen, Ideen „in die Welt zu träumen“. Dankbarkeit blieb ein starkes Thema und der feste Entschluss, das anzunehmen, was kommt. Nicht zu zerbrechen. Und immer wieder das Eintauchen in die östlichen Geistestraditionen, die mir verlässliche und äusserst praktikable Antworten auf meine Lebensfragen geben.
In dieser Atmosphäre habe ich gespürt, das ich frei geworden bin. Gelöst aus der Abhängigkeit um Gedanken über Alkohol. Der Kampf ist vorbei. Die neue Freiheit und Erfahrung mit meinem neuen Selbst half mir auch andere, destruktive, zerstörerische, angstmachende Gedanken zwar zu betrachten, aber dennoch ziehen zu lassen. Bei mir zu bleiben. Mich mit dem, was passiert ins Vertrauen zu begeben, es anzunehmen.
Die Auseinandersetzung mit Tod und Krankheit hat mich gestärkt, lässt mich das Leben bunter sehen, die Erfahrungen tiefer wirken. Respekt , Gewahrsein und Dankbarkeit erhalten noch einmal eine andere Dimension und bleiben vertraute und geschätzte Helfer und Wegbegleiter.
Endlich habe ich verstanden, was mit diesem alkoholassoziiertem Freiheitsbegriff gemeint ist! Er war mir mein Leben lang ein Rätsel.
Muntere Grüsse, Birgitta
Endlich habe ich verstanden, was mit diesem alkoholassoziiertem Freiheitsbegriff gemeint ist! Er war mir mein Leben lang ein Rätsel
Muntere Grüße zurück, Du Musterschülerin 🙂





