Du bist nicht angemeldet als Gast hier –
und kannst deshalb nur einen kleinen Teil des Forums sehen.
Hier kannst Du Dich kostenlos und anonym anmelden!
Hallo, ich bin neu hier. Die Beiträge verfolge ich seit drei Tagen, das Buch habe ich gelesen und die NEMS stehen bereit (schon auch Geld, muss man mal sagen). Ich bin 68 und würde mich selbst als kontrollierte Alkoholikerin bezeichnen. Ich arbeite freiberuflich und tue das, obwohl ich bereits im „wohlverdienten Ruhestand“ sein könnte. Ich trinke seit 45 Jahren, immer, jeden Tag. Es gab immer mal so zwei drei Wochen, wo ich abstinent war, aber ohne Erkenntnisgewinn und freudlos. Dagegen, wenn ich das zweite (das ist immer das Beste!) Glas getrunken hatte, gab es oft diesen magischen Effekt, dass sich die lärmenden knirschenden Bestandteile der Welt auf einfache Art zusammenfügten und das Lied ertönte, was in allen Dingen war. Wie so eine Mechanik in einem Steem-Film, wo auf einmal alles einrastet und sich öffnet, ich weiß nicht, wie ich es besser beschreiben soll.
Ich hatte in den letzten 20 Jahren niemals eine wirklichen Absturz, niemals peinliche Situationen, davor schon, aber da war man jung, …. Ich habe letzte Woche etwas besorgt meine Leber überprüfen lassen, nichts, gute Werte, keine Fettleber.
Ich trinke so eine halbe Flasche Wein am Tag und davor je nach Jahreszeit zwei Whisky oder zwei Gintonic. Das aber jeden Tag. Exzesse gibt es kaum, zweimal im Jahr wird es etwas mehr, wobei ich bei Partys oder Geburtstagen extrem vorsichtig bin und viel Wasser trinke.
Aber ich trinke eben gerne.
Mein Problem ist zum Beispiel der Sonnenuntergang nach einem Tag im Garten, wenn der Hund neben mir liegt und ich einfach zufrieden bin, aber gerne noch den „magischen Moment“ hätte. Oder beim Kochen - ich bereite ein tolles Gericht vor, alles läuft, nun ein Glas kühlen Weißwein.
Ich süffel also so vor mich hin. Könnte ich ja noch weiter machen. Ich bin so in dem Alter, wo man sich fragt, muss das jetzt auch noch sein? Muss man wirklich verzichten? Das ganze Elend kommt doch sowieso bald? Könnte man es nicht auch bis zum Schluß noch nett haben?
Ja, vielleicht. Im Krankenhaus oder Altersheim gibts ja eh nix. Und viele wären froh, mein Alter erlebt zu haben.
Dennoch. Es nervt mich, zu überlegen, ob die Post um siebzehn Uhr meinen ersten Drink riecht. Es nervt mich, zu überlegen, wer mich am Flaschencontainer sieht. Es nervt mich, dass ich um sechzehn Uhr alle Zutaten für ein aufwändiges Essen bereit stehen haben muss, damit ich damit nicht herumschussel wegen zwei drei Gläsern…Besonders nervt mich (auf dem Land lebend), dass ich quasi nach 18.00 Uhr keine gesellschaftlichen Aktivitäten mehr möchte, nein möchte schon, aber ich kann nicht, denn da bin ich nicht mehr fahrtüchtig.
Aber das Wichtigste (und DANKE Isabel!) ist die Traurigkeit. Ich bin eigentlich immer traurig. Und ohne wirklich schlimmen Grund, wenn ich die Geschichten im Forum so lese. Die oben beschriebene Magie ist nur kurz, und den Rest des Tages bin ich traurig. Ich habe schon oft gedacht, du trinkst nicht, weil du traurig bist, sondern du bist traurig, weil du trinkst.
Soweit erstmal, ich bin im Prozess. Gute Nacht Euch!
@forevergreen ich fahre ja emotional bekanntlich auch ziemlich gerne Achterbahn 😉
Aber bei Manchen von uns muss das wohl so sein: eine langsame Veränderung ist genauso eine, wie wenn du knall auf Fall alles von einem auf den anderen Tag umwirfst. Sicherlich hätte ich mit meinem heutigen Wissen nach 18 Monaten wohl das ein oder andere anders gemacht, aber so what - bereuen tue ich es überhaupt nicht. So gibt es selbst jetzt immer noch kleinste oder auch große Veränderungen.
Deinen Leitspruch, erst im Herbst wieder zu trinken (ich verstehe wie du das meinst), finde ich gut. Dieses "forever" (😉) hat mir auch anfangs etwas zu schaffen gemacht. Das wird mit jedem Tag ein minimal kleines bisschen normaler, besser, zufriedener. Wenn es bei dir funktioniert, damit dein Unterbewusstsein zu beruhigen und du im Herbst das Ganze gedanklich in den Winter transferierst, dann zu Ostern etc - Hauptsache es hat seinen Effekt!
Und die geselligen Runden, auch das wird normal und angenehm. Dieses Gefühl, am Abend dann stocknüchtern im Bett zu liegen finde ich persönlich unbezahlbar.
Du machst das super und beschreitest deinen Weg sehr solide. Die Brocken dazwischen werden immer kleiner, je höher du kommst - das verspreche ich dir.
Liebe Grüße
@alex7 Danke 🤗 und ich hoffe, Du hältst uns auf dem Laufenden, wie es bei Dir an der Job-Front läuft. Du hast mir mal geschrieben, in diesem Forum kann man über (fast) alles reden 😀
@forevergreen versprochen, ich werde berichten! Und auch an der Stelle die Schneise zum Alkohol: undenkbar früher, heute, an dem Tag vor dem Gespräch nicht zu trinken. Heute das Gegenteil. Alleine bei dem Gedanken, einen Gedanken ans Trinken zu verschwenden, erscheint ein error Symbol in meinem Kopf. Das ist einfach nicht mehr kompatibel für mich 🙂
@alex7 Ja, das kann ich mittlerweile total nachvollziehen, Trinken unter Stress geht auch für mich gar nicht mehr. Die kritischen Situationen sind eher die schönen, also muss ich die vermeiden 🤣
@forevergreen ich habe letztes Jahr eine Kurs gemacht zur mpu Vorbereitung. Dort entstand wegen mir eine Diskussion darüber, ob man nüchtern solche Saufgelagenfeste wie zb das Oktoberfest nüchtern überhaupt noch besuchen möchte. Trotzig wie ich war / noch teils bin, sagt ich selbstverständlich werde ich solche Feste noch besuchen! Mit meinen Konditionen allerdings: wenn es mir generell nicht gefällt, ich müde werde oder mir die Feiernden zu besoffen werden, haue ich halt ab. Ohne mich auf Gegenworte einzulassen. Habe ich von Anfang an so gehandhabt (zugegeben, in der führerscheinlosen Zeit war das etwas schwierig wegen heimkommen) und mache ich heute noch so. In 2 Wochen geht es mit meinen (noch?) Kollegen nach Malle. Nicht ins schöne Mallorca, sondern an den Ballermann. Mein Leben, meine Bedingungen. Versacken die anderen im Bierkönig, schlendere ich nüchtern die Promenade entlang ins hotel 🙂
Moin Ihr alle,
gestern war ich auf einem Fest. Freunde haben geheiratet. Es gab eine kirchliche Trauung und danach einen Sektempfang und abends ein Sommerfest im Garten mit Zelten, Live-Musik und gutem Essen. Alles war schön dekoriert, es gab guten Wein, aber auch alkoholfreies Bier.
Der Sektempfang war kein Problem, ich habe mit Sprudel angestoßen. Später kam der Bräutigam mit zwei gefüllten Sektgläsern auf mich zu und wollte mit mir anstoßen. Ich habe zuerst abgelehnt, gesagt, ich trinke bis auf Weiteres keinen Alkohol. Er war etwas betroffen und hat schließlich die Hälfte meines kleinen Sektglases in seines gekippt und gemeint, so, diesen kleinen Schluck, damit kannst Du jetzt mit mir anstoßen. Es war wirklich nur ein Schluck und ich habe mich ergeben. Ich habe mit ihm angestoßen und es hat mir überhaupt nicht geschmeckt. War also erledigt damit.
Aber im Verlaufe des Abends fingen die Leute an zu tanzen. Ich saß da. Es kam ein kühler Wind als Vorbote für das nächtliche Gewitter. Ich habe gefroren. Und mich an mein kaltes alkoholfreies Bier geklammert. Ich hab mir sehr gewünscht, wie die anderen warm und locker zu werden, bei "Strawberry-Fields" und Co. irgendwie herumzuhampeln und mich wohl zu fühlen. Ich habe mir sehr einen kleinen Rausch gewünscht.
Ich bin um Elf gegangen und natürlich bin ich heute früh froh, keinen Kater zu haben. Aber ich stelle mir die Frage: Woran werde ich mich später erinnern, wenn ich an das Fest denke? Doch nicht daran, dass es mir am nächsten Tag gut ging! Nein, ich werde wehmütig denken, so ein schönes Fest und Du hast nur gefroren und hattest einen Stock im A...
Also, ich hoffe sehr, dass ich es irgendwie schaffe, auch ohne Alkohol ausgelassen zu sein, denn sowas wie gestern macht mich sehr traurig.
@forevergreen warum hast du denn nicht mitgetanzt und mit den anderen gelacht?Durch die Bewegung wäre es dir auch warm geworden. Bei mir stehen auch noch größere Feste dieses Jahr an, da werde ich richtig mitfeiern, auch ohne Alk. Ich denke über deine Situation nach, als der Bräutigam mit dem Sekt vor dir gestanden hat. Ich denke, dass ich diesen Schluck nicht getrunken hätte. Dann lieber mit O-Saft anstoßen.
Ich war mal in ner ähnlichen Situation aber da ging es um Rauchen. Ein Fest mit viel Alkohol. Ich hatte gerade frisch aufgehört zu rauchen, hatte aber auch schon Alkohol getrunken. Mein Platznachbar bot mir ne Zigarette an, ich habe nein gesagt und erklärt, dass ich erst frisch aufgehört habe zu rauchen. Man könnte meinen, das derjenige das respektiert, aber im Gegenteil, mir wurde das Päckchen richtig vor die Nase gehalten. Ach nur eine geht doch wurde mir plötzlich von fast allen Leuten gesagt. Und trotz Alk, hatte ich strikt Nein gesagt und bin auch dabei geblieben.
Dann haben mir die Leute am Tisch gesagt, dass sie mich bewundern und dass sie sich falsch verhalten haben. Ich war mega stolz. Das war ein richtiger Härtetest.
So hätte ich es auch bei dem Bräutigam gemacht.
Was du getan und gemacht hast, ist wohl das eine. @forevergreen hier beschrieb sind ihre Gefühle, ihre Traurigkeit. Mit Deiner hättehätteFahrradkette hast Du zwar schön gezeigt wie easy das alles für Dich ist, besser noch für dich werden wird, wie toll Du bist. Aber es hat ihr auf keinen Fall geholfen. Rauchen mit Alkoholsucht zu vergleichen ist auch eher defizitär.
@ruebequal da hast du Recht.
Nur easy ist für mich nichts und toll bin ich auch nicht. So wie es mit dem Rauchen bei mir war, vergleiche ich es für mich auch mit Alk. Das passt für mich recht gut und motiviert mich selbst.
Mag sein, dass meine Antwort hier nicht gepasst hat.
Ich habe mir beim Lesen die Situation bildlich vorgestellt, ich musste Luft holen und habe mir mich selbst in so einem Moment vorgestellt. Ob ich es schaffen würde Nein zu dem Schluck zu sagen. Ich habe mich gedanklich in den Abend versetzt von dieser Hochzeit. Im Grunde hat mir das sogar selbst ein bisschen die Augen geöffnet, solche Situationen gibt’s immer wieder mal. Ich sehe das für mich als kleine Vorbereitung für solche Fälle.
Wie du schon gesagt hast, forevergreen hilft das natürlich nicht. Ich hatte noch nichts zu feiern, seitdem ich aufgehört habe zu trinken.
forevergreen…hoffen wir einfach, dass es in Zukunft klappt, schön zu feiern auch ohne Alk. Und ich wünsche dir doch wunderschöne Erinnerungen an die Hochzeit 💐





