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Hallo Leute,
Alkohol war wie mein heimlicher Geliebter - wir zwei haben uns in (buchstäblich) dunklen Ecken getroffen und immer habe ich mein besonderes Verhältnis zu ihm geleugnet, wenn wir nicht allein waren.
Begonnen hat es ca. 2006, in diesem Jahr ist meine Mutter gestorben, ich bin kurz vorher in eine Führungsposition in einem Konzern aufgestiegen, war alleinerziehende Mama von drei Kindern - und der Wein am Abend war einfach MEIN Entspannungsmoment - nur wurde aus einem Glas schnell ein zweites, dann 2/3 einer Flasche und ab 2011 war es dann fast täglich eine Flasche Wein am Abend. Ausnahmen gab es, beispielsweise, wenn ich mit den Kindern im Urlaub war oder bei Freunden, dann habe ich nie getrunken. Wie gesagt: ich bin eine (ehemalige) Heimlichtrinkerin.
2014 lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, der ein vollkommen entspanntes Verhältnis zum Alkohol hat, er trinkt ab und an ein Bier oder ein Glas Wein und dann wieder wochenlang gar nichts. Mit ihm wurde das Heimlichtrinken deutlich schwieriger. Irgendwann war mir klar: ich lass das jetzt mit dem Alkohol oder ich ruiniere eine wunderbare Beziehung.
Seit 2015 habe ich immer wieder längere nüchterne Phasen gehabt (die längste ca. 3 Monate), bin aber leider immer wieder in meine dunkle Ecke zurückgegangen.
Jetzt bin ich wieder seit Anfang Januar nüchtern - und kümmere mich erstmals intensiv um das Thema bzw. habe erst jetzt realisiert, dass ich Alkoholikerin bin.
Danke fürs Lesen.
Legionelle
Herzlich Willkommen auch an dieser Stelle noch mal. Danke für Deine Vorstellung. Im Unterthread woanders schriebst Du, es sei gerade schwer. Warum?
Liebe Grüße
Gaby
@legionelle Danke für deinen Beitrag. War auch eine Heimlichtrinkerin seit 14 Jahren, bin da durch die Krankheit meines Mannes reingeschlittert. Mich hat das Heimliche in den letzten zwei Jahren ungemein belastet, das war so anstrengend, von der Beschaffung, über die Lagerung, das heimliche Konsumieren und die Entsorgung. Ich fühlte mich am Ende total versklavt, was mor schließlich den Anstoß gab, auszusteigen. Anfang 2021 war ich schon mal vier Monate clean, aufgrund der Quarantäne (ich konnte ja schlecht unseren Freunden, die für uns einkauften, sagen, sie sollten auch noch gleich nen Karton mit Weinflaschen mitbringen 😉) und anschließender Erkrankung trank ich nicht mehr (damals noch ohne die NEMs). Nach vier Monaten trank ich einfach aus Langeweile bzw. Neugier wieder mal ein Bier ... Und schwupps war ich schnell wieder dabei. Letztes Jahr genoss ich es aber schon, an den Alkoholregalen im Supermarkt vorbeizulaufen und nichts mehr kaufen zu müssen. Dieses Erlebnis gab mir mit den Ausschlag, Anfang 2022 den Ausstieg - diesmal für immer - zu wagen. Und ich genieße seither meine Freiheit 🤗.
@gaby_guzek Ich bin außergewöhnlich müde. Ich warte noch auf die Lieferung der NEM - und hoffe auf Linderung. Ansonsten überkommt mich schwallartig von Zeit zu Zeit eine riesige Scham, ich glaube, ich bin am Verarbeiten.
Typisch Hochleisterin. Darf ich sagen. Been there, seen that. Zum Heilungsprozess gehört auch, dass Du Dir vergibst. Das braucht aber Zeit. Hör Dir den Podcast ruhig mal an (siehe NDR-Thread). Denk mal gar nicht, dass ich am Anfang meiner Abstinenz so locker über meine Sauferei ins Mikro hätte plaudern können. Ich wäre im Boden versunken.
Das wird. Kopf hoch und weitermachen. Bitte.
Liebe Grüße
Gaby
@rosine123 Anfang 2022 - dann gehen wir gewissermaßen gemeinsam. Ich hatte Anfang Januar einen Energieschub den ich vorrangig kinetisch umgesetzt habe. Aber jetzt ist es, als sei ich in einer dicken grauen Wolke gefangen, alles geht schwer. Ich habe ein paar Cravings umschifft, aber ich bin doch überrascht, WIE schwer es aktuell ist. Wie geht es Dir?
@legionelle Das tut mir leid zu lesen! Mir geht es so weit gut, hatte bisher noch keine Cravings, irgendwie ist mir mein erbärmliches früheres Leben noch so präsent (die anstrengenden, knechtenden Heimlichkeiten), dass ich das Gefühl habe, dass mich diese Erinnerungen - momentan zumindest noch - vor Cravings bewahren. Bin auch nicht extra energiegeladen, freue mich einfach über mein freies Leben mit einem klaren Kopf. Hatte aber kürzlich auch mal wieder mit einer Verstimmung zu kämpfen (das bezeichnest du vermutlich als graue Wolke, oder?), einfach wie angeworfen ... Mir hilft da Sport im Fitnessstudio und teils auch Sauna oder ein Spaziergang. Ich wünsche dir, dass es dir bald wieder besser geht 🙏😘
@rosine123 Dankeschön. Vermutlich jammere ich einfach nur auf hohem Niveau, denn ich schaffe es ja jeden Tag Sport zu machen und den Job zu wuppen und ich lache auch ab und an. ;-). Schön, dass es Dir so gut geht - und krass, wie sich die Geschichten ähneln... ich war letztes Jahr ja auch mehrere (aber nicht zusammenhängende) Monate nüchtern und in den Jahren davor auch. Aber etwas ist anders. Für mich hat der Alkohol seine Unschuld völlig verloren. Das hängt vor allem mit der vielen Literatur, die ich seit Anfang diesen Jahres lese zusammen.
Das freie Leben und vor allem die Abwesenheit aller Vertuschungsversuche genieße ich auch. Wie war es bei Dir? Lebst Du in einer Partnerschaft? Ich bin ja verheiratet und mein Mann dachte immer, ich gehe nach draußen zum Rauchen, ich habe ihm wirklich erst dieses Jahr erzählt, dass mein Thema der Alkohol ist.
@legionelle Mein Mann hat es auch nicht gemerkt, dass ich abhängig war. Ich hab mich auch nie abgeschossen, funktionierte immer. Hatte halt häufiger mal Migräne, die inzwischen auch viel seltener auftritt.
Inzwischen bin ich auch sehr achtsam, mit ist bewusst, dass ich nie mehr auch ich nur ein Glas Wein werde trinken können.





